Schicksal

Eine Papierkugel - das Ende für den HSV

Michael Gravgaard versprang der Ball wegen einer Papierkugel aus dem Publikum, die Ecke danach führte zum Tor.

Es war die kurioseste Szene des Spiels - und eine entscheidende. Im Uefa-Pokal-Halbfinale lief im Rückspiel zwischen dem HSV und Werder Bremen die 82. Minute. HSV-Verteidiger Michael Gravgaard wollte den Ball in der Nähe der eigenen Eckfahne stoppen, um einen Gegenangriff der Hamburger einzuleiten, da sprang ihm die Kugel vom linken Fuß ins Toraus zum Eckball für Bremen. Ein technischer Fehler des Dänen, eine erneut unglückliche Aktion des Wintereinkaufs?

Nein! Diesmal hatte Gravgaard keine Schuld.

Das Objekt des Missgeschicks präsentierte nach der Begegnung Sat.1-Moderator Oliver Welke: eine kleine weiße Papierkugel. Sie hatte vermutlich ein HSV-Fan aus Ärger auf den Rasen geworden, und dort wurde sie zum Stolperstein der eigenen Mannschaft. Mehr Pech geht nicht!

Denn der folgende Eckball in der 83. Minute sollte zum dritten Bremer Treffer führen. Der überragende Diego schlug den Ball an den Fünfmeterraum auf den Kopf des eingewechselten Hugo Almeida. Der verlängerte den Ball in Richtung HSV-Tor. Dann passierte das zweite Unglück. Piotr Trochowski stand am langen Pfosten und drosch den heranfliegenden Ball von der Linie - aber genau auf den Kopf von Werders heranstürmenden Kapitän Frank Baumann. Der musste gar nichts mehr tun, von seiner Stirn prallte das Spielobjekt zum 3:1 für die Bremer ins leere Hamburger Tor.

"Solch eine Verkettung unglücklicher Umstände habe ich noch nie erlebt", meinte Sat.1-Experte Mirko Slomka, der ehemalige Trainer des FC Schalke 04. Werders Manager Klaus Allofs erkannte wiederum sofort die historische Bedeutung des Papierstücks. "Das nehme ich mit. Die Kugel kommt ins Werder-Museum. Da wird sie einen besonderen Platz erhalten."

Einer, der sich das Corpus Delicti dort nicht anschauen wird, ist Michael Gravgaard: "So viel Pech kann man doch gar nicht haben. Ich habe mich voll auf den Ball konzentriert, und plötzlich sprang der einfach weg. Dass nach der Ecke das 1:3 fällt, ist doppelt bitter."