Champions League

Jürgen Klopp – jetzt meldet sich auch "Kaiser Franz"

Party und Gesang mit Campino nach Sieg in der Champions League. Jürgen Klopp telefoniert mit Guardiola und denkt an seine Frau.

Madrid/Liverpool/Hamburg. Er will Pep Guardiola „in den Hintern treten“ und erwartet dasselbe von ihm. Europas Fachpresse feiert ihn in ihren Kommentaren. Es hieß "Rock 'n' Klopp"! Für viele ist er schon der jetzt erkannte fünfte Beatle. Die Stadt der Fab Four liegt ihm zu Füßen: Jürgen Klopp, der Mann, der zweimal mit Mainz 05 den Bundesliga-Aufstieg verpasste, es dann schaffte und eine beispiellose Karriere im internationalen Fußball hinlegte (von einem kleinen Burnout abgesehen) ist am Ziel aller Vereinsfußballer. Mit dem FC Liverpool holte Trainer Klopp die europäische Champions League. Nach einem Abend voller Rumpel-Fußball in Madrid besiegte Klopps Team Tottenham Hotspur mit 2:0.

Und eine Jubelarie brach los. Natürlich gratulierte artig sein Groß-Konkurrent im Trainergeschäft, Pep Guardiola. Seit Jahren liefern sich der Linien-Wüterich Klopp und der elegante Katalane einen Wettstreit um die Ausbildung der besten Spieler, die richtigen Motivations-Ansprachen und taktische Kniffe. Mit Manchester City lag Guardiola in der englischen Meisterschaft knapp vor Klopp.

Von wegen Tote Hosen: Klopp und Campino im Video

Klopp und Guardiola: "Gegenseitig in den Hintern treten"

„Ich hatte gerade Pep Guardiola am Telefon“, sagte Klopp nach dem Triumph in Madrid. Das hätte der glühende Katalane Guardiola auch gerne gehabt: einen großen Sieg in der spanischen Hauptstadt. „Wir haben uns versprochen, uns auch nächste Saison wieder gegenseitig in den Hintern zu treten. Wir werden wieder alles versuchen und sehen, ob wir wieder etwas gewinnen können“, so Klopp.

Auch Deutschlands Kaiser im Ruhestand, Franz Beckenbauer, holte das ganz große verbale Besteck heraus: "Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass er eines Tages zum FC Bayern kommt", sagte Beckenbauer (73) der "Bild"-Zeitung. "Für mich ist er einer der weltbesten Trainer." Klopp hat allerdings in Liverpool noch einen Vertrag bis Ende Juni 2022.

Beckenbauer bekräftigte wie schon im März vor dem Achtelfinal-Rückspiel der Königsklasse zwischen den Bayern und Liverpool, dass Klopp "den neuen Fußball" nach Deutschland gebracht habe. "Schnelles Umschaltspiel, mit schnellen Spielern den Gegner zu überfallen. Das hat das zähe Ballgeschiebe abgelöst. Was er in Dortmund begonnen hat, hat er in Liverpool verfeinert", so Beckenbauer.

Die europäischen Medien überschlugen sich in ihren kommentierenden Analysen zum Phänomen Jürgen Klopp. Doch einige wiesen auch auf die Defizite im Endspiel hin.

Jürgen Klopp: Die besten Pressestimmen

Das „Liverpool Echo“ schrieb: „Jürgen Klopp ist der Mann, der die Träume aller mitgereisten Fans und Millionen von Anhängern auf der ganzen Welt wahr gemacht hat. In nur vier Jahren hat er Liverpool von einem Mitläufer zur gefürchtetsten Mannschaft Europas gemacht. Klopp ist der unglaubliche, inspirierende Anführer eines besonderen Teams. Es gibt gute Gründe zu glauben, dass dies erst der Anfang einer goldenen Ära für Reds gewesen ist."

„The Guardian“ meinte: "Wie hat Liverpool das geschafft? Klopp hat alle Bestandteile des Vereins und der Mannschaft bearbeitet und aufpoliert. Er ist ein Trainer, der den Verein und die Menschen im Umfeld geradezu lesen kann. In allem steckt 'ein dritter Weg' des Fußball-Kapitalismus. Liverpool unter Klopp ist ein zielgerichtetes, umfassendes Projekt, bei dem es nicht um Erfolg auf dem Platz geht."

Der „Express“ erkannte: "Klopp jubelte darüber nicht in seiner typisch durchgeknallten Art, sondern mit der Würde eines echten Siegers, eines Mannes, der immer daran geglaubt hat, dass dies seine Bestimmung ist."

„The Sun“ war ehrlich: "Es wird niemanden in Rot interessieren, dass Liverpool weit unter seinen Möglichkeiten blieb in einem englischen Endspiel, das ziemlich schlechte Werbung für die sogenannte beste Liga der Welt war. 2019 wird als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem sich Liverpool wieder zum König von Europa krönte."

In Spanien schrieb „Marca“: „Liverpool reckt den sechsten Titel in den Himmel! Apotheose von Rock 'n' Klopp. Van Dijk ist ein Riese. Jetzt hat Klopp den Olymp der ganz großen Trainergiganten betreten. Es gab im Stadion eine großartige Stimmung, aber wenig Fußball.“

In Italien schrieb die „Gazzetta dello Sport“: "Liverboom! Nach zwei verlorenen CL-Titeln feiert Klopp jetzt einen verdienten Triumph. Mit Pragmatismus und Intelligenz erobert er beim dritten Mal den Champions-League-Titel. Die Wunde des verlorenen Finals im vergangenen Jahr ist geheilt. Diesmal hat Liverpool den entscheidenden Tormann ins Finale gebracht. Auch Salah, der vor einem Jahr von Sergio Ramos versenkt worden war, feiert seine Revanche am Ende eines sehr taktischen und 'italienischen' Spiels."

Klopp: Die beste Nacht – meines Berufslebens

Der mehrmalige Final-Unterlegene Klopp zeigte Mitleid mit dem Verlierer Tottenham Hotspur. „Ich weiß vielleicht besser als jeder andere, wie Tottenham sich jetzt fühlt. Sie haben auch eine tolle Saison gespielt“, sagte Klopp. Und er vergaß nicht zu erwähnen: „Das ist die beste Nacht meines Berufslebens. Es fühlt sich richtig gut an, aber ich selbst bin deutlich ruhiger, als ich das von diesem Moment immer erwartet habe. Es war für mich persönlich nicht so wichtig, den Pokal zu berühren. Ich freue mich über alle Bilder, in denen meinen Spieler ihn in der Hand halten.“

Van Dijk lobt Klopp

Der FC Liverpool gewann die wichtigste Trophäe des europäischen Vereinsfußballs zum sechsten Mal. „Er ist ein fantastischer Manager. Er ist aber auch ein fantastischer Mensch“, sagte Klopps niederländischer Abwehrspieler Virgil van Dijk. Auch Joel Matip, der einzige deutsche Spieler in diesem Champions-League-Finale, meinte nach dem Spiel: „Ich freue mich riesig für Jürgen Klopp. Die Leute haben viel über seine Finalserie geschrieben. Aber er hat sich diesen Erfolg mit uns hart erarbeitet.“

Liverpool gegen Tottenham wird als eines der schwächsten Endspiele der vergangenen Jahre in die Champions-League-Geschichte eingehen. Bei ihrer 1:3-Niederlage gegen Real Madrid vor einem Jahr spielten die Reds besser als diesmal gegen die Spurs. Doch durch Siege wie gegen den FC Barcelona (4:0) oder Bayern München (3:1) hat sich Liverpool diesen Titel im Laufe des Wettbewerbs mehr als verdient.

Jürgen Klopps berührendes Video

Am Sonntagnachmittag wollen mehrere Hunderttausend Menschen das Team zu einer gigantischen Siegesfeier in Liverpool empfangen.

Klopp sagte zu seiner persönlichen Planung: „Dieses Jahr fahren wir mit der Goldmedaille in Urlaub. Das werden wir genießen. Wenn wir verloren haben, hat meine Familie immer mehr gelitten als ich. Ich bin froh, dass ich meiner Frau die Goldmedaille heute schenken kann."

Schon vor dem Finale gab es einen persönlich wirkenden Moment, als Klopp ein Video für einen Fan machte, der aufgrund einer lebensbedrohenden Erkrankung nicht zum Spiel konnte. Dave Evans, der in Neuseeland lebt, hatte nach britischen Medienberichten schon ein Hotel für Madrid gebucht. Er wollte dann am Sonnabend das Finale von seinem Hospiz aus am Fernseher verfolgen. Seine Frau Liz bemühte sich um Statements vom Verein. Auch Klopp schickte ein Video, in dem er sagte: „Ich habe von deiner Geschichte gehört.“ Auch er könne schwer damit umgehen. Die Mannschaft bringe den Fans Hoffnung und Spaß. Das sei ihre Aufgabe. Und: "Ich bin Christ. Wir sehen uns."

Flitzerin schafft 50 Meter – Instagram-Video gelöscht

Eine Flitzerin hat für Unterhaltung des Publikums gesorgt. Auch wenn sie nur kurz in der TV-Übertragung zu sehen war, wurde ein Instagram-Video von ihr im Internet veröffentlicht. Es zeigt, wie sie halbnackt rund 50 Meter sprintet und erst am Mittelkreis von Ordnern eingeholt werden kann.

Youtube Flitzerin Champions League Finale Klopp Liverpool Tottenham

Die Frau ist ein amerikanisches Model und machte nach Agenturangaben Reklame für eine Erotikseite. "Das Leben ist zum Leben da, und um verrückte Dinge zu tun, an die du dich für immer erinnerst", schrieb sie am Sonntagmorgen bei Instagram. Marketing-Experten wollen einen Werbewert für die Sex-Plattform in Höhe von mehreren Millionen Euro errechnet haben. Der in Russland geborene Betreiber der Seite, zugleich angeblich Lebensgefährte der Flitzerin, twitterte: "Ich kann es nicht erwarten, Dich zu heiraten."

Am Sonntag wurde aber das Video bei Instagram gelöscht. Der Account schine gesperrt.