Hamburger SV

Rudnevs und Zoua: Das Ende der Sitzenbleiber?

Artjoms Rudnevs und Jacques Zoua - bald nicht mehr im HSV-Dress?

Artjoms Rudnevs und Jacques Zoua - bald nicht mehr im HSV-Dress?

Foto: TimGroothuis / WITTERS

Der HSV ist in finalen Gesprächen mit Ajaccio über Transfer von Jacques Zoua. Rudnevs abolviert Medizincheck in Saloniki.

Hamburg. 38 kleine Flaggen hingen am Dienstag am Trainingszaun des HSV. Liebevoll hatte ein Fan des Bundesligisten die Farben der verschiedenen Nationen an einem Gitter dekoriert. Sie stehen symbolisch für die Herkunft aller Spieler und Betreuer im Verein. Mit dabei waren auch die Flaggen von Lettland und Kamerun, stellvertretend für Artjoms Rudnevs und Jacques Zoua. Ob die Nationalfahnen der beiden Stürmer auch zukünftig im Volkspark wehen, ist derzeit aber mehr als fraglich. Sowohl Rudnevs als auch Zoua stehen zum Verkauf. Und in beiden Fällen scheint nun auch Bewegung zu kommen. Die rund 300 Trainingsgäste, darunter etliche Schüler, suchten die beiden am Dienstag vergeblich.

Es war schon nach Mitternacht, als der HSV via Twitter mitteilte, dass sich der Lette Rudnevs auf dem Weg nach Griechenland befinde. „Er soll sich vor Ort ein Bild von PAOK Saloniki machen“, verkündete der Verein. Eine Mitteilung, die überraschte, denn die Bereitschaft des 27-Jährigen, den HSV trotz fehlender sportlicher Perspektive zu verlassen, schien bis zuletzt eher gering ausgeprägt zu sein. Nun aber besteht für Rudnevs die konkrete Möglichkeit, bei einem Verein unterzukommen, der von einem seiner größten Förderer geführt wird: dem ehemaligen HSV-Sportdirektor Frank Arnesen. Der Däne war es, der Rudnevs vor drei Jahren für rund 3,5 Millionen Euro vom polnischen Erstligisten Lech Posen zum HSV holte. Unter Trainer Bruno Labbadia hat Rudnevs, der in seiner ersten Saison noch zwölf Bundesligatore erzielte, aber keine Zukunft mehr. Nun will Arnesen Rudnevs zum griechischen Erstligisten holen, der Medizincheck wurde bereits absolviert. In Saloniki würde Rudnevs wieder auf Slobodan Rajkovic treffen, der erst vor wenigen Wochen vom HSV zu PAOK wechselte. Am Donnerstag spielt Saloniki im Rückspiel der zweiten Qualifikationsrunde zur Europa League beim slowakischen Vertreter Spartak Trnava (Hinspiel 1:0). Geht jetzt alles schnell, könnte Rudnevs dann schon offiziell bei PAOK unter Vertrag stehen.

Hamburgs Direktor Profifußball, Peter Knäbel, würde auf seiner langen Liste der Kaderaktivitäten mit Rudnevs einen Spieler verkaufen, der in der Fußballsprache allgemein gerne als Ladenhüter bezeichnet wird. Gemeint sind Spieler, die ein Verein gerne loswerden möchte, sie aber nicht loswird. Weil der Spieler entweder gar nicht wechseln will, oder sich kein geeigneter Abnehmer finden lässt. Beim HSV gab es in den vergangenen Jahren traditionell diverse dieser sogenannten Ladenhüter. Aktuell stehen mit Rudnevs, Zoua und dem Tschechen Petr Jiracek drei Spieler im Kader, denen ein Vereinswechsel nahegelegt wurde. Allein der neue Verein fehlt noch.

An fehlenden Interessenten liegt es in der Regel nicht, dass der HSV in nahezu jeder Transferperiode gleich eine ganze Reihe Spieler loswerden möchte. Vielmehr scheinen sich viele Spieler in Hamburg angesichts ordentlicher Gehälter und einem komfortablen Umfeld so wohlzufühlen, dass sie einen Platz auf der Bank oder gar auf der Tribüne einer neuen sportlichen Herausforderung vorziehen. Zuletzt zierte sich Jacques Zoua, der beim Training am Dienstag krankheitsbedingt fehlte, das Angebot des türkischen Verein Osmanlispor anzunehmen. Stattdessen deutet alles auf einen Wechsel des 23-Jährigen zum französischen Club GFC Ajaccio hin. Der HSV befindet sich in den finalen Gesprächen über eine Ablösesumme. Ein Leihgeschäft von Mo- hamed Gouaida zu 1860 München hat sich indes zerschlagen.

Dass die sportlich Verantwortlichen um Peter Knäbel gewillt sind, Spieler mit aller Macht loszuwerden, bewiesen sie bereits bei Lasse Sobiech (St. Pauli) und Maximilian Beister (Mainz), denen sie für ihre Wechsel noch eine Abfindung zahlten. „Wir werden in dieser Transferperiode keinen Publikumspreis gewinnen“, sagte Knäbel. Die Zeiten, in denen man sich von Spielern trennen wollte, um sie nach einem gescheiterten Verkauf doch wieder einzusetzen (Robert Tesche, Michael Mancienne, Gojko Kacar, Ivo Ilicevic), sollen vorbei sein. Eine zweite Trainingsgruppe wird es nicht geben.

Klappt es mit den Transfers von Zoua und Rudnevs, bliebe ohnehin nur noch Jiracek übrig. Aber bis zum 31. August, dem Ende der Transferperiode, ist ja noch ein bisschen Zeit. Bis dahin kann die tschechische Flagge noch ein paar Tage am Trainingsplatz hängen.