Hamburger SV

Zwei Trainer, acht Spiele - und eine Mission

Trainerduo Peter Knäbel und Peter Hermann muss sofort funktionieren, um den taumelnden HSV vor dem Abstieg zu retten. Erste Station: Bayer Leverkusen.

Hamburg. Am Ende noch eine Extraschicht. Flanken. Das Training ist eigentlich vorbei, eigentlich. Aber Peter Hermann wollte mit ein paar Spielern noch etwas üben. Steht dabei, feuert an. Jede Minute zählt schließlich, der HSV hat keine Zeit mehr. Nur sieben Wochen bleiben noch, nur acht Spiele um das sportliche Schicksal des höchst abstiegsgefährdeten Bundesliga-Gründungsmitglieds positiv zu entscheiden. Der Countdown läuft, ab diesem Sonnabend (15.30 Uhr/Sky und Liveticker bei abendblatt.de) wird mit der Partie bei Bayer Leverkusen die Saison runtergezählt. Premiere für das neue Trainer-Duo Peter Knäbel/Peter Hermann unter höchstem Zeit- und Erfolgsdruck. „Man kann jetzt nicht mehr lange etwas erarbeiten“, sagt Hermann, „es muss direkt alles klappen.“

Seit 13 Tagen ist Knäbel nun als Interimstrainer auf Rettungsmission für den HSV. Seit acht Tagen hat er Hermann an seiner Seite, das anerkannte Co-Trainer-Urgestein, der in Leverkusen, München und Schalke erfolgreich im Hintergrund gewirkt hatte. Der 63-Jährige dirigiert, motiviert. Lautstark weist er auf Fehler hin oder lobt. Dann mischt er sich wieder in die Gruppe, macht Laufwege vor. Mittendrin und voll dabei. Wüsste man nicht, dass Knäbel der Vorgesetzte ist, man würde es nicht ahnen. „Ich bin nur zur Unterstützung hier“, erklärt Hermann, „mehr oder weniger.“

Die Trainerpraxis von Hamburgs Direktor Profifußball ist ja überschaubar, seit 15 Jahren hatte er kein Profiteam mehr angeleitet, natürlich profitiert er von Hermanns großer Erfahrung, braucht dessen Hilfe. „Es geht nicht darum, dass einer den Chef markieren möchte“, sagt Knäbel. Und Hermann nimmt sich selbstverständlich zurück, das entspricht wohl auch seinem Wesen, obwohl er von seinem einstigen Chef Jupp Heynckes, mit dem er unter anderem mit Bayern München 2013 das Triple gewann, in höchsten Tönen gelobt wird: „Der HSV hat mit Peter Hermann eine super Wahl getroffen. Er ist ein Topmann und hatte großen Anteil an unseren Erfolgen in München und Leverkusen.“

Jeder Rummel um seine Person ist dem Westerwälder jedoch unangenehm. Er redet schnell, leise. Keine Stanzen aus dem Rhetorikseminar moderner Trainerausbildung, sondern kurze Analyse: „Die Mannschaft hat gut gearbeitet“, meinte er nach seiner Einstandswoche, „mehr kannst du nicht machen.“ Hermann war „angenehm überrascht“, wie sich die Profis des Tabellen-16., die seit sechs Spielen sieglos sind, in den ersten Tagen unter seiner Co-Leitung präsentiert haben: „Dass sie voll mitmachen ist selbstverständlich, aber auch die Fähigkeit, auf engem Raum zu spielen, ist offenbar da.“

Das ist sein Bereich. Die Arbeitsteilung haben Knäbel und sein Edel-Assi genau festgelegt. „Einen großen Teil des Aufwärmens sowie Passspiele und Positionsspiele macht er“, erklärt Peter Knäbel, „wenn es um die Spielstrategie geht, mach ich das meistens.“ Wobei die Taktik und die Aufstellung gemeinsam besprochen werden. „So etwas muss man miteinander entscheiden, das ist fruchtbar und natürlich“, meint Knäbel. So fiel auch die Entscheidung, in Leverkusen wieder mit René Adler statt Jaroslav Drobny im Tor zu spielen, gemeinsam. Es gab keinen Grund, Adler wieder auf die Bank zu setzen, nachdem der den gesperrten Drobny gegen Hertha BSC gut vertreten und stark trainiert hatte.

Adler hatte nach seiner Ausbootung unter Trainer Mirko Slomka nach dem dritten Spieltag seine Rolle als Ersatzmann klaglos hingenommen. „Drobo hat das danach gut gemacht“, lobt der ehemalige Nationalkeeper seinen tschechischen Kollegen/Kontrahenten. Und trainierte weiter. „Wenn man seinen Platz verloren hat, muss man sich wieder ranarbeiten. Meist passiert das dann durch eine Sperre oder Verletzung“, sagte er. Der 30-Jährige kehrt nun durchaus zuversichtlich in seine langjährige sportliche Heimat zurück; „Wir als Mannschaft sind heiß. Wenn wir einen guten Tag erwischen, ist etwas möglich.“

Dass ausgerechnet Leverkusen für Peter Hermann die erste Etappe auf dem Weg zum erhofften Klassenerhalt mit dem HSV ist, ist wieder so eine Ironie des Fußballlebens. Als Spieler, Assistent und Trainer hat Hermann insgesamt 29 Jahre für den Werksclub gearbeitet. „Ich wünsche Peter natürlich alles Gute. Nach dem Spiel, denn wir müssen natürlich gewinnen“, sagt Bayers Sportdirektor Rudi Völler, den eine ganz besondere Geschichte mit Hermann verbindet. Am 18. Mai 1996 bestritt Völler sein letztes Bundesligaspiel, mit einem 1:1 gegen Kaiserslautern retteten sich die Westdeutschen damals vor dem Abstieg. Völler weinte anschließend in den Armen des Coaches, der als Interimstrainer für die letzten fünf Partien verantwortlich war. Als Spieler rettete er sich 1982 in der Relegation mit Bayer gegen Kickers Offenbach. „Das ist lange her, aber es sind aufregende Momente. Die vergisst man so leicht nicht“, sagt er: „Aber das ist ja auch das Salz in der Suppe, dass man zeigen kann, was man draufhat, wenn es um viel geht.“ Beim HSV hoffen alle, dass ihm dies erneut gelingt.