Bundesliga

Randale vor Stadion nach HSV-Debakel gegen Wolfsburg

Der HSV zeigte sich nach einem frühen Gegentreffer durch Wolfsburg lange Zeit plan- und kampflos. Erst gegen Ende der Partie zeigte sich die Elf von Trainer Mirko Slomka bemüht, doch das reichte nicht. Nach dem Spiel gab es Ausschreitungen.

Hamburg. Untergangsstimmung im Stadion des HSV. Nach dem Spiel ist es ruhig, wie sonst nie. Gegen den VfL Wolfsburg sollte die Heimstärke genutzt werden. Doch schon nach zwei Minuten war klar: Der HSV taumelt in Richtung 2. Liga. In der Heimpartie gab es eine 1:3 (0:2)-Pleite. Die Mannschaft zeigte erneut geradezu Auflösungserscheinungen. Die Tore für die Autostädter erzielten Ivan Perisic (2. Minute), Kevin de Bruyne (42.) und der ehemalige HSV-Profi Ivica Olic (49.), die Hanseaten kamen vor 56.279 Zuschauern in der fast ausverkauften Imtech Arena nur noch zum Ehrentreffer durch Ivo Ilicevic (58.).

Mit der achten Heimniederlage der Saison stellte der HSV einen traurigen Vereinsrekord auf. 45 Minuten nach Abpfiff kam es nach Abendblatt-Informationen zu Ausschreitungen vor dem Stadion. Laut Polizei versuchten 70 Vermummte die Geschäftsstelle des HSV zu stürmen. Bei der Buseinfahrt warfen die Problemfans mit Absperrgittern und schossen Leuchtraketen. Die Polizei hatte die Situation schnell unter Kontrolle und drängte die randalierende Masse in den Volkspark. „Es sieht aber danach aus, dass alles noch glimpflich abgelaufen ist und niemand verletzt wurde“, meinte ein Polizeisprecher nach einer ersten Einschätzung. Laut Zeugen waren die meisten Angreifer vermummt.

Der Tabellenvierte aus Wolfsburg ist nach dem 31. Spieltag bereits sicher in der Europa League, weil der FC Augsburg gegen Hertha BSC nicht über ein 0:0 hinaus kam. Wermutstropfen für die Niedersachsen: war der Platzverweis für Luiz Gustavo, der wegen Handspiels zum dritten Mal in dieser Saison die Gelb-Rote Karte sah (90.). Die Hamburger (27) übernachten zwar immer noch auf dem Relegationsplatz 16. Sie könnten aber am Sonntag vom 1. FC Nürnberg überholt werden.

„Wahnsinn! Die Niederlage tut richtig weh“, stöhnte HSV-Abwehrspieler Heiko Westermann im TV-Sender Sky. „Wenn man schon in der 2. Minute ein Tor bekommt, ist es schwierig zurückzukommen. Wir haben heute kaum einen Zweikampf gewonnen“, bilanzierte Hakan Calhanoglu, gab sich aber weiter kämpferisch: „Ich sage immer: Never give up!“ Hamburgs Sportchef Oliver Kreuzer machte das Verletzungspech für den neuerlichen Rückschlag verantwortlich: „Den Jungs kann man keinen Vorwurf machen. Sie haben gerackert bis zum Ende.“

Club-Idol Uwe Seeler hatte vorab in der „Bild“-Zeitung die Stimmungslage in der Hansestadt so beschrieben: „Eine Stadt zittert um den HSV und ich mittendrin.“ Und zu allem Überfluss ereilte den Club von Trainer Mirko Slomka wieder neues Verletzungspech.

Innenverteidiger Johan Djourou stand zwar auf dem Spielberichtsbogen, blieb aber kurzfristig mit Adduktorenproblemen in der Kabine. Somit wurde die Abwehr durcheinandergewirbelt. Der ebenfalls von Adduktorenproblemen geplagte Westermann, der eine Schmerztablette nahm, rückte in die Innenverteidigung und Petr Jiracek wurde dafür zurückgezogen. Robert Tesche kam im Mittelfeld recht unverhofft zu seinem Startelf-Debüt in dieser Saison.

Als sich die neu formierte HSV-Verteidigung in der zweiten Minute noch in der Findungsphase wähnte, war diese auch schon locker und leicht ausgehebelt. Ein Pass Luiz Gustavos in den Lauf des blitzschnellen Perisic – 0:1! Dabei stand auch Torhüter René Adler etwas unglücklich vor seinem Sechzehner. Adler, der Ersatzkapitän für den verletzten Rafael van der Vaart, zeigte dann aber in Halbzeit eins noch eine Glanztat (31.), als er gegen de Bruyne parierte.

Der belgische Star, der in Wolfsburg endlich so richtig angekommen scheint, war der stärkste Mann auf dem Feld und traf noch vor dem Pausenpfiff zum 2:0 (42.). Die HSV-Innenverteidigung war in dieser Szene wieder nicht im Bilde. Der emsige Olic leistete die Vorarbeit. Zur Pause gab es ein gellendes Pfeifkonzert für den HSV. Vier Minuten nach Wiederbeginn war mit Olic' 0:3 die Niederlage besiegelt.

Die Hanseaten zeigten zwar eine leicht verbesserte Einstellung als beim 1:2 zuletzt in Hannover, agierten aber noch fehlerhafter. Wolfsburg war spielerisch deutlich überlegen – wenngleich nicht so überzeugend wie bei der Halbfinaleniederlage im DFB-Pokal in Dortmund (0:2). VfL-Coach Dieter Hecking wechselte im Vergleich zur Partie am Dienstag zweimal: Der im Cup gesperrte Ricardo Rodriguez verdrängte Marcel Schäfer wieder auf die Bank. Im defensiven Mittelfeld vertrat Jan Polak Junior Malanda (Innenbandanriss). Bei den „Wölfen“ ragte Gustavo heraus, der einmal am Pfosten scheiterte (73.). Für den HSV hatte zuvor der Kroate Ilicevic nach Doppelpass mit Tesche verkürzen können (58.).

Aufstellung:

Hamburg: Adler – Diekmeier, Westermann, Mancienne, Jiracek – Rincon (73. Demirbay), Arslan (56. John) – Tesche, Calhanoglu, Ilicevic (86. Maggio) – Zoua. – Trainer: Slomka

Wolfsburg: Grün – Träsch, Naldo, Knoche, Rodriguez – Luiz Gustavo, Polak (86. Medojevic) – De Bruyne, Arnold (76. Vieirinha), Perisic – Olic (83. Marcel Schäfer). – Trainer: Hecking

Schiedsrichter: Peter Sippel (München)

Tore: 0:1 Perisic (2.), 0:2 De Bruyne (42.), 0:3 Olic (49.), 1:3 Ilicevic (58.)

Zuschauer: 56.279

Beste Spieler: Adler – De Bruyne, Luiz Gustavo, Olic

Gelb-Rote Karte: Luiz Gustavo wegen Handspiels (90.)

Gelbe Karten: Tesche -

Erweiterte Statistik (Quelle: impire):

Torschüsse: 14:16

Ecken: 5:7

Ballbesitz: 50:50 %