Knäbels Trainerdebüt

HSV erschreckend schwach: "Hätten höher verlieren können"

Ein desolater HSV kassiert herbe Pleite im Abstiegskampf. Schon das 16. Saisonspiel ohne eigenen Treffer. Knäbel spricht Klartext.

Die mitgereisten HSV-Fans tobten im Gästeblock der BayArena und beschimpften nach dem Schlusspfiff die Hamburger Fußball-Profis. „Man kann es verstehen, sie haben ja recht. Wir haben nicht genug gekämpft“, meinte Kapitän Johan Djourou nach der 0:4 (0:2)-Pleite zu den Rufen: „Wir haben die Schnauze voll“.

Peter Knäbel, der den vor zwei Wochen entlassenen Joe Zinnbauer ersetzt, erlebte im ersten Spiel als Trainer auf der Bundesliga-Bank ein Debakel. Der inzwischen seit sieben Spielen sieglose HSV kommt dem ersten Abstieg aus dem Fußball-Oberhaus immer näher. Die Hamburger bleiben zunächst auf Relegationsplatz 16. Stuttgart verliert mit 1:3 gegen Wolfsburg, aber Abstiegskonkurrent Freiburg siegte 1:0 in Köln. Hannover spielt nur 2:2 in Frankfurt. Am Sonntag kann Paderborn mit einem Sieg bei Hertha BSC am Dino vorbeiziehen.

"Wir brauchen Männer. Aber heute habe ich keine elf Männer gesehen", stellte Knäbel ernüchternd fest: "Es war eine diskussionslose Niederlage, wir hätten noch höher verlieren können."

+++ Einzelkritik: HSV-Profis maximal zweitligareif +++

Gonzalo Castro (7., 64.) und Stefan Kießling (44., 56.) erzielten die Treffer für die Werkself, die gegen harmlose Gäste kaum gefordert war und ein noch höheres Ergebnis verpasste. Bei Leverkusen saßen beim Anpfiff die beiden früheren Hamburger Hakan Calhanoglu und Heung-Min Son überraschend auf der Bank, während beim HSV in der alten und neuen Nummer eins René Adler ein altere Bekannter in der BayArena zwischen den Pfosten stand.

Frühe Führung für Bayer

Bereits in der 7. Minute erzielte Castro das frühe 1:0 nach einem Fehlpass von Johan Djourou auf Heiko Westermann: Nationalspieler Karim Bellarabi fischte sich den Ball, sprintete allein auf den Ex-Leverkusener Torwart René Adler zu und spielte im letzten Moment quer auf Castro, der aus Nahdistanz einschoss. "Unglücklicher kann man so ein Spiel nicht beginnen, als wir es heute gemacht haben. Das war ein Horrorstart, den Ball schießen wir uns fast selber rein", so Knäbels Urteil über die Szene.

Leverkusens Abwehrspieler Tin Jedvai, der nach ausgeheiltem Muskelfaserriss erstmals in diesem Jahr spielen konnte, Wendell und Kyriakos Papadopoulos hätten anschließend für die Werkself erhöhen können. Kurz vor dem Halbzeitpfiff war es dann Kießling, der mal wieder den Vorzug vor Josip Drmic erhalten hatte, der per Kopf auf 2:0 erhöhte. Sein fünfter Saisontreffer war für den Bayer-Torjäger in dieser Saison zugleich der erste vor eigenem Publikum.

Der HSV war mit dem 0:2 zur Halbzeit noch gut bedient. Nach einem 18-Meter-Schuss von Bellarabi (28.), den Adler glänzend parierte, und einem wuchtigen, aber nicht präzisen Kopfball von Kyriakos Papadopoulos (30.) konnte nur Kießling kurz vor dem Pausenpfiff noch das zweite Bayer-Tor per Kopfballverlängerung erzielen. Die Halbzeitbilanz des HSV: 1:5-Ecken, 1:8-Torschüsse, keine Chance.

Zweite Halbzeit keine Gegenwehr mehr

Und besser wurde es auch in der zweiten Hälfte nicht - im Gegenteil. In der 48. Minute konnte Adler den dritten Treffer noch verhindern: Den Schuss von Julian Brandt aus 16 Metern wehrte er gekonnt zur Ecke ab. Machtlos war er in der 56. Minute, als Kießling im Nachschuss zum zweiten Mal einnetzen konnte. Fünf Minuten später vollendete auch noch Castro seinen Doppel-Pack zum 4:0.

Der HSV, mit 16 Toren abschlussschwächstes Team der Liga, prüfte in Form von Ivo Ilicevic Bayer-Keeper Bernd Leno in der 65. Minute das erste und einzige Mal. Die Hamburger hatten sogar Glück, nicht noch stärker unter die Räder geraten zu sein. Schließlich traf Papadopoulos in der 68. Minute per Kopf nur den Pfosten. Die mitgereisten hanseatischen Fans wurden nur noch einmal munter, als der Ex-Hamburger Hakan Calhanoglu in der 82. Minute eingewechselt wurden. Sie pfiffen ihn aus, weil sein Wechsel zu Bayer 04 zu Saisonbeginn nicht gerade elegant abgewickelt worden war.

Beim desaströsen HSV verhinderte der bemitleidenswerte Adler hinter einer löchrigen Abwehr eine noch höhere Niederlage der Gäste. Es war bereits das 16. Spiel ohne eigenen Treffer in dieser Saison. Nächste Woche empfangen die Hamburger den Tabellen-Zweiten VfL Wolfsburg. "Darauf müssen wir uns jetzt konzentrieren", so Knäbel.

Statistik zum Spiel

Leverkusen: Leno - Jedvaj (66. Donati), Toprak, Kyriakos Papadopoulos, Wendell - Lars Bender, Rolfes - Bellarabi (82. Calhanoglu), Castro, Brandt - Kießling (73. Drmic). - Trainer: Schmidt

Hamburg: Adler - Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek - Behrami, Jiracek (60. Diaz) - Nicolai Müller (67. Lasogga), Stieber (46. Holtby), Ilicevic - Olic. - Trainer: Knäbel

Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)

Tore: 1:0 Castro (7.), 2:0 Kießling (44.), 3:0 Kießling (56.), 4:0 Castro (63.)

Zuschauer: 30.210 (ausverkauft)

Gelbe Karten: Toprak (7), Kießling (3), Kyriakos Papadopoulos (5) - Westermann (2), Diekmeier (7)

Torschüsse: 25:4

Ecken: 7:2

Ballbesitz: 51:49 %