HSV-Glücksbringer?

Werder-Fans empören sich über Schiedsrichter-Ansetzung

Hat sich bei seinem letzten Werder-Spiel nicht unbedingt Freunde auf Seiten der Grün-Weißen gemacht: Fifa-Schiedsrichter Manuel Gräfe

Hat sich bei seinem letzten Werder-Spiel nicht unbedingt Freunde auf Seiten der Grün-Weißen gemacht: Fifa-Schiedsrichter Manuel Gräfe

Foto: Imago/Nordphoto

Manuel Gräfe pfeift das Nordderby Hamburg gegen Bremen. Der Anhang der Gäste kann die Entscheidung der DFL nicht nachvollziehen.

Hamburg. Gerade erst war der Ärger bei Werder Bremen über Fehlentscheidungen des Hamburger Schiedsrichters Tobias Stieler bei der 0:2-Niederlage im DFB-Pokalhalbfinale beim FC Bayern München verflogen, da flatterte Grün-Weiß die nächste aus ihrer Sicht heikle Nachricht ins Haus: Manuel Gräfe wird am Freitagabend das 104. Nordderby beim Hamburger SV leiten (20.30 Uhr, im Liveticker auf abendblatt.de).

Damit ist der Berliner Fifa-Schiedsrichter erstmals wieder in einem HSV-Spiel im Einsatz, seit der heute 42-Jährige im Juni vergangenen Jahres mit seinem Freistoßpfiff in der Nachspielzeit des Relegationsrückspiels beim Karlsruher SC für hitzige Diskussionen gesorgt hatte.

Der Standard führte damals zum Hamburger Ausgleich durch Marcelo Díaz, in der Verlängerung machte der Dino schließlich den Klassenerhalt perfekt. Viele Fußballfans konnten Gräfes Entscheidung nicht nachvollziehen und sagten dem Unparteiischen sogar mehr oder weniger bewusste Einflussnahme auf den Ausgang der Relegation nach.

DFB und DFL nahmen Gräfe daraufhin vorerst aus der Schusslinie und führten ihn über Einsätze in den unteren Ligen erst langsam wieder an die Bundesliga heran. Auch dies nicht ohne Folgen: Beim Spiel Dortmund gegen Augsburg verweigerte der ehemalige Karlsruher Profi Philipp Max dem Pfeifenmann bewusst den Handschlag.

Werder-Fans ahnen Schlimmes

Nun also Gräfes Rückkehr zum HSV - ausgerechnet im brisanten Abstiegskrimi mit dem Nordrivalen. Bremens Anhängerschäft bereitet die Schiedsrichter-Ansetzung entsprechend Unbehagen, bei manchen sorgte sie sogar für Entsetzen. "Gestern hat ein Hamburger gepfiffen und Freitag pfeifft Hamburgs Freund Gräfe. Ich geh kotzen!!!!", wetterte etwa Twitter-Nutzer @Michael130974.

"Na dann... wird Werder wieder beschissen, Gräfe ist bekennender HSV-Fan", schrieb ein anderer. @Maikburbulla wiederum hatte bereits kurz vor der DFL-Entscheidung eine Vorahnung: "Soso, Werder Bremen muss schon am Freitag wieder ran gegen den HSV. Pfeift Gräfe?", fragte er unter Verwendung des vielsagenden Hashtags #DerDinoMussInDerLigaBleiben.

Diplomatischer beurteilen die HSV-Fans den Einsatz des erfahrenen Referees, erkennen aber auch die Brisanz der Personalie an. "Ich finde es grundsätzlich gut, dass Gräfe wieder für HSV-Spiele angesetzt wird. Aber ausgerechnet im Abstiegsduell gegen Werder?", schrieb @VoHenn.

HSV mit positiver Gräfe-Bilanz

Viele Werder-Fans fühlen sich von der DFL schikaniert. Schon nach dem letzten und in dieser Saison bislang einzigen Spiel unter Gräfes Leitung - beim 1:1 gegen Mainz am vorvergangenen Spieltag - waren die Zuschauer im Weserstadion nicht einverstanden mit der Leistung des Schiedsrichters und begleiteten ihn mit Pfiffen in die Kabine. Vom Fachmagazin "Kicker" wurde Gräfe mit einer 5,0 benotet.

Was allerdings berücksichtigt werden muss: Ein umstrittener Elfmeterpfiff in der Nachspielzeit der ersten Hälfte ermöglichte Bremen überhaupt erst wenigstens einen Punkt. Und unter Gräfe hat Werder (16 Siege/8 Unentschieden/13 Niederlagen) ebenso wie der HSV (9/9/7) eine positive Bilanz. Vor Diskussionen nach dem Nordderby wird dies den Mann in Schwarz aber vermutlich dennoch nicht schützen...