Hamburger SV

Kapitän Rafael van der Vaart geht langsam von Bord

Trotz der Verletzungsmisere im Mittelfeld war für Rafael van der Vaart kein Platz. Überraschend auch das Startelf-Debüt von Gojko Kacar.

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Hamburg. Nach exakt 81 Minuten und 15 Sekunden war Rafael van der Vaarts Arbeitstag am Sonntagnachmittag beendet. Anders als sonst schon so oft in dieser Saison wurde der Kapitän im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach allerdings nicht ausgewechselt; er wurde erst gar nicht eingewechselt. Mit gesenktem Kopf schlich der Niederländer zurück zur Auswechselbank, nachdem sich Trainer Joe Zinnbauer entschieden hatte, Heiko Westermann als dritten Joker auf das Feld zu schicken. Als die Partie zwölf Minuten später mit dem bekannten Schlussakkord beendet wurde, war der gebrauchte Tag van der Vaarts ganz offiziell. Und das aus gutem Grund: Denn gebraucht wird der Mittelfeldmann offenbar nicht mehr.

„Diese Entscheidung gehört nun mal zum Geschäft“, erklärte Trainer Zinnbauer später. „Rafa ist Profi. Und ich bin Profi.“ So einfach ist das eben.

Ganz so einfach ist es dann allerdings doch nicht. Bereits in der vergangenen Woche hatten viele erwartet, dass Profi van der Vaart nach zuvor schwachen Leistungen in München nur auf der Bank Platz nehmen würde. Van der Vaart aber spielte, spielte schlecht – und wurde nach der schlimmsten Klatsche der Vereinsgeschichte schließlich als Gesicht der Niederlage ausgemacht. „Ich bin nicht in der Form, die ich mir wünsche. Ich habe schlecht gespielt“, gab der 32-Jährige später zu. „Laufen, kämpfen, laufen – das ist nicht ganz die Situation, in der ich glänzen kann.“

Laufen, kämpfen, laufen. Da Trainer Zinnbauer genau das von seinen Spielern als Wiedergutmachung nach dem 0:8 forderte, war es nur konsequent, auf den Kapitän am Sonntag zu verzichten. „Rafa hat die Entscheidung als Kapitän und als Mensch akzeptiert“, sagte Zinnbauer, „wer Rafa kennt, der weiß, dass er in dieser Woche noch mehr arbeiten wird.“

Emotionaler Moment

Ob sich die erhoffte Mehrarbeit am Ende für van der Vaart auszahlt, muss allerdings bezweifelt werden. Denn obwohl gegen Gladbach im Mittelfeld die verletzten Marcelo Díaz (Innenbandanriss), Valon Behrami (Knieoperation) und Lewis Holtby (Schlüsselbeinbruch) fehlten, setzte Zinnbauer am Sonntag im Mittelfeldzentrum lieber auf Petr Jiracek, Gojko Kacar und Zoltan Stieber. „Die drei haben es richtig gut gemacht“, lobte der Trainer, „Gojko und Petr haben die Defensive klasse organisiert – und Stiebi hat vorne herumgewirbelt.“

Besonders Kacars Startelfdebüt in dieser Saison überraschte ein wenig. Der Serbe hatte seit fast drei Jahren nicht mehr von Anfang an spielen dürfen, war nach der Partie trotz des späten Ausgleichstreffers entsprechend glücklich. „Ich habe mehr als zwei Jahre auf diese Chance gewartet, für die ich immer gearbeitet habe. Für mich war das ein sehr emotionaler Moment.“

Ob van der Vaart auf derartige Momente noch einmal beim HSV hoffen darf, scheint dagegen mehr als fraglich. Sein Vertrag läuft aus – und Werbung in eigener Sache wird der frühere Star von Real Madrid als Ergänzungsspieler kaum machen können. Spätestens Ende März will Sportchef Peter Knäbel über van der Vaarts Zukunft entscheiden – sofern diese Entscheidung nicht längst getroffen ist.