„Der Weg zum Profi ist hart und steinig“

Der neue U23-Trainer des HSV, Josef Zinnbauer, will dominanten Fußball spielen lassen und Talente für die Profis formen

Hamburg. Am Freitag startet die Regionalliga Nord in ihre neue Saison. Die U23 des HSV greift am Sonnabend beim Goslaer SC ins Geschehen ein. Das Abendblatt sprach mit dem neuen HSV-Trainer Josef „Joe“ Zinnbauer über seine Ziele, seine Arbeitsweise und seinen Vorgänger Rodolfo Cardoso.

Hamburger Abendblatt:

Herr Zinnbauer, wie ist Ihr Eindruck vom HSV II?

Josef Zinnbauer:

Sehr gut. Die Jungs sind lernwillig, ziehen auch bei härteren Einheiten voll mit.

Die Spieler, die zwei Jahre im Abstiegskampf steckten und den Profis kaum helfen konnten?

Zinnbauer:

Erst einmal: Wir haben nur fünf Spieler behalten. Davon abgesehen ist die Frage zu negativ formuliert. Schon mein Vorgänger Rodolfo Cardoso hat Spieler für die Profis abgestellt. Im Moment trainieren mit Steinmann, Cigerci, Derflinger, Brunst, Müller und Jung sechs Jungprofis oben mit.

Die Kritik an Cardoso war also verfehlt?

Zinnbauer:

Ich möchte ungern über seine Arbeit sprechen. Unser Verhältnis ist unbelastet. Wir haben zusammen den Trainerschein gemacht und kommen super miteinander aus.

Sehr gut kamen Sie auch mit Oliver Kreuzer aus. Sie arbeiteten in Karlsruhe unter ihm als U23-Trainer. Er hat Sie verpflichtet. Ist es unangenehm für Sie, dass er weg ist?

Zinnbauer:

So ist das Geschäft. Doch Oliver und ich haben uns ja nicht zehn Jahre lang jeden Tag gesehen. Ansprechpartner bei meiner Verpflichtung war hauptsächlich Nachwuchskoordinator Michael Schröder.

Gab es schon ein Gespräch mit Dietmar Beiersdorfer?

Zinnbauer:

Das gab es. Er hat bei mir einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Dietmar Beiersdorfer hat große Erfahrung als Spieler. Er versteht, wie ein U23-Trainer tickt. Und er bringt das, was er will, auf den Punkt.

Sind Sie ein harter Hund?

Zinnbauer:

Ich habe nicht den großen Namen als Profifußballer, musste meine Karriere mit 25 Jahren wegen eines Knorpelschadens beenden. Deshalb bin ich ein Arbeiter. Ein Hauch alter Schule tut gut. Wer Profi werden will, muss den harten, steinigen Weg gehen. Ich bin als Typ sehr geradlinig. Deshalb mag ich übrigens den Norden.

Wie meinen Sie das?

Zinnbauer:

Ich komme aus dem Süden. Doch schon in den fünf Jahren als Trainer in Oldenburg fühlte ich mich wahnsinnig wohl. Norddeutsche sind oft sehr direkt. Das gefällt mir.

So, wie Ihnen der HSV schon früh gefiel?

Zinnbauer:

(lacht) Es stimmt, als kleiner Junge bekam ich von meinem Onkel eine HSV-Fahne geschenkt. Seitdem hing immer die Raute bei mir im Zimmer.

Wie lauten Ihre Saisonziele?

Zinnbauer:

Wir wollen aktiven und dominanten Fußball spielen. Die Remis gegen zwei dänische Erstligisten und das 1:0 gegen Lotte in den Testspielen waren Schritte in die richtige Richtung. Regionalligafußball lernt man nicht, indem man sich hinten reinstellt. Außerdem wollen wir so schnell wie möglich mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Natürlich hoffen wir, Talente für die Profis formen zu können.

Ist der Kader nicht zu klein?

Zinnbauer:

Wir haben 14 Feldspieler und zwei Torhüter. Dazu die sechs Jungprofis, von denen wir noch nicht wissen, wer wieder zu uns kommt. Wir suchen dennoch nach einem Innenverteidiger, vielleicht auch nach einem Sechser und einem Stürmer.

Und einem Spieler, der das kreative Loch im Mittelfeld behebt?

Zinnbauer:

Sven Mende kann unser Lenker sein. Dominik Masek hat ebenfalls große Fähigkeiten.