Das Duell Lasogga gegen Ibisevic fällt aus

HSV-Stürmer muss in Stuttgart verletzt passen – VfB-Torjäger nach Rotsperre im Team

Hamburg. HSV-Fans haben ja so Ahnungen, weil es schon so oft passiert ist. Irgendwelche Spieler haben Ewigkeiten kein Tor geschossen, waren verletzt, gesperrt, in der Formkrise. Kam der HSV, trafen sie, gern auch doppelt. Klaas-Jan Huntelaar von Schalke zum Rückrundenbeginn ist so ein Fall, Domi Kumbela von Braunschweig, oder – ganz dramatisch – Srdjan Lakic. Der krönte sein Debüt in Frankfurt nach monatelanger Erfolgslosigkeit am 2. Februar 2012 mit zwei Toren zum 2:0-Sieg der Eintracht im Volkspark. Danach verschwand er wieder in der Versenkung. An diesem Sonnabend (15.30 Uhr, Liveticker bei Abendblatt.de) steht nun im Auswärtsspiel des HSV beim VfB Stuttgart erstmals nach seiner fünfwöchigen Rotsperre Vedad Ibisevic wieder im Kader der Schwaben …

Das Duell der unersetzbaren Torjäger fällt allerdings aus. Denn die leichten Hoffnungen auf die Rückkehr von Pierre-Michel Lasogga beim HSV waren Freitagmittag zerplatzt. Der Leihspieler aus Berlin fehlte bei der 60-minütigen Abschlusstrainingseinheit im Dauerregen im Volkspark, nachdem er am Donnerstag teilweise wieder mitgemischt hatte. Doch die hartnäckige Muskelverhärtung lässt immer noch keinen Einsatz zu. „Er war nicht auf dem Platz. also ist er in Stuttgart nicht dabei“, sagte Trainer Mirko Slomka.

Immerhin hielt Johan Djourou die Einheit fast problemlos durch. Einmal zuckte der Schweizer kurz nach einem Pass, verzog etwas das Gesicht und trat fest auf, dann aber machte er weiter. Seine Oberschenkelzerrung ist offenbar überwunden. „Es ist alles wieder in Ordnung, ich fühle mich gut“, sagte der Innenverteidiger. Damit muss Slomka in der immens wichtigen Partie im Kampf um den Klassenerhalt seine Abwehr nicht umbauen. Djourou und Michael Mancienne können wie zuletzt gegen Nürnberg zentral spielen, Heiko Westermann links, Dennis Diekmeier rechts. Sie haben bis auf Djourous Fehler vor dem 1:2 in der Schlussphase gegen Nürnberg überzeugt und werden auch beim VfB voll gefordert werden. Denn Ibisevic ist zurück.

Insgesamt neun Spiele hat der 29-Jährige seit seinem Wechsel im vorvergangenen Sommer für 4,5 Millionen Euro aus Hoffenheim in Stuttgart verpasst. Kein einziges konnte der VfB gewinnen. 13 seiner 21 Punkte holte Stuttgart in dieser Saison, wenn Ibisevic mindestens eines seiner bislang zehn Tore schoss. Umgekehrt gab es nur drei Spiele mit einem Ibisevic-Treffer, in denen der VfB verlor. Die Bedeutung des Torjägers für den Vorletzten ist damit noch größer als die von Lasogga für den HSV. Der 22-Jährige hat elfmal eingenetzt, das war aber „nur“ für elf der 23 Punkte des HSV entscheidend.

Am Sonnabend muss also wieder Jaques Zoua im Angriffszentrum spielen, Änderungen gegenüber dem 2:1-Sieg gegen Nürnberg deuten sich nicht an. Die Bedeutung der Partie wird ja durch einen Blick auf die Tabelle deutlich: Mit dem ersten Auswärtssieg seit dem 3:0 in Freiburg am 27. Oktober hätte man den VfB bereits um fünf Punkte distanziert, bei einer Niederlage zögen die Schwaben wieder am HSV vorbei. „Auswärts müssen wir noch stabiler stehen. Unsere Aufgabe wird sein, dass wir hinten ein Bollwerk aufbauen und nach vorne Gefahr ausstrahlen“, sagt Slomka.

Klingt theoretisch gut, in der praktischen Umsetzung aber hapert es beim HSV – und noch mehr bei Slomka. Am 26. April 2013 feierte er als Trainer von Hannover 96 sein letztes Erfolgserlebnis in der Fremde, bei Absteiger Greuther Fürth. Es folgten insgesamt zehn Niederlagen in Folge, davon eine (in Bremen) mit dem HSV. Diese Auswärtsschwäche war mit ein Grund, warum Slomka in Hannover nach der Hinrunde entlassen wurde. „Das ist eigentlich komisch, weil es ja auch auswärts nur ein Fußballplatz ist“, sagt der HSV-Coach, „mich stört die Statistik aber nicht, und jede Serie geht auch mal zu Ende.“

Die Chance dafür ist in Stuttgart statistisch sehr gut, von den vergangenen vier Spielen wurden immerhin drei gewonnen. Beim letzten Mal vor etwas über einem Jahr gab es ein 1:0. Damals waren Bruno Labbadia und Thorsten Fink für die Teams verantwortlich, mittlerweile sitzen bereits die übernächsten Trainer auf den Bänken. Slomka ist damit der achte HSV-Trainer bei den letzten acht Auftritten in der Schwaben-Metropole.

Der HSV hat drei seiner letzten vier Spiele beim VfB Stuttgart gewonnen

Beim VfB feiert Stevens sein Heimdebüt, gut 50.000 Fans werden ihre Mannschaft unterstützen. „Nach dem Spiel wird aber noch nichts entschieden sein, der Druck wird bestehen bleiben“, sagt der Niederländer, der wieder den Fußball auf eine einfache Formel gebracht hat: „Wichtig ist, dass wir ein Tor mehr schießen als der Gegner.“ Dafür soll eben Vedad Ibisevic zuständig sein, zumal der gebürtige Hamburger Martin Harnik gesperrt ausfällt. Ibisevic präsentiert sich seit Wochen extrem „heiß“ im Training. Natürlich wird der Bosnier spielen, auch wenn Stevens offiziell noch mauert: „Wir müssen mal abwarten, in welcher Verfassung er ist.“

Einige HSV-Fans bieten übrigens schon Wetten an, dass Ibisevic trifft. Aber niemand hält dagegen. Sie haben schließlich so Ahnungen.