Fußball-Boss denkt über Neuverteilung der TV-Gelder nach

Erste Bundesliga setzte letzte Saison 2,45 Milliarden Euro um, der zehnte Rekord in Folge

Frankfurt/Main. Anfang der Woche hatte HSV-Vorstandsmitglied Joachim Hilke im Abendblatt gefordert, dass man über einen neuen Verteilerschlüssel für die TV-Einnahmen verhandeln müsste: „Wir haben das Gefühl, dass wir nicht entsprechend unserer medialen Aufmerksamkeit honoriert werden.“ Auch Eintracht Frankfurts Vorstandsboss Heribert Bruchhagen plädiert für eine Umverteilung. Dass diese Position nicht aussichtslos ist, bestätigte Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) am Rande des jährlichen Bundesliga-Reports: „Es ist legitim, sich über andere Kriterien zu unterhalten.“

Wie signifikant sich eine Neuregelung auf die Etatplanung von Clubs wie den HSV auswirken könnte, zeigt ein Blick auf die wachsenden Medienerlöse. Werden in dieser Saison 690 Millionen Euro ausgeschüttet, so steigen diese bis 2016/17 auf geschätzte 835 Millionen (national und international). Ein Ende der Einnahmesteigerungen ist nicht zu erwarten. Seifert glaubt an ein zu realisierendes Plus von zehn Prozent, nicht zuletzt angesichts des zehnten Umsatzrekords der Bundesliga in Folge. 2,45 Milliarden Euro (plus 12,9 Prozent) erwirtschaftete die Erste Bundesliga, 20 Prozent davon der FC Bayern. In der Zweiten Liga waren es noch 458 Millionen Euro. In der laufenden Saison wird die DFL erstmals die Drei-Milliarden-Marke knacken.

Kein Wunder, dass Seifert bei diesen Zahlen die Diskussion um die womöglich sinkende Attraktivität der Bundesliga – Leipzig und Ingolstadt drängen nach oben, Traditionsclubs wie der HSV und Bremen kämpfen ums Überleben – wenig berührt: „Noch findet die Liga niemand langweilig", meinte der DFL-Boss, der am 1. Februar zehn Jahre im Amt ist: „Ich mache mir keine Sorgen um die Attraktivität der Liga.“

Immer attraktiver ist die Bundesliga auch für die Spieler: Knapp 900 Millionen Euro zahlten die Clubs den Profis in der Saison 2013/14, ein Plus von 6,2 Prozent. Die Personalkostenquote (Ausgaben in Relation zum Gesamterlös) lag bei 36,8 Prozent. Laut der Uefa geben die europäischen Vereine im Schnitt 65 Prozent ihrer Einnahmen ans Personal weiter. Eine interessante Neuerung: Von der kommenden Saison an wird die DFL die Ausgaben für Spielervermittler aufgeschlüsselt nach Clubs offen legen.