Bundesliga

HSV: Warum eigentlich nicht von Europa träumen?

Albin Ekdal will seinen HSV-Kollegen Sardinien zeigen – und von einem europäischen Wettbewerb träumen

Albin Ekdal will seinen HSV-Kollegen Sardinien zeigen – und von einem europäischen Wettbewerb träumen

Foto: TimGroothuis / WITTERS

Ein besonderes Testspiel in Cagliari: Der HSV kickt und geht auf Kurzurlaub. Es gibt handfeste Gründe, sich das Ziel Europa zu setzen.

Hamburg. Die Flüge sind längst gebucht. Los geht es bereits an diesem Dienstag. Am frühen Nachmittag fahren Christoph Schlösser (47) und Sohn Simon (18) aus Hamburg los. Um 18.30 Uhr geht die Maschine von Berlin-Schönefeld, um 20.30 Uhr landet der Billigflieger in Rom-Ciampino. Eine Nacht im Hostel, dann geht es am Mittwochmorgen um 8.20 Uhr weiter nach Sardinien, wo der HSV am Abend (20.45 Uhr) auf Cagliari Calcio trifft. „Das ist unser Europapokalspiel. Man muss die Fest­tage so nehmen, wie sie kommen“, sagt Schlösser, der gar nicht daran denken mag, dass sich der HSV sieben Jahre in Folge nicht mehr für das internationale Geschäft qualifiziert hat.

In der Theorie ist das Duell zwischen Serie-A-Aufsteiger Cagliari und dem HSV natürlich nur ein Testspiel. Vereinbart wurde es bereits vor einem Jahr zur Verrechnung im Rahmen des 4,5-Millionen-Euro-Wechsels von Albin Ekdal von Sardinien in den hohen Norden nach Hamburg. Doch ganz praktisch nutzen fast 100 HSV-Anhänger die Partie, um wie die Schlössers endlich mal wieder ein wenig Europapokal-Atmosphäre zu schnuppern.

„Für uns ist das ganz ähnlich“, sagt Ekdal, der sich besonders auf den Zweitagestrip in seine alte Heimat freut. „Ich kenne auf der Insel jeden einzelnen Winkel. Vielleicht kann ich den Jungs die eine oder andere nette Ecke zeigen“, sagt Ekdal.

Testspiel mit Urlaubs-Feeling auf Sardinien

Trainer Bruno Labbadia will die Europa-Reise nutzen, um im vorletzten Test vor dem Pflichtspielauftakt im Pokal gegen Zwickau neben dem taktischen Feinschliff auch am Mannschaftsgeist weiterzuarbeiten. So wurde der Rückflug mit dem Charter ganz bewusst am Tag nach dem Spiel erst auf den Abend gelegt, sodass die ganze Mannschaft nach dem Vormittagstraining noch ein wenig Sonne, Strand und Dolce Vita auf Sardinien genießen kann.

„In Italien geht alles ein wenig entspannter zu. Die Leute wissen, wie man das Leben genießt“, sagt Ekdal, der mehr als zufrieden wäre, wenn der HSV in Zukunft nicht nur zu Testspielen quer durch Europa reist. „Mein Gefühl ist gut. Wir haben einige interessante, neue Spieler dazubekommen“, sagt der Schwede. „Die vergangene Saison war ganz okay, aber natürlich will jeder von uns in diesem Jahr mehr erreichen.“

Transfers: HSV und RB Leipzig mit Risiko

Die vergangene Spielzeit schloss der HSV auf dem zehnten Platz ab, eine offizielle Zielsetzung für die kommende Saison wurde noch nicht ausgesprochen. Nach sieben mageren Jahren ohne Europapokal wagt allerdings kein Hamburger, offen vom internationalen Geschäft zu träumen. Nach Investitionen von mehr als 25 Millionen Euro in diesem Sommer muss allerdings eine Frage erlaubt sein: warum eigentlich nicht?

Fakt ist: Mit Ausnahme des potenten Aufsteigers RB Leipzig ist kein Bundesligaclub in diesem Transfersommer finanziell so sehr ins Risiko gegangen wie der HSV. Einnahmen von 1,7 Millionen Euro stehen Ausgaben von 25,6 Millionen Euro gegenüber. Laut Transfermarkt.de macht das ein negatives Saldo von 23,9 Millionen Euro. Und dieses dürfte noch auf mehr als 30 Millionen Euro anwachsen, wenn Clubchef Dietmar Beiersdorfer den gewünschten Defensivspieler gefunden hat.

Zum Vergleich: Rekordmeister Bayern hat ein Transferminus von 14 Millionen Euro, die Rekordeinkäufer aus Dortmund haben ein Minus von knapp fünf Millionen Euro. Die Zielsetzung „ein bisschen besser als in der vergangenen Saison“ lässt sich bei diesen Ausgaben, die nur durch Investor Klaus-Michael Kühne möglich waren, kaum plausibel erklären.

HSV: Saisoneröffnung mit Fan-Party

„Ein bisschen träumen darf man ja“, sagt Christoph Schlösser, der nichts dagegen hätte, ab 2017 nicht nur „einfach aus Spaß“ durch Europa zu reisen. Dann würde so eine Reise, die für die Schlössers in der Nacht auf den Freitag gegen 4 Uhr in Hamburg endet, mindestens doppelt so viel Spaß machen.