Interview

Dennis Diekmeier als Fußball- und Familienprofi

Dennis Diekmeier am Hafen

Dennis Diekmeier am Hafen

Foto: ValeriaWitters / WITTERS

Der HSV-Profi spricht vor dem Spiel gegen Leverkusen über seine Rolle als Fußballvater, Kindersitze im Ferrari und freizügige Fotos.

Hamburg. Henrik Jacobs

Selbstverständlich wird die gesamte Familie Diekmeier auch an diesem Sonnabend beim Heimspiel gegen Bayer Leverkusen (15.30 Uhr/Sky und im Liveticker bei abendblatt.de) im Volksparkstadion versammelt sein: Dennis’ Eltern, die Schwiegereltern, seine schwangere Ehefrau Dana und die beiden Kinder Delani, 4, und Dion, 1: „Ich bin ein richtiger Familienmensch“, sagt HSV-Rechtsverteidiger Dennis, der sich vor der Partie Zeit nahm, um über seine Doppelrolle als Fußball- und Familienprofi zu reden.

Hamburger Abendblatt: Herr Diekmeier, herzlichen Glückwunsch! Sie werden ja bald zum dritten Mal Vater. Wie viele Kinder sollen es noch werden?

Dennis Diekmeier: Eigentlich ist die Familienplanung dann erst mal beendet. Das haben wir allerdings auch schon nach dem zweiten Kind gesagt ...

Sie wurden gerade vom neuen Eltern-Magazin „Men’s Health Dad“ als „Fußball-Papa“ in Szene gesetzt. Würden Sie sich selbst als guten Vater bezeichnen?

Diekmeier : Das denken wahrscheinlich die meisten Papas von sich selbst – und ich bin da keine Ausnahme. Ich habe schon eine sehr enge Beziehung zu meinen Kids. Ich probiere, die freie Zeit mit ihnen zu nutzen. Normalerweise bringe ich Delani zum Kindergarten und hole sie auch wieder ab. Und an trainingsfreien Nachmittagen machen wir auch jede Menge Unsinn zusammen. Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht alles durchgehen lasse. Delani wird bald fünf Jahre alt und versucht gerade ihre Grenzen auszuloten.

Wer ist strenger bei den Diekmeiers? Mama oder Papa?

Diekmeier : Mama. Ganz klar. Ich bin eher der Spielpapa, der nicht immer so konsequent ist. Aber gerade bei Delani gebe ich mir gerade Mühe, dass ich ihr auch ihre Grenzen aufzeige. Anders geht es ja nicht.

Hat Delani schon verstanden, dass ihr Papa ein Promi ist?

Diekmeier : Promi, ich bitte Sie! Aber sie ist gerade in einem Alter, wo sie sehr viel sehr schnell versteht. Ihr Kindergarten liegt gegenüber einer Schule. Und wenn ich sie morgens zum Kindergarten bringe, dann sind da manchmal auch Kinder oder Eltern, die nach einem Autogramm oder einem Foto fragen. Ich habe damit natürlich kein Problem, aber Delani findet das manchmal überhaupt nicht gut. Oder wenn wir im Spieleparadies sind und mal ein Kind hinter mir her läuft, dann wird sie schnell eifersüchtig und macht deutlich, dass sie ihren Papa alleine für sich haben will. Neulich hat sie gefragt: „Papa, kannst du nicht Pilot sein?“

Was ist denn gerade ihr Traumberuf?

Diekmeier : Stewardess. Aber sie hat nicht Stewardess gesagt, sondern: im Flugzeug die Getränke verteilen.

Wie haben Sie ihr den Fußballrummel erklärt?

Diekmeier : Das war gar nicht so einfach. Ich habe ihr versucht zu erklären, dass ich Fußball spiele und dass so viele Menschen gerne Fußball gucken. Und dass das der Grund ist, warum die Leute dann gerne ein Foto mit mir machen. Am Anfang hat sie das noch nicht so richtig verstanden, aber mittlerweile findet sie es in Ordnung.

Wechseln Sie auch Windeln?

Diekmeier : Ich muss zugeben, dass ich mich daran erst gewöhnen musste. Aber mittlerweile bin ich ziemlich gut.

Lesen Sie abends vor?

Diekmeier : Klar lese ich vor.

Welche Superhelden sind im Kinderzimmer denn gerade angesagt?

Diekmeier : Die Eiskönigin Elsa ist momentan ganz klar die Nummer eins. Wir haben auch Unmengen von Pferdegeschichten, die ich vorlesen muss.

War Ihr Vater denn ein strenger Vater?

Diekmeier : Er war streng, aber nicht zu streng. Mein Papa hat mich extrem beim Fußball unterstützt, hat mir klargemacht, dass man nicht bis nachts auf eine Party gehen kann, wenn man am nächsten Tag ein Spiel hat. Und erklären Sie das mal einem 15-Jährigen ...

Haben Sie es schnell verstanden?

Diekmeier : Es geht so. Wenn am Freitagabend die ganze Klasse auf eine Party geht, dann vergisst man schon mal ganz gerne, dass man am nächsten Morgen um 11 Uhr ein Spiel hat. Mein Vater hat mich daran erinnert. Und als ich es dann als Fußballprofi geschafft hatte, war ihm wichtig, dass ich nicht abhebe.

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Wie bestellt kommt ein kleiner Junge an den Tisch und fragt, ob er ein Autogramm auf seine Mütze haben könnte. „Du kommst ja wirklich genau im richtigen Moment“, sagt Diekmeier, lacht und unterschreibt.

Wie haben Ihre Eltern reagiert, als Sie sich mit Ihrer Frau, kaum bekleidet, in einer Zeitung haben ablichten lassen?

Diekmeier : Na klar fanden sie das anfangs etwas irritierend. Sie mussten sich auch daran gewöhnen, dass wir beide so viele Tattoos haben. Aber die gehören nun mal zu uns und wir verbinden eine Geschichte damit.

Wie war das bei Ihrem ersten Tattoo?

Diekmeier : Von meiner ersten Tätowierung haben meine Eltern erst nach zwei Jahren erfahren. Ich war 17 Jahre alt, sah ein bisschen älter aus und ging in Achim bei Bremen in ein Tattoostudio und habe mich für so ein chinesisches Zeichen am Rücken entschieden. „Glückliches Leben“ soll es bedeuten.

Und wie haben es Ihre Eltern entdeckt?

Diekmeier : Meine Mutter ist Friseurin und schneidet auch mir bis heute die Haare. Irgendwann hat sie es dann entdeckt. Sie hat aber ganz cool reagiert. Sie hat nur gesagt, dass ich es bitte nicht übertreiben soll.

Das hat ja geklappt ...

Diekmeier : Mittlerweile hat meine Mutter es akzeptiert. Sie weiß aber auch, dass ich verantwortungsbewusst damit umgehe. Ich würde mich beispielsweise nie während der Saison tätowieren lassen. Nur in der Pause.

Was sagen Sie Delani, wenn sie sich mit 16 Jahren tätowieren lassen will?

Diekmeier : Das ist eine gemeine Frage. Dana und ich haben schon häufiger darüber geredet. Ganz ehrlich: Eine echte Antwort habe ich noch nicht parat. Wahrscheinlich würde ich erst mal Nein sagen. Bis dahin muss ich mir nur noch eine gute Begründung überlegen. Aber unsere Hoffnung ist eher, dass sich Delani denkt, dass sie keine Tattoos will, weil Mama und Papa schon so viele haben. Und mit 16 findet man ja eher uncool, was die Eltern machen.

Sie haben seit Kurzem eine Nanny. Warum?

Diekmeier : Ich habe ja sehr unregelmäßige Arbeitszeiten, bin auch an den Wochenenden unterwegs. Wir wollten das dann einfach mal ausprobieren und hatten gleich Glück. Es ist ja nicht einfach, einer Person von außerhalb sein Kind anzuvertrauen. Am Anfang war sie dann oft nur dabei, damit die ganze Familie ein Gefühl dafür bekommt. Mittlerweile ist sie regelmäßig bei uns.

Herr Diekmeier, Sie haben ein Kindermädchen, einen ganzen Fuhrpark mit schnellen Autos, sind überall tätowiert und werden von Boulevardzeitungen als „Glamour-Boy“ bezeichnet. So ganz durchschnittlich scheinen Sie uns nicht ...

Diekmeier : Wenn Sie das denken, hätten Sie mich wohl auch nicht nach einem Interview gefragt. Ich empfinde mich selbst als normalen Typen ...

... mit einem Ferrari ...

Diekmeier : ... ich hatte schon als Kind einen Autotick. Auf dem Autoteppich wollte ich nur die schnellen Flitzer.

Wie ist das mit Kindersitzen im Ferrari?

Diekmeier : Ich habe extra einen Viersitzer, in den zwei Kindersitze hinten reinpassen. Nach so etwas musste ich länger suchen, aber das war Bedingung.

Ein Familienmensch durch und durch ...

Diekmeier : Ich bin mir sicher, dass ich auch ein ziemlich gutes Leben ohne Fußball und schnelle Autos hätte, solange ich meine Familie um mich habe.

Hier geht es zur Bilanz gegen Bayer Leverkusen

Beim Spiel gegen Leverkusen wird auch wieder die ganze Familie im Stadion dabei sein. Wie erklären Sie Ihrer Tochter, dass alle Zuschauer pfeifen, wenn Hakan Calhanoglu oder Jonathan Tah am Ball sind?

Diekmeier : Delani hinterfragt alles, da sind dann Oma und Opa gefragt. Ich bin ja auf dem Platz, da kann ich ihr in dem Moment nicht allzu viel erklären.

Ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Ihr Berater Volker Struth war direkt vor dem Leverkusen-Spiel in Hamburg ...

Diekmeier : Darüber mag ich jetzt nicht viel sagen. Wenn wir als Familie irgendwann eine Vertragsverlängerung feiern könnten und wissen, wie und wo es für uns weitergeht, wäre es schön.