„Ein Mann der alten Schule“

Geburtstagskind Drobny patzte und glänzte gleichermaßen. Sogar Konkurrent Adler lobte den Oldie

Hamburg. Eine große Geburtstagsparty soll es nicht im Grand Elysée am Sonnabend gegeben haben. 35 Jahre jung ist Jaroslav Drobny geworden. Ein Alter, das für Fußballer fast schon biblische Ausmaße hat und das sie entsprechend ungern zelebrieren. Grund zu feiern hatte der Tscheche am Tag danach aber dennoch, zumindest ein bisschen. „Er hat das heute richtig top gemacht“, lobte Trainer Josef Zinnbauer seinen Torwartoldie, der nach dem arbeitsreichen 1:1 sogar vom Gästetrainer Marcus Gisdol ein Kompliment erhielt. Einen richtig guten Keeper hätten die Hamburger da, lobte der Hoffenheimer.

Dass dieser richtig gute Keeper überhaupt noch diese exponierte Rolle in der Mannschaft des HSV spielt, war so noch vor wenigen Wochen nicht zu erwarten. Längst hatte sich Drobo, wie der kauzige Schlussmann von seinen Kollegen gerufen wird, mit der Rolle als Nummer zwei hinter Stammkeeper René Adler arrangiert. Als zum Saisonstart aber nur wenig zusammenlief und Ex-Trainer Mirko Slomka den eigentlich ordentlich spielenden Adler als Sündenbock opferte, witterte Drobny auf seine alten Tage seine Chance. Der Torhüter überzeugte, auch dann noch, als Slomka nur wenig später gegen Joe Zinnbauer ausgetauscht wurde.

Mittlerweile ist die Rollenverteilung eine andere. Adler, der zu allem Überfluss mit einer Kapselverletzung im linken Knie noch wochenlang ausfällt, hat den Torwartwechsel akzeptiert. „Drobo hat uns mit seiner Parade zum Ende der ersten Halbzeit am Leben gehalten“, lobte der frühere Nationaltorhüter seinen Konkurrenten in der Pause beim Halbzeitinterview mit Sky. „Den halten nicht viele“, mutmaßte später auch noch Trainer Zinnbauer, „Jaroslav hat das überragend gemacht.“

Zur Gesamtnote „überragend“ fehlte Drobny bei allem verdienten Lob allerdings noch eine ganze Menge. Denn so stark der Kabinenclown die eine oder andere Hoffenheimer Chance auch vereitelte, so unsicher wirkte Drobny gleich mehrfach beim Herauslaufen. „Drobo ist noch ein Mann der alten Schule. Er ist ja nicht umsonst am Sonnabend 35 Jahre alt geworden“, nahm Zinnbauer seinen Methusalem im Zeitalter des „modernen Fußballspiels“ à la Manuel Neuer in Schutz. „Er spielt nicht unbedingt gern Fußball, drischt die Dinger dann lieber mal lang. Das ist aber in Ordnung.“

Letztendlich gilt eben auch in Hamburg die alte Fußballregel, nach der sich ein Torhüter an seinen Gegentoren messen muss. Und nach sechs Gegentoren in sechs Spielen hat Drobny eine überdurchschnittliche Quote. Großartig darüber sprechen will der eigenwillige Torwart aber nicht, auch nicht nach seinem ordentlichen Spiel gegen Hoffenheim. Drobny redet nicht mit den Medien, schon gar nicht mit seinen 35 Lenzen. Er rede eben nicht mit jedem, erklärte Drobny dem Abendblatt bei seinem einzigen Interview in den vergangenen zwei Jahren. „Ich kann mit Kritik schon umgehen, aber am meisten ärgere ich mich nach einem Fehler über mich selbst. Ich könnte dann durchdrehen“, sagte der Torhüter damals. Hat sich daran bis heute nichts geändert, dann dürfte Drobny am Sonntagabend ein wenig durchgedreht sein – und vielleicht hat er ja anschließend doch noch ein wenig gefeiert.