Nachspiel

Ein klassisches HSV-Eigentor

Ein Kommentar von Kai Schiller

Man könnte es als Zickzackkurs, als Hü-Hott-Entschluss oder ganz simpel auch als nicht nachvollziehbare Maßnahme beschreiben: die Entscheidung, die HSV-Profis Michael Mancienne und Slobodan Rajkovic „endgültig“ zur U23-Reserve zu verbannen, um sie wenige Tage später nun doch bei den Profis zu belassen. Fragt man bei Thorsten Fink nach, der diese Entscheidung offenbar im Alleingang fällte, dann wird der HSV-Trainer regelrecht wütend. Er habe schließlich nie behauptet, dass es kein Zurück für die beiden gebe. Und überhaupt hätten sich beide Profis, die der HSV doch so gerne losgeworden wäre, nichts zuschulden kommen lassen.

Beides stimmt. Doch muss an dieser Stelle auf zwei weitere Dinge hingewiesen werden. Erstens: Auch Gojko Kacar und Robert Tesche, die noch immer „endgültig“ zur U23 verbannt sind, haben sich nie etwas zuschulden kommen lassen. Und zweitens: Im Gegensatz zu Fink hatten sich dessen Vorgesetzte, Sportchef Oliver Kreuzer („Es gibt kein Zurück. Das würde ich stoppen. Sonst machen wir uns ja lächerlich“) und HSV-Chef Carl Jarchow („Es wird kein Zurück geben. Diese Entscheidung wird auch im Fall einer Personalnot Bestand haben“), deutlich gegen eine Begnadigung der Degradierten ausgesprochen.

Nun also die Rolle rückwärts. Was dieses Eigentor intern beim HSV auslöst, bleibt abzuwarten. Nach außen hin ist es ein fatales Zeichen. Klar ist doch, dass eine „endgültige“ Degradierung zur U23 als Druckmittel in einer Transferperiode nie mehr genutzt werden kann. Der HSV wollte Stärke demonstrieren – und präsentierte sich leider ganz schwach.