Matz ab – die HSV-Kolumne

Warum sich Zé als Krieger fühlt

Bis zum Spiel am Sonntag in Mönchengladbach gibt es noch einige personelle Problemfälle: Angeschlagen sind Dennis Aogo (er wird wohl passen müssen), Jerome Boateng (sein Mitwirken entscheidet sich Sonnabend) und Collin Benjamin, der wegen einer Zerrung ausfällt. Marcell Jansen und David Jarolim haben Wadenprobleme, werden aber fit.

Als nun die Unruhe, die es zurzeit im und um den HSV herum gibt, zur Sprache kam, verlor Trainer Bruno Labbadia ein wenig die Contenance. Er schimpfte: "Ich kann Leute nur ernst nehmen, die mir etwas ins Gesicht sagen, und keine Hosenscheißer, die sich im Internet anonym zu Wort melden."

Am Sonntag wird er sein 300. Bundesliga-Spiel absolvieren. Kein Brasilianer schaffte in Deutschland mehr Erstliga-Einsätze als Zé Roberto , der zugibt: "Diese Zahl macht mich unheimlich stolz und auch sehr, sehr glücklich." Als 18-Jähriger absolvierte er einst für Portuguese (2:1 gegen Ituano) sein erstes Liga-Spiel, er erinnert sich: "Ich war nervös, hatte Bauchschmerzen, konnte nachts zuvor nicht schlafen." Trotzdem wurde er danach zum "Spieler des Spiels" gewählt. Seine größten Momente in Deutschland: "Dass wir mit dem FC Bayern viermal das Double gewannen." Als er von Leverkusen verpflichtet wurde, sagte seine Frau zu ihm: "Du bist doch verrückt." Er tröstete sie: "Es ist ja nur für ein Jahr." Daraus sind inzwischen zehn geworden. Und er sagt: "Ich fühle mich hier als tapferer Krieger." Wieso? "Weil ich dieses Wetter so lange ertragen habe." Sein bester Trainer war Ottmar Hitzfeld ("Super-Mensch, toller Charakter"), sein schlimmster Gegenspieler Jens Jeremies - mit dem er später gemeinsam für die Münchner spielte. Die Anekdote, über die er heute noch herzhaft lacht: Bei einem Heimaturlaub rief ihn die Polizei an und teilte mit, dass sein Haus ausgeraubt worden sei. Aber es war das Haus in Deutschland! Zé Roberto: "Das hätten doch alle eher umgekehrt vermutet ..."

Torwart-Held Uli Stein war in Hamburg, als Kommentator für das Fernsehen. Die Nummer eins der Europapokal-Mannschaft von 1983 sagte: "Dieses tolle Stadion, diese Super-Fans - wenn wir das damals schon gehabt hätten, dann wären wir noch erfolgreicher gewesen. Aber zu uns verliefen sich zum Beispiel bei einem Bochum-Spiel gerade mal 8 000 Zuschauer in die Betonschüssel."

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