DFB-Pokal

Bayern entthront Dortmund und träumt vom Triple

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Weltmeister Thomas Müller war für die Bayern der Matchwinner

Weltmeister Thomas Müller war für die Bayern der Matchwinner

Foto: LennartPreiss / WITTERS

Münchner überwintern nach Sieg im Klassiker in drei Wettbewerben. Werder baut Heimserie aus, Frankfurt quält sich ins Viertelfinale.

München.  Der FC Bayern hat zum Jahresausklang im deutschen Fußball-Klassiker Titelverteidiger Borussia Dortmund im DFB-Pokal entthront. Nach dem erst dominanten und am Ende doch noch knappen 2:1 (2:0) beim Viertelfinal-Einzug können die Münchner nach der kurzen Winterpause unter Triple-Trainer Jupp Heynckes wie 2013 erneut drei Titel angreifen.

Die Tore der Weltmeister Jérôme Boateng (12. Minute) und Thomas Müller (40.) drückten die Überlegenheit vor 75.000 Zuschauern lange nur unzureichend aus, ehe Andrej Jarmolenkos Tor (77.) die Dortmunder am Mittwoch in ein eigentlich schon klar verlorenes Spiel wieder zurückbrachte. Der nächste Gegner auf dem Weg ins Finale am 19. Mai in Berlin wird am 7. Januar ausgelost.

Den ersten Tiefschlag hatten die Dortmunder schon vor dem Anpfiff verdauen müssen. Top-Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang musste wegen Hüftproblemen passen. Wohl auch deshalb entschied sich der neue BVB-Coach Peter Stöger für eine sehr defensive Formation, die den zuletzt in der Bundesliga wieder aufstrebenden Gästen Sicherheit geben sollte.

Stögers Taktik geht nicht auf

Doch diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Gegen die angriffslustigen Bayern, die kurzfristig auf den grippekranken Mats Hummels verzichten mussten, wirkten die Dortmunder zu Beginn heillos überfordert. Schon in der dritten Minute krachte ein Kopfball von Arturo Vidal nach Flanke von Thomas Müller an die Latte. Robert Lewandowski (8./11.) und Franck Ribéry (11.) vergaben weitere Großchancen.

Die Konsequenz der drückenden Münchner Überlegenheit war die Führung. Niklas Süles Kopfball klatschte noch ans Torgestänge, ehe Boateng den Abpraller unbedrängt ins Tor köpfte. Es war das erste Pokaltor in der Karriere des Weltmeisters. In dieser Phase schien dem BVB ein Debakel zu drohen. Die Dortmunder kamen kaum in die Zweikämpfe, standen zu weit weg von den Bayern.

Erst als die Hausherren etwas vom Gas gingen und Stöger in der Abwehr auf eine Viererkette umstellte, fanden die Gäste besser ins Spiel. Fast wären die Bayern sogar für ihre anfängliche Nachlässigkeit bei der Chancenverwertung bestraft worden, doch Alaba rettete bei Jarmolenkos Schuss gerade noch auf der Torlinie (35.).

Isak hat den Ausgleich auf dem Fuß

Ein feiner Doppelpass zwischen Müller und Lewandowski leitete dann das zweite Münchner Tor ein. Völlig frei hob Müller den Ball über BVB-Keeper Roman Bürki und sorgte so für eine beruhigende Pausenführung des Rekordpokalsiegers.

Doch die Bayern hatten nicht genug. Gleich nach Wiederanpfiff musste Bürki zweimal in höchster Not gegen James (46.) und Müller (50.) klären. Der Schlussmann war der einzige Gäste-Profi in der nötigen Bestform für das Topspiel. Ansonsten war in der ersten Stunde wenig davon zu sehen, dass die Dortmunder vier der vorherigen zehn Pokalduelle der beiden Teams gewonnen hatten und damit in diesem Wettbewerb der Angstgegner der Münchner sind.

Weil die Bayern aber schon früh ihre Bemühungen reduzierten, kam der Cupsieger der Vorsaison in der Offensive immer öfter zum Zug. Und so wurde es tatsächlich noch einmal spannend. Shinji Kagawas Flanke drückte Jarmolenko per Kopf ein, der zuvor kaum geforderte Bayern-Torwart Sven Ulreich war machtlos. Jetzt wankten die Gastgeber, doch der eingewechselte Alexander Isak vergab in der Nachspielzeit die große Ausgleichschance für den BVB.

Werder baut Heimserie aus

Freiburgs Trainer Christian Streich stürmte nach dem Pokal-Aus aufgebracht zum Schiedsrichter, seine Spieler wüteten auf dem Rasen. Derweil feierte Werder Bremen die Super-Heimserie – auch dank eines Patzers von Referee Guido Winkmann.

Zwei Tage nach der Beförderung von Florian Kohfeldt zum Cheftrainer zogen die Norddeutschen mit einem 3:2 (2:1)-Erfolg gegen den SC Freiburg zum 28. Mal ins Viertelfinale ein. Ishak Belfodil (3.), Florian Kainz (20.) und Philipp Bargfrede (70.) erzielten die Treffer für den abstiegsbedrohten Fußball-Bundesligisten vor 33.519 Zuschauern im Weserstadion. Der Ex-Bremer Nils Petersen (28./Foulelfmeter) und der Franzose Yoric Ravet (87.) schafften jeweils den Anschlusstreffer. Seit 29 Jahren hat der sechsmalige Cup-Gewinner Werder kein Pokal-Heimspiel mehr verloren, die Grün-Weißen haben nun 37 Siege in Serie geschafft.

Allerdings kam beim dritten Bremer Treffer der überragend aufspielenden Jerome Gondorf aus dem Abseits und griff mit einer Sperre gegen den Freiburger Robin Koch aktiv ins Spielgeschehen ein. Schiedsrichter Winkmann überstimmte seinen Linienrichter, der die Fahne oben hatte und den Treffer nicht geben wollte. Auf dem Bildschirm im Stadion war das Abseits ziemlich deutlich zu sehen – aber im DFB-Pokal gibt es den Videobeweis erst ab dem Viertelfinale.

Eintracht muss in Verlängerung

Eintracht Frankfurt hat mit viel Mühe und erst in der Verlängerung erneut das Viertelfinale im DFB-Pokal erreicht und beim 2:1 (0:0, 0:0) gegen den 1. FC Heidenheim den letzten Zweitligisten aus dem Wettbewerb geworfen. Vor 11.000 Zuschauer in der nicht ganz ausverkauften Voith-Arena trafen Mijat Gacinovic (95. Minute) und Sébastien Haller (109.) für den Bundesligisten. Heidenheim kam in der in der Verlängerung der attraktiven Partie durch Kapitän Marc Schnatterer (96.) nur noch zum schnellen Ausgleich und konnte sich am Mittwochabend nicht für den guten Auftritt belohnen. Der Tabellen-15. kann sich in der Rückrunde nun komplett auf den Klassenverleib in der 2. Fußball-Bundesliga konzentrieren.

Haller avancierte beim Finalteilnehmer der vergangenen Saison erneut zum Matchwinner: Der französische Angreifer erzielte nicht nur sechs Saisontore in der Liga, sondern ist nun auch im DFB-Pokal an sechs der neun Eintracht-Treffer beteiligt.

Bailey beschert Bayer

Bayer Leverkusen hat dank Leon Bailey das Viertelfinale des DFB-Pokals erreicht. Die Werkself gewann zum Abschluss eines turbulenten Jahres 1:0 (0:0) beim Rheinrivalen Borussia Mönchengladbach und machte sich vier Tage vor Heiligabend ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk.

Der Jamaikaner Bailey (70.) erzielte in einer temporeichen Partie das Goldene Tor für die Mannschaft von Trainer Heiko Herrlich an dessen alter Wirkungsstätte. Der 20-jährige Bailey hatte schon am Wochenende beim 4:4 bei Hannover 96 doppelt getroffen, in der Bundesliga-Hinserie war er an zehn Treffern direkt beteiligt gewesen.

Bayer steht damit zum vierten Mal in fünf Jahren in der Runde der letzten acht und baute seine Serie auf 14 Pflichtspiele ohne Niederlage aus. Die Borussia verlor dagegen ihr viertes Pokal-Heimspiel gegen einen Erstligisten in Folge.

( dpa )

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