HSV vs. Werder 2:2

Gregoritsch steuert die Wilde Maus nur fast zum Derbysieg

Österreicher erzielt seinen ersten Doppelpack für den HSV, doch Werder schlägt zweimal zurück. Bremen-Ultras randalieren vor dem Spiel.

Hamburg. Eine Halbzeit "Wilde Maus", eine Halbzeit Riesenrad: In einem wahren Auf-und-Ab-Spiel, das an eine Achterbahnfahrt auf dem Hamburger Dom erinnerte, hat sich der HSV im 105. Nordderby von Werder Bremen mit 2:2 (2:2) getrennt.

Dabei wäre Michael Gregoritsch um ein Haar zum großen Derbyhelden geworden, doch seine beiden Führungstreffer (3., 28.) konterten die Gäste jeweils mit dem Ausgleich. Erst traf Fin Bartels (14.), dann Serge Gnabry (45.).

Trotz einer deutlich spielerischen und kämpferischen Steigerung im Vergleich zu den ersten Saisonspielen reichte es somit für den HSV nur zu einem Unentschieden und dem vierten Punkt, wodurch der Dino auch nach dem 12. Spieltag auf dem letzten Tabellenplatz festhängt.

Drobny leitet die HSV-Führung ein

Dabei legte der HSV nach dem von Trainer Markus Gisdol angesetzten Kurztrainingslager los wie die sprichwörtliche Feuerwehr. Und ausgerechnet der ehemalige Hamburger Publikumsliebling Jaroslav Drobny verhalf seinen früheren Kollegen zur Führung.

In der dritten Minute passte Werders Schlussmann, der nach überstandenem Mittelhandbruch ins Tor zurückkehrte, den Ball völlig unbedrängt ins Seitenaus.

Die HSV-Spieler in der Einzelkritik

Nicolai Müller schnappte sich blitzschnell den Ball, warf zu Lewis Holtby, der wiederum in die Mitte flankte. Dort schraubte sich Gregoritsch in die Luft und köpfte mutterseelenallein entgegen Drobnys Laufrichtung ins Bremer Netz. Der erste Kopfballtreffer des HSV in dieser Saison!

Der Jubel der HSV-Profis war ebenso gewaltig wie auf den mit 55.237 Zuschauern allerdings nicht ausverkauften Rängen. Der durch einen offenen Brief eingeforderte Schulterschluss wurde Realität. An der Seitenlinie hüpfte Gisdol vor Freude.

Die Bilder des 105. Nordderbys:

Bremer Ultras nachhause geschickt

Doch nur elf Minuten jubelte die Gegenseite. Der ehemalige St. Paulianer Fin Bartels legte sich den Ball im HSV-Sechzehner vom rechten auf den linken Fuß, zog in die kurze Ecke ab und ließ damit Christian Mathenia keine Abwehrchance.

Der ehemalige Darmstädter hütete erneut anstelle des verletzten René Adler das HSV-Tor und feierte somit seine Heimpremiere. "Er rutscht weg, aber Fin Bartels macht das auch sehr, sehr gut", analysierte Adler bei "Sky" den Treffer.

Im Gästeblock quoll derweil grüner Rauch auf - nicht der erste Ausfall des Bremer Anhangs rund um das Nordderby. Denn bereits vor dem Spiel mussten rund 240 Bremer Ultras nach Anweisung der Bundespolizei die Heimreise antreten, nachdem sie im Bahnhof von Ellerau (Schlewsig-Holstein) in einem AKN-Zug randaliert hatten.

Erster Doppelpack von Gregoritsch

In der 28. Minute ballte Mathenia dann wieder die Fäuste - vor Jubel. Denn erneut hatte Gregoritsch getroffen. Diesmal musste der Österreicher nach feiner Vorarbeit von Müller nur noch den Fuß hinhalten - der erste Doppelpack des 22-Jährigen im HSV-Dress war perfekt.

Doch den Löwenanteil an der erneuten Führung hatte der Vorlagengeber. "Nicolai trägt die Mannschaft zurzeit ein bisschen", sagte Adler über den emsigen Offensivspieler.

Doch auch Müller konnte den erneuten Ausgleich nicht verhindern. Kurz vor dem Pausenpfiff verlor Ex-Kapitän Johan Djourou einen zweikampf gegen Max Kruse und köpfte unfreiwillig zu Serge Gnabry.

Bremens Jungnationalspieler lief in den Strafraum und schob den Ball lässig am zurückgeeilten Djourou und Mathenia vorbei ins lange Eck. "Um den Sechzehner herum sollte man immer ein bisschen aggressiver verteidigen", urteilte Adler.

Gisdol riskiert viel, Nouri wenig

Nach der wilden Fahrt in der ersten wurde die zweite Halbzeit deutlich ruhiger. Wenn auch Werder munterer aus der Kabine kam und der HSV verkrampfter wirkte.

In der 64. Minute wollte Gisdol daher noch einmal Zeichen setzen, als er für den angeschlagenen Außenverteidiger Dennis Diekmeier mit Luca Waldschmidt einen weiteren Stürmer ins Spiel brachte.

Ganz anders sein Gegenüber Alexander Nouri, der nur fünf Minuten später zur Verwunderung der Zuschauer Serge Gnabry aus dem Spiel nahm, dafür aber immerhin HSV-Schreck Claudio Pizarro ins Spiel schickte.

Doch der Peruaner konnte seinen bislang 19 Treffern gegen seinen Lieblingsgegner keinen weiteren folgen lassen. Denn mehr als eine Kopfballrückgabe auf Mathenia sollte Pizarro nicht gelingen (82.).

Gregoritsch spricht von "Reifeprozess"

Und da auch aus Doppelpacker Gregoritsch in der 74. Minute kein Dreierpacker wurde - Drobny parierte den Kopfball sicher - blieb es am Ende des 105. Nordderbys beim 34. Remis.

"Es war heute ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, wir haben gekämpft bis zum umfallen", sagte Gregoritsch nach dem Spiel bei "Sky" und sprach dabei von einem "Reifeprozess, den wir jetzt durchgehen müssen".

Auch Gisdol zog ein insgesamt positives Fazit. "Die erste Halbzeit war vielleicht mit das Beste, was wir gespielt haben", sagte der HSV-Coach. "In der zweiten Hälfte war das Spiel dann zerfahrener. Aber man hat immer gemerkt, dass unsere Mannschaft das Spiel gewinnen will.“

Bremens Kapitän Clemens Fritz ärgerte sich indes über einen vergebenen Sieg: "Bitter, dass wir hier nicht mehr mitgenommen haben. Wir haben auf beiden Seiten die Verunsicherung gemerkt, es gab unheimlich viele Fehler im Spielaufbau."

Und Werders Trainer Nouri befand: "Auswärts einen Punkt mitzunehmen, ist ok. Wir hätten gerne gewonnen - das hat man der Mannschaft auch angesehenen.“