HSV seit fünf Spielen sieglos

Bruno Labbadia: Wiederholt Geschichte sich doch?

Mit Bayer Leverkusen stürzte Trainer Bruno Labbadia vorige Saison von der Tabellenspitze ins Mittelfeld - mit dem Hamburger SV auch?

Hamburg. "Die Art und Weise, wie wir spielen passt nicht zum Ertrag. Wir waren in den letzten Partien immer dominant, haben die Spiele bestimmt und hätten sie siegreich gestalten können. Das war sehr gut. Nur das Ergebnis stellt uns nicht zufrieden." Worte von HSV-Trainer Bruno Labbadia, die Zuversicht ausstrahlen sollten, aber zugleich ratlos wirkten. Auf der Suche nach Gründen für die Niederlage gegen Bochum vom Sonntag zuckte allerdings nicht nur der Coach mit den Schultern.

Den kleinsten gemeinsamen Nenner fanden der Trainer, sein Mannschaftskapitän David Jarolim ebenso wie Vorstandsboss Bernd Hoffmann letztlich in Pech und einer mangelhaften Chancenverwertung. "Hätten wir das Tor von Joris Mathijsen nicht aberkannt bekommen, hätten wir gewonnen und wären nur einen Punkt hinter dem Tabellenersten. Dann wäre eine Krise überhaupt kein Thema", sagt Hoffmann und zieht nach drei Punkten aus den letzten fünf Spielen seine persönliche Analyse: "Wir haben auch keine generelle Krise. Wir haben derzeit eine Punktekrise."

Keine Krise? Die Wortwahl, die im Profifußball nur allzu oft Trainerdiskussionen anmoderiert, ist beim HSV glaubhaft als Begründung für anhaltenden Optimismus gemeint.

Kritik an der Personalie Bruno Labbadia verbietet sich schon allein ob der unverantwortet schlechten Personalsituation. Vorstand und Mannschaft bilden samt Trainer weiter eine unverrückbare Einheit. "Wir werden mit unseren zuletzt gezeigten Leistungen noch viele Spiele gewinnen", macht Marcell Jansen der Mannschaft Mut. "Da darf jetzt niemand durchdrehen."

Doch der sportliche Negativtrend erinnert derzeit verblüffend an die Vorsaison, als Bruno Labbadia bei Bayer Leverkusen Ähnliches erlebte (s. Grafik). Damals hatte der Trainer einen gefeierten Saisonstart hingelegt und stand nach 13 Spieltag an der Tabellenspitze. Dann kam der Absturz. War es am Ende der Hinrunde immerhin noch Platz fünf und eine Chance auf die Teilnahme an der Europa League, folgte bis zum 34. Spieltag sogar der Sturz aus den internationalen Rängen bis auf Rang neun. Aus den anfänglichen Durchhalteparolen von Spielern wie von Sportchef Rudi Völler entwickelte sich, zumal auch das DFB-Pokalfinale verloren wurde, eine grundsätzliche Diskussion über Labbadias Qualitäten.

Mit dem HSV stand Labbadia an den Spieltagen vier bis sieben an der Tabellenspitze. Dann begann auch hier der Absturz - derzeit auf Rang fünf. Ob der HSV-Trainer sein persönliches Déjà vu erlebt? "Nein", stellt der Trainer eindeutig fest, "die beiden Situationen sind nicht vergleichbar."

Denn bei Bayer arbeitete Labbadia mit einer sehr jungen Mannschaft, die im Laufe der Saison ihrer Unerfahrenheit Tribut zollen musste. In Hamburg verfügte er über ein ganz anderes, sehr erfahrenes Team. Hier ist es das unglaubliche Verletzungspech, das jede konsequente Aufbauarbeit zunichte macht. Seit der HSV mit Mladen Petric am siebten Spieltag nach Paolo Guerrero auch den zweiten "gesetzten" Angreifer verlor, wurde in der Bundesliga kein Spiel mehr gewonnen. In drei Heimspielen gab es nur gegen Leverkusen einen Punkt, gegen Bochum und davor Mönchengladbach setzte es Niederlagen. Auswärts kamen gerade mal zwei Unentschieden gegen Schalke und in Hannover dazu.

Nach acht Spieltagen wurde der HSV für seinen Offensivfußball und 20:8 Tore gefeiert. Aus den letzten fünf Spielen kamen nur 7:9 Tore dazu. "Wir haben Chancen, wir spielen sie uns auch gut heraus, aber wir machen zu wenig Tore und lassen zu viele zu", stellt Jarolim seiner Offensive ein mangelhaftes Zeugnis aus. Eine Umsetzung dieser Rechnung würde zwangsläufig Misserfolg bedeuten. Wie bei Bayer. Nach 32 Punkten und 36:21 Toren in der Hinrunde folgten in der zweiten Saisonhälfte nur noch 17 Zähler und 23:25 Treffer.

Befürchtet Labbadia auch in Hamburg einen solchen Absturz? "Die Ergebnisse stehen in keinem Verhältnis zu der Art und Weise, wie die Mannschaft spielt", erklärte der Trainer. Das sagte er aber vor genau sieben Monaten, angesprochen auf Leverkusens Absturz. Worte, die Labbadia gestern nach der Bochum-Niederlage wiederholte.

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