HSV-Splitter

Bahoui gesteht Defizite – Streit mit Bern über Transferposse

Ist Sportchef Knäbel zu einfallslos? Seine Transfers erinnern an die von Frank Arnesen. HSV zeigt sich humorvoll nach Transferpanne.

Bahoui hat noch Nachholbedarf

Im ersten Pressegespräch präsentierte sich Neuzugang Nabil Bahoui erstaunlich ehrlich. Er wisse, dass er im Fitnessbereich noch Defizite habe und noch etwas aufholen müsse. "Stück für Stück werde ich jetzt an mir arbeiten", sagte der schwedische Nationalspieler mit marokkanischen Wurzeln. Er sei nun aber erst mal "stolz und froh hier zu sein".

Der 24-Jährige glänzte sogar mit Wissen über die Geschichte seines neuen Vereins. "Über den HSV weiß ich schon, dass er noch nie abgestiegen ist", sagte Bahoui. In der Rückrunde will der Linksaußen alles dafür tun, dass sich daran auch erst mal nichts ändert, denn der HSV sei "einer der größten Clubs in Deutschland".

Dass der Schwede in der Bundesliga ein deutliches höheres Niveau antreffen wird, als in Saudi-Arabien, wo er zuletzt bei Al-Ahli aktiv war, wurde ihm vor allem von Nationalmannschaftskollege Albin Ekdal eindringlich erklärt. "Er sagte mir, dass die Liga sehr stark ist."

Labbadia: Bahoui einer für die Zukunft

Fleißige Trainingszuschauer wurden am Dienstag mit zwei Neuzugängen belohnt. Josip Drmic und Bahoui absolvierten ihre erste Einheit für den HSV. Dick mit einer Mütze eingepackt offenbarten beide, dass sie sich wohl erst noch an das triste Hamburger Wetter gewöhnen müssen. "Wir freuen uns über die zwei neuen Spieler. Das fördert unseren Konkurrenzkampf", sagte Bruno Labbadia nach dem Training.

Labbadia erklärte zugleich, dass Bahoui ein Transfer für die Zukunft sei. "Da wir Ivo im Sommer verlieren, ist es ein vorausschauender Transfer." Drmic, der bis Saisonende ausgeliehen ist, soll hingegen sofort helfen. "Er kann links und rechts spielen und hat ein gutes Spielverständnis." Womöglich läuft Drmic schon am Sonnabend gegen Köln im linken Mittelfeld anstelle von Ivo Ilicevic, den es zu Werder Bremen zieht, auf.

Transferpanne: Bern kontert mit eigener Version

Nach Angaben des HSV platzte der Wechsel von Sekou Sanogo in letzter Sekunde, weil die E-Mail von Young Boys Bern mit den nötigen Vertragsunterlagen erst nach 18 Uhr beim Dino einging. Die Schweizer haben von dieser Version über die Medien erfahren und konterten nun mit ihrer eigenen Geschichte über die Transferpanne.

Sportchef Fredy Bickel beteuert im Blick, bereits um 17.51 Uhr die vollständige Vereinbarung an den HSV geschickt zu haben. Weil die E-Mail nicht ankam, wiederholte er den Vorgang drei Minuten später erneut. Doch auch diese elektronische Post ging offenbar unterwegs verloren und so erhielt der HSV die Unterlagen erst um 18.04 Uhr.

„Leider wurden die für den Transfer erforderlichen Dokumente in Bern zu spät versendet und erreichten uns nach 18 Uhr. Das ist sehr ärgerlich. Mir tut es leid für den Spieler, der gerne für den HSV gespielt hätte“, hatte Peter Knäbel auf der Vereinshomepage erklärt.

Die Neuzugänge des HSV:

„Auch mir tut es für Sekou enorm leid“, sagte Bickel. Allerdings würden sich die Berner auch fragen, warum es die Hamburger nach der ersten Kontaktaufnahme am Sonntagmittag innerhalb von mehr als 30 Stunden nicht geschafft hätten, den Wechsel des 26-Jährigen perfekt zu machen. Schließlich sei es der HSV gewesen, der den Spieler unbedingt wollte.

HSV reagiert humorvoll auf Panne

Der geplatzte Sanogo-Deal ist nicht der erste Last-Minute-Transfer, mit dem der HSV schlechte Erfahrungen machte. 2011 scheiterte der Wechsel von Angreifer Eric Maxim Choupo-Moting zum 1. FC Köln, weil dessen Vater den Kontrakt wegen eines defekten Fax-Geräts zu spät verschickte.

Daran konnten sich auch die Domstädter am Montagabend noch erinnern. „Wir fühlen mit euch“, twitterte der Ligarivale. Die Antwort des HSV folgte prompt. „Danke für euer Mitgefühl! Sonntag aber dann bitte keine Faxen“, zwitscherten die Hamburger in Anspielung auf das Bundesligaduell am Sonntag im Volksparkstadion (15.30 Uhr im Liveticker bei abendblatt.de).

Ist Knäbel zu einfallslos?

Mit Drmić und Bahoui sind dem HSV auf der Zielgeraden der Wintertransferperiode zwei echte Überraschungen gelungen. Dass der eine Schweizer Nationalspieler ist, und der andere beim saudi-arabischen Verein Al-Ahli Dschidda vom Schweizer Christian Gross trainiert wurde, ist kein Zufall. Peter Knäbel nutzt immer wieder seine Kontakte aus seiner Zeit als technischer Direktor des Schweizer Fußballverbandes zwischen 2009 bis 2014.

Eigentlich sollten auch entweder Gökhan Inler von Leicester City oder Sekou Sanogo den HSV verstärken. Doch während der eine zu teuer war, sollte beim anderen die Transferfrist zur unbezwingbaren Hürde werden. Und auch hier spielte die Schweizer Note eine Rolle. Inler ist Kapitän der „Nati“ und der Ivorer war im Profibereich bislang ausschließlich in der Schweiz aktiv.

Die aktuellen Beispiele sind keine Ausnahme. Vor einem Jahr hatte Knäbel Marcelo Díaz vom FC Basel, und damit ebenfalls aus der Schweiz, gekauft. Knäbels gute Kontakte könnten ihm auch als Einfallslosigkeit ausgelegt werden. So war es zumindest 2011 beim damaligen HSV-Sportchef Frank Arnesen der Fall, der in Gökhan Töre, Jacopo Sala, Michael Mancienne, Jeffrey Bruma und Slobodan Rajkovic gleich fünf Spieler von seinem alten Verein, dem FC Chelsea, holte. Sie entpuppten sich allesamt als Transfer-Flops.

Der Grat zwischen einem Lob für gute Kontakte und Kritik an der Einfallslosigkeit ist schmal und hängt auch davon ab, wie gut die Neuzugänge einschlagen. Ob Drmić und Bahoui eine echte Verstärkung für den HSV sein werden, wird sich in den kommenden Wochen noch zeigen.

Gladbach wünscht dem HSV viele Tore

Trotz der Ausleihe an den HSV hält Borussia Mönchengladbach nach wie vor große Stücke auf Josip Drmic. "Wir hoffen, dass er viel spielt und viele Tore macht. Und dass er dann gestärkt zu uns zurückkommt", sagte Sportdirektor Max Eberl der Rheinischen Post. Dabei erinnerte sich der Bundesliga-Sechste an ein vergleichbares Geschäft und setzt auf den Kramer-Effekt. "So eine Leihe kann auch perspektivisch gesehen werden. Wir hatten den Fall bei Christoph Kramer. Er hat einen großen Entwicklungsschritt gemacht bei uns und war dann wieder weg. So soll es bei Josip auch sein." Ausnahmsweise dürfte der HSV großes Interesse hegen, dass der Ligarivale mit seiner Theorie recht behält.

Spahic und Ekdal müssen sich gedulden

Verteidiger Emir Spahic soll nach seinem Einriss in der Bauchmuskulatur möglicherweise schon in dieser Woche mit der Mannschaft trainieren. Ein Einsatz des Bosniers am Sonntag gegen Köln ist aber unwahrscheinlich. Weiterhin gedulden muss sich Albin Ekdal. Der Schwede reist in dieser Woche nach Augsburg, um sich in einer Fachpraxis noch einmal untersuchen zu lassen. Der HSV geht davon aus, dass Ekdal im März wieder spielen kann.