Wettskandal in Italien

Justiz ermittelt auch gegen Nationalspieler Bonucci

Nationaltrainer Cesare Prandelli, der Verteidiger Criscito suspendiert hatte, steht hinter dem Profi von Juventus, der auch im Fokus steht. Italienische Medien berichteten am Dienstag, dass die Vorwürfe gegen Bonucci nicht so schwerwiegend sein sollen wie gegen Criscito.

Rom. Nach Domenico Criscito ist ein zweiter italienischer Fußball-Nationalspieler in den Wettskandal verwickelt. Die Staatsanwaltschaft Cremona leitete gegen Verteidiger Leonardo Bonucci von Juventus Turin ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts von Spielmanipulationen ein. „Alles okay“, teilte Bonucci der Nachrichtenagentur Ansa zufolge in einer ersten Reaktion mit. Nationaltrainer Cesare Prandelli will den 25-Jährigen dennoch mit zur Europameisterschaft in Polen und der Ukraine nehmen. „Wenn es Bonucci gut geht, wird er im 23-köpfigen EM-Kader sein“, sagte Prandelli.

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Im Zusammenhang mit dem Fußball-Wettskandal wird auch gegen Criscito ermittelt. Nach Bekanntwerden der Untersuchungen am Montag war der Verteidiger aus dem Aufgebot für die EM gestrichen worden. Italienische Medien berichteten am Dienstag, dass die Vorwürfe gegen Bonucci nicht so schwerwiegend sein sollen wie gegen Criscito. Der Nationalspieler vom russischen Spitzenklub Zenit St. Petersburg steht unter dringendem Tatverdacht. Der 25 Jahre alte Verteidiger war zwischen 2008 und 2011 von Juventus Turin an den FC Genua ausgeliehen – er wurde von den Behörden verhört.

Wenige Tage vor Beginn der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine hatte der Wettskandal in Italien die Nationalmannschaft erreicht. Am Montagmorgen führte die Polizei eine Razzia im Trainingslager des Weltmeisters von 2006 in der Nähe von Florenz durch. Zeitgleich durchsuchten Beamte landesweit Räumlichkeiten von Spielern und Trainern. Insgesamt wurde gegen 19 Personen vorgegangen, elf davon aktive und ehemalige Profis. 14 Verdächtige wurden vorübergehend verhaftet, drei unter Hausarrest gestellt und zwei wurden aufgefordert, sich bei den Behörden zu melden.

„Das sind verheerende Nachrichten“, sagte die italienische Trainerlegende Giovanni Trapattoni, der mit Irland an der EM-Endrunde teilnehmen wird. „Aber wenn die Behörden so handeln, dann meist aus gutem Grund.“ Wie die Nachrichtenagentur ANSA berichtet, wurden sowohl der langjährige Profi des AC Mailand, Kakhaber Kaladze, als auch Stefano Mauri, Kapitän von Miroslav Kloses derzeitigem Klub Lazio Rom, vorübergehend verhaftet. Mauri wird sportlicher Betrug vorgeworfen.

Juventus Turins Meistertrainer Antonio Conte steht laut ANSA ebenfalls im Zentrum der Ermittlungen. Der 42-Jährige soll während seiner Zeit bei AC Siena in der Aufstiegssaison 2010/11 an Spielabsprachen beteiligt gewesen sein. „Contes Reaktion auf die Anschuldigungen ist die von jemandem, der völlig unschuldig und fest entschlossen ist, seine Unschuld zu beweisen“, sagte Contes Anwalt Antonio De Rencis. Auch Sienas Präsident Massimo Mezzaroma steht im Zentrum der Ermittlungen. Hausdurchsuchungen gab es bei zahlreichen weiteren Profis, unter anderem auch bei Sergio Pellissier, Kapitän von Chievo Verona.

Seit dem Beginn der Ermittlungen vor etwa einem Jahr wurden inzwischen mehr als 50 Personen in Italien verhaftet. Auch ehemalige Nationalspieler wurde eine Beteiligung in Spielabsprachen nachgewiesen: Der ehemalige Spielführer von Atalanta Bergamo Cristiano Doni wurde bereits im vorigen Sommer für dreieinhalb Jahre gesperrt. Der einstige Lazio-Kapitän Giuseppe „Beppe“ Signori wurde vergangenen Juni verhaftet.

Mit Material von dapd

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