Bundesliga

HSV verschärft Rauchverbot im Volksparkstadion

| Lesedauer: 5 Minuten
Florian Heil
Für HSV-Trainer-Legende Ernst Happel gehörte die Zigarette zu einem Fußballspiel dazu

Für HSV-Trainer-Legende Ernst Happel gehörte die Zigarette zu einem Fußballspiel dazu

Foto: WilfriedWitters / WITTERS

Der Trend geht seit Längerem in diese Richtung. Auch in Stadien von Bundesligisten sowie europäischen Spitzenclubs gilt Rauchverbot.

Hamburg. Volker Gellers geht gerne zum HSV. Auch der zuletzt wenig ansehnliche Fußball im Volkspark hält das Vorstandsmitglied des Fanclubs „Harburg Vikings“ nicht davon ab, auch in der kommenden Saison möglichst alle Heimspiele seines Vereins auf der Nordtribüne zu verfolgen. Dabei geht es Gellers auch um die Geselligkeit, die der Besuch des Stadions in der Gemeinschaft der rund 50 Mitglieder mit sich bringt. Und der 41-Jährige spricht nicht nur für sich, sondern für „90 Prozent unserer Leute“, wenn er sagt: „Zu einem Stadionbesuch gehört für mich die Bratwurst, das Bierchen und die Zigarette dazu.“

Doch diese Kombination könnte beim HSV demnächst in Gefahr sein. Die Meldung versteckte sich unter „Besonderes“ bei den Ticketinformationen auf der Homepage des Vereins. „Die Blöcke 7A/B/C, 8A/B/C und 9A/B/C gelten ab der nächsten Saison als rauchfrei.“ Block 8 ist im Volkspark der Familienblock, dort darf schon seit geraumer Zeit nicht geraucht werden. Doch nun sollen auch die angrenzenden Bereiche frei von Glimmstängeln jeder Art werden. „Wir reagieren damit auf die größere Nachfrage nach Nichtraucherplätzen. Wir werden auch darauf achten, dass sich die Fans an die Vorgabe halten und einen Verstoß gegebenenfalls sanktionieren“, sagt Pressesprecher Tobias Hauke. Ein totales Rauchverbot im Stadion stehe allerdings nicht zur Debatte.

Trend geht seit Längerem in diese Richtung

Ganz neu ist diese Marschroute in Hamburg nicht. Schon 2008 kam das Thema auf die Agenda, als Vorstandsmitglied Katja Kraus eine Ausweitung des Rauchverbots anstrebte. „Es konnte sich damals jedoch keine Mehrheit für diese Idee im Vorstand finden“, sagt Kraus heute. „Meiner Ansicht nach gibt es zukünftig aber keine Alternative zu komplett rauchfreien Stadien.“

Der Trend geht seit Längerem in diese Richtung. Die Quote der Raucher in Deutschland ist in den letzten zehn Jahren von rund 35 auf 25 Prozent zurückgegangen. In den Fußballstadien liegt diese nach Schätzungen des Vereins Pro Rauchfrei zwar noch bei rund 35 Prozent, dennoch gibt es in der Bundesliga bereits einige Stadien, in denen das Rauchen komplett untersagt ist: Köln, Hoffenheim und Leverkusen nehmen derzeit eine Vorreiterrolle ein. In England sind bereits alle Stadien rauchfrei, in Polen ebenso. Auch das Stadion des FC Barcelona ist vollkommen frei von Tabakprodukten – nachdem sich 85 Prozent aller Mitglieder dafür ausgesprochen hatten.

Bei Welt- und Europameisterschaften galt seit 2002 entweder striktes Rauchverbot oder zumindest die Empfehlung, auf Zigaretten zu verzichten. Bei der EM 2016 in Frankreich wird die Europäische Fußball-Union (Uefa) gar keine Toleranz mehr zeigen und den Konsum jeglicher Tabakprodukte in den Innen- und Außenbereichen der Stadien untersagen. Das Rauchverbot soll auch für alle offiziellen Fanfeste im Rahmen des Turniers gelten. 6500 freiwillige Helfer erhalten dafür eine eigene Schulung, um dieses auch durchzusetzen.

Selbst an der Seitenlinie wurde früher geraucht

Vor nicht allzu langer Zeit sah das ganz anders aus. Als Rainer Nickel von Pro Rauchfrei im Jahr 2010 auf der Mitgliederversammlung des FC Bayern München in Erwägung zog, zumindest im „Kids-Club“ nicht mehr zu rauchen, wurde er mit gellenden Pfiffen bedacht und ihm der Vereinsaustritt nahegelegt. Uli Hoeneß musste schlichten; der ehemalige Bayern-Boss war der Einzige, der zu mehr Toleranz aufrief.

Sogar an der Seitenlinie gehörte das Qualmen für einige zum Fußball wie das Spielgerät. HSV-Trainerlegende Ernst Happel gönnte sich während der Spiele gerne ein Zigarettchen oder auch fünf bis sechs. Stürmer-Idol Horst Hrubesch verriet unlängst, dass Happel immer nur eine einzige Sorte geraucht habe – und zwar Belga aus Belgien. Diese Zigaretten seien dermaßen hart gestopft gewesen, dass sie zehn, zwölf Minuten brennen würden. „Es sah also danach aus, als ob er eine nach der anderen durchziehen würde, in Wirklichkeit waren es aber weniger“, sagte Hrubesch. Auch einer seiner Nachfolger, Klaus Toppmöller, blies den blauen Dunst gerne durch seine Lungen, die sich „noch heute bester Gesundheit erfreuen“, wie der Ex-Trainer mitteilte. „Ich bin bis heute Genussraucher, halte von generellen Verboten gar nichts. Dennoch habe ich Verständnis dafür, dass das Qualmen am Spielfeldrand nicht mehr gestattet ist. Wir sind ja auch Vorbilder für die Jugend“, sagte Toppmöller. Mittlerweile wurde das Rauchen an der Seitenlinie seitens des DFB untersagt.

Für Pro Rauchfrei gehen die Maßnahmen jedoch nicht weit genug. Der Verein fordert ein uneingeschränktes Recht aller Bürger auf eine tabakfreie Atemluft, das gelte auch für Orte von Massenveranstaltungen wie Sportstadien. Nichtraucher, Jugendliche und Kinder müssten vor den Schadstoffen im Tabakrauch geschützt werden. „Dies kann nur durch ein Rauchverbot im gesamten Stadion erreicht werden“, erklärt Nickel.

Fanclub-Vorsitzender Gellers hätte dafür kein Verständnis. „Ich finde es gut, dass der HSV sein Rauchverbot auf Teile des Stadions ausweitet. Doch auf der Nordtribüne habe ich noch von niemandem gehört, dass ihn meine Zigarette stören würde.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: HSV