Abendblatt-Interview

Frank Wettstein: „Situation beim HSV nicht unlösbar“

Der neue HSV-Finanzvorstand Frank Wettstein erwartet eine schwierige Aufgabe beim Hamburger SV. Der Rheinländer sprach über den Kontakt zum Verein und die Faszination Fußball.

Hamburg. Auf den künftigen Finanzvorstand Frank Wettstein wartet beim HSV eine Menge Arbeit. In der Bilanz der vergangenen Saison sind 99,6 Millionen Euro Verbindlichkeiten ausgewiesen, Die 17,5 Millionen Euro der Fan-Anleihe für den Nachwuchscampus wurden zur Liquiditätssicherung verbraucht. Der Rheinländer Wettstein sprach mit dem Abendblatt über den Kontakt zum HSV, seine neue Aufgabe und die Faszination Fußball.

Hamburger Abendblatt: Herr Wettstein, Sie arbeiten in Aachen in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Wie kommen Sie da ausgerechnet zu einem Fußballclub in Hamburg?

Frank Wettstein: Der Kontakt kam über Karl Gernandt und Felix Goedhart zustande, die im Aufsichtsrat das Thema Finanzen verantworten. Die Absicht des Aufsichtsrats war von Anfang an, den Posten eines Finanzvorstands zu besetzen. Ich bin allerdings zunächst nur mit der Perspektive dahin gegangen, beratend tätig zu sein und nicht mit dem Gedanken, meinen bisherigen Job aufzugeben.

Und was hat Sie dann zum Umdenken bewogen?

Wettstein: Na ja, wenn der HSV ruft, dann muss man nicht lange nachdenken. Wissen Sie, ich bin Jahrgang ‘73. Da können Sie sich vorstellen, wann ich das erste Mal mit Fußball in Kontakt kam. Damals gab es in Deutschland nur zwei große Vereine, einer war der HSV. Die Faszination ist geblieben.

Sie stammen aber aus dem Westen.

Wettstein: Ja, ich bin Rheinländer und lebe in Düren. Das liegt zwischen Köln und Aachen.

Woher kommt Ihre berufliche Verbindung zum Fußball?

Wettstein: Ich habe seit 2000 in Düsseldorf gearbeitet und dabei unter anderem Alemannia Aachen als Wirtschaftsprüfer betreut. 2004/05 habe ich gemeinsam mit Thomas Treß, der heute Finanzgeschäftsführer ist, bei der Rettung und Umstrukturierung von Borussia Dortmund geholfen. Ich war Treß’ engster Mitarbeiter. Die Situation bei der Borussia war damals äußerst kritisch, verstärkt noch durch den Druck der Börsennotierung.

Was erwarten Sie denn nun beim HSV?

Wettstein: Mich erwartet eine sehr reizvolle Aufgabe. Wenn die Situation allerdings einfach wäre, dann wäre man nicht auf meinen Namen gekommen. Wir müssen jetzt viele Dinge analysieren und gegebenenfalls neu strukturieren. Die Situation scheint nicht unlösbar. Wir müssen allerdings Geduld und Zeit mitbringen.

Für wie lange haben Sie denn beim HSV unterschrieben?

Wettstein: Ich habe einen branchenüblichen Dreijahresvertrag erhalten.

Und was sagt Ihre Familie zum neuen Arbeitsplatz?

Wettstein: Wir werden in Ruhe klären, wie es weitergeht. Ich bin verheiratet und habe zwei schulpflichtige Kinder. Ein Umzug der Familie kommt also ohnehin erst zum Ende des Schuljahres in Frage. Zunächst komme ich deshalb allein nach Hamburg.