Bergedorfer Neuzugang

Wie der junge Henrik Dettmann den HSV kennenlernt

Belek. Aus der Ferne war es für die wenigen Trainingszuschauer nur schwer zu erkennen, was Ricardo Moniz kurz nach der Nachmittagseinheit zu erklären versuchte. Der Niederländer fuchtelte mit den Armen, als ob er auf einem türkischen Bazar mit einer ganzen Schar von Händlern feilschen müsste. Immer wieder zeigte der Techniktrainer des HSV nach links, rechts, vorne und hinten. Dabei hatte Moniz statt hartnäckigen Marktschreiern lediglich einen Zuhörer, der aber ganz genau aufpasste: Henrik Dettmann. "Ricardo hat mir einige Laufwege erklärt und mir Tipps gegeben", klärte Dettmann über seine Unterhaltung später auf.

Dabei hätte Dettmann, den selbst eingefleischte HSV-Fans wohl erst einmal googeln müssen, noch vor wenigen Wochen nicht daran geglaubt, sich kurz nach Neujahr an der türkischen Riviera Gedanken über die Laufwege der Profimannschaft des HSV zu machen. Erst als Labbadia nach Ende der Hinrunde den 19 Jahre alten Nachwuchsfußballer der U23 angerufen hatte, um ihn ins Trainingslager nach Belek einzuladen, war der Traum vom Profifußball für den Abiturienten, der noch nie im Bundesligakader stand, plötzlich so nah wie nie zuvor. "Henrik ist uns bereits im Training in Hamburg aufgefallen", begründete Labbadia die Nominierung des Bergedorfers, der sich aufgrund der Personalsorgen in der Defensive ernsthafte Hoffnungen auf einen Startplatz rechts in der Viererkette zum Rückrundenstart gegen den SC Freiburg machen darf. "Da Guy Demel beim Afrika-Cup spielt und Jerome Boateng gesperrt ist, haben wir nicht viele Optionen - eine ist Dettmann, eine andere Tomas Rincon", sagte Labbadia, der den Ball damit verbal an den Youngster passte.

Und Dettmann wusste bislang genau, wie er den Ball aufzunehmen hat: Es sei eine große Ehre für ihn, dabei zu sein. Das Hotel sei wunderschön, die neuen Kollegen sehr nett und natürlich würde er davon träumen, mal in der Bundesliga zu spielen - gerne schon gegen Freiburg. Auch Papa Michael, der sich per Telefon immer auf den neusten Stand aus Belek bringen lässt, dürfte stolz über seinen Sohn sein, der seit der B-Jugend beim HSV spielt. Dettmann: "Mein Vater ist eigentlich immer dabei" - am liebsten auch zum Rückrundenstart in der Nordbank-Arena.