Nachspiel

„Jugend forsch“ für den HSV

Ein Kommentar von Peter Wenig

Bernd Hoffmann, ehemaliger Vorstandschef des HSV, prägte einst den Begriff der „Geldvernichtungsmaschine“ für die Nachwuchsarbeit des HSV. Die U23-Truppe des Bundesliga-Dinos ist dafür ein ebenso aktueller wie exzellenter Beleg. Selbst der Einsatz von ehemaligen Profis wie Fabio Morena (FC St. Pauli) oder Patrick Owomoyela (Dortmund) ändert nichts daran, dass das mehr als 1,5 Millionen Euro teure Team im Abstiegskampf steckt. Die Frage, ob sich der klamme HSV ein solches Team weiter leisten sollte, ist daher mehr als berechtigt. Zumal selbst Bayer Leverkusen, national einer der Branchenführer in Sachen Nachwuchsarbeit, über eine Auflösung der zweiten Mannschaft nachdenkt. Es gibt in diesen Teams einfach zu viele Spieler, die realistisch keine Chance mehr auf eine Profi-Karriere haben. Und für sie wäre es wohl besser, sich beruflich neu zu orientieren, statt noch ein paar Jahre in der Komfortzone einer zweiten Mannschaft zu kicken.

Es wäre allerdings ein fataler Fehler, wenn der HSV sich diesen Millionen-Einsatz einfach sparen würde. Nein, die HSV-Losung für die nächsten Jahre kann nur lauten: Jugend forsch – denn für teure Stars ist sowieso kein Geld mehr da.

Dazu gehört, dass das Projekt Campus, der Bau eines Nachwuchsleistungszentrums am Stadion, endlich in die Gänge kommt. Neben Steine muss der HSV aber auch in Köpfe investieren, in echte Profis in Sachen Nachwuchsarbeit. Wie sehr es dort klemmt, zeigt, dass auch die U19, die inzwischen in Deutschland als wichtigste Talentschmiede gilt, in höchster Abstiegsgefahr schwebt. Neue Wege braucht der HSV, das angedachte Ausleihmodell für Talente zu benachbarten Traditionsvereinen könnte ein Modell sein. Vor allem aber braucht der Nachwuchs eine Topkraft an der Spitze, einen anerkannten Experten mit Konzepten und Visionen. Die Qualität darf das einzige Kriterium sein, nicht der Stallgeruch. Im Gegenteil: Wer von außen kommt, wird sich leichter tun, überfällige alte Zöpfe abzuschneiden.