Hamburger SV

Beiersdorfer muss sich der Kühne-Diskussion stellen

Im Januar musste sich der Vorstandsvorsitzende des HSV, Dietmar Beiersdorfer, auf der Mitgliederversammlung im CCH kritischen Fragen stellen. Am Sonntag wird er wieder von der Fußball AG berichten

Im Januar musste sich der Vorstandsvorsitzende des HSV, Dietmar Beiersdorfer, auf der Mitgliederversammlung im CCH kritischen Fragen stellen. Am Sonntag wird er wieder von der Fußball AG berichten

Foto: ValeriaWitters / WITTERS

Vereinschef drohen am Sonntag auf der Mitgliederversammlung kritische Fragen. Neues Besuchertief könnte Folgen für die Satzung haben.

Hamburg.  Die Spannung vor der Mitgliederversammlung ist seit Wochen spürbar. Die Aufsichtsräte müssen sich auf heftige Kritik einstellen. Die Vereinspolitik wird für hitzige Diskussionen sorgen. Rund 9000 Vereinsmitglieder haben ihr Kommen bereits angekündigt. Es wird eine hochemotionale Veranstaltung am Sonntag beim FC Schalke 04 in der Veltins-Arena.

355 Kilometer weiter nördlich sieht das Stimmungsbild ein wenig anders aus. Zeitgleich zur Versammlung in Gelsenkirchen treffen sich auch die Mitglieder des HSV um 11 Uhr zum zweiten Mal in diesem Jahr im CCH. Doch im Gegensatz zum Ligakonkurrenten ist das Interesse der Mitglieder an der Vereinspolitik der Hamburger gering. Zumindest gemessen an der voraussichtlichen Besucherzahl. Nur knapp 300 Gäste erwartet der HSV e.V. am Sonntag. Nachdem im Januar lediglich 309 Stimmberechtigte in das Congress Centrum kamen, droht dem HSV ein neues Besuchertief.

Zwei Jahre zuvor sah es in Hamburg noch ähnlich aus wie auf Schalke. Damals, am 25. Mai 2014, stimmten 9702 Mitglieder im Volksparkstadion für die Ausgliederung der Fußballabteilung und gegen das Mitspracherecht an der neuen HSV Fußball AG. Seitdem hat das Interesse an der Versammlung Halbjahr für Halbjahr nachgelassen. „Ich würde mir wünschen, dass wir wieder zu einer gehaltvollen Diskussionskultur finden“, sagt Mitglied Konstantin Rogalla, das mit seinen kritischen Wortbeiträgen die HSV-Versammlungen der vergangenen Jahre mitprägte. Rogalla meint ausdrücklich nicht die machtgetriebenen Grabenkämpfe, die sich die Mitglieder über Jahre lieferten. „Die brauchen wir nicht. Aber ich erhoffe mir mit kons­truktiver Kritik eine konstruktive Haltung der Vereinsführung“, sagt Rogalla.

Und so wird er vermutlich auch am Sonntag den Bericht der Fußball AG, den Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer vorträgt, kritisch hinterfragen. Auch die erneute Erhöhung der Dauerkartenpreise, über die sich am Donnerstag der HSV-Fanclub für Gehörlose bei Facebook beschwerte, ist ein Reizthema. Konkrete Antworten erwartet indes keiner. Der AG-Vorstand ist nicht verpflichtet, auf der Mitgliederversammlung des e.V. Fragen zu beantworten.

Mitglieder stimmen über zwei Anträge des Präsidiums ab

Jörn Spuida, Geschäftsführer des Vereins, erhofft sich dennoch eine rege Beteiligung der Besucher. „Die Mitgliederversammlung ist die beste Möglichkeit, seine Meinung zu äußern, repräsentativ zu diskutieren und vom freien Wahlrecht Gebrauch zu machen“, sagt Spuida im Gespräch mit dem Abendblatt. Die Anträge des Präsidiums, über die am Sonntag abgestimmt wird, dürften allerdings nur wenige der 75.000 Mitglieder mobilisieren: die Gründung einer gemeinnützigen Gesellschaft für den Betrieb des HSV-Museums sowie der Verkauf einer Teilfläche der Paul-Hauenschild-Sportplätze in Norderstedt. Die Stadt will hier eine bessere Zufahrt zum Erlebnis-Schwimmbad „Arriba“ bauen. „Die Stadt ist auf uns zugekommen, wir wollen kooperieren. Es gibt keinen Zwang, das Gelände zu verkaufen“, sagt Spuida zu den Plänen.

Deutlich größer fällt das Interesse der HSV-Mitglieder an der neuen Vereinbarung zwischen der Fußball AG und Investor sowie Anteilseigner Klaus-Michael Kühne aus. Viele Fans beobachten den wachsenden Einfluss des Milliardärs, dessen Wirken sie mit der Abstimmung vor zwei Jahren ermöglicht hatten, mit Sorge. Auch dazu wird Beiersdorfer am Sonntag Stellung beziehen müssen. Jens Meier, Vereinspräsident und Mitglied des AG-Aufsichtsrats, beschreibt die Zusammenarbeit mit Kühne positiv. „Ich finde es großartig, zu welchen Dingen Herr Kühne für seine Herzensangelegenheit bereit ist. Für den Vorstand geht es nun darum, die finanziellen Mittel sinnvoll einzusetzen.“

Meier wird am Sonntag den Bericht des e.-V.-Präsidiums vortragen. Im Gegensatz zur Fußball AG ist der Verein zwei Jahre nach der Ausgliederung finanziell gut aufgestellt – trotz der Steuernachzahlung in Höhe von rund 1,6 Millionen Euro durch eine Betriebsprüfung der Jahre 2009 bis 2013. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der e.V. einen Gewinn von 250.000 Euro.

In Zukunft könnte es nur noch eine Versammlung geben

Mit Eis- und Rollsport sowie Beachsoccer gibt es zwei neue Sparten. Der Verein hat sich von der Fußballabteilung emanzipiert. Doch das Interesse der Mitglieder richtet sich hauptsächlich auf die Fußball AG. Auch deswegen überlegt der Verein, künftig nur noch eine Mitgliederversammlung im Winter durchzuführen. „Wir können darüber nachdenken, die Satzung anzupassen und einen angemessenen Vereinszyklus auf den Weg zu bringen“, sagt Jörn Spuida.

Dass der Sommertermin vor allem für die Mitglieder mit einem langen Anfahrtsweg häufig nicht in den Kalender passt, wird an diesem Sonntag besonders deutlich. Nur wenige Stunden nach der Versammlung spielt Deutschland im EM-Achtelfinale gegen die Slowakei.