VfL Wolfsburg

Hecking erhält Papiere und ein menschelndes Allofs-Statement

Dieter Hecking dürfte nach Wolfsburgs 0:1-Niederlage gegen RB Leipzig schon eine Vorahnung gehabt haben

Dieter Hecking dürfte nach Wolfsburgs 0:1-Niederlage gegen RB Leipzig schon eine Vorahnung gehabt haben

Foto: TimGroothuis / WITTERS

Der "Trainer des Jahres 2015" wird erstmals in seiner Karriere beurlaubt - und zeigt Verständnis. Beim VfL übernimmt jetzt Ismaël.

Wolfsburg. Der VfL Wolfsburg hat sich von Trainer Dieter Hecking getrennt. Einen Tag nach der 0:1-Niederlage in der Fußball-Bundesliga gegen Aufsteiger RB Leipzig zog der Club die Konsequenzen aus dem schwachen Saisonstart.

Die Entscheidung sei am Montagnachmittag gefallen und Hecking in einem persönlichen Gespräch von Geschäftsführer Klaus Allofs mitgeteilt worden, erklärte der Verein.

Vorerst übernimmt U23-Coach Valérien Ismaël das Team. Der Ex-Profi soll den Bundesliga-14. auf das Auswärtsspiel in der Bundesliga beim SV Darmstadt 98 am Sonnabend vorbereiten. Die erste Übungseinheit unter dem ehemaligen Profi soll am Dienstagnachmittag stattfinden.

Damit hat sich auch der dritte norddeutsche Bundesliga-Club von seinem Coach getrennt. Zuletzt hatten Werder Bremen und der Hamburger SV ihre Übungsleiter Viktor Skripnik und Bruno Labbadia beurlaubt. In Wolfsburg muss zudem auch Hecking Assistent Dirk Bremser gehen, das restliche Trainerteam bleibt bestehen.

Hecking äußert sich enttäuscht

„Menschlich tut mir dieser Schritt sehr leid. Es war eine große Freude, mit Dieter Hecking und Dirk Bremser zusammenzuarbeiten“, sagte Allofs. „Nach den zuletzt enttäuschenden Leistungen sind wir zu der Entscheidung gekommen, durch einen Wechsel auf der Cheftrainerposition dem Team neue Impulse zu geben.“

Hecking äußerte sich in der Clubmitteilung „enttäuscht“. „Aber es gehört als Trainer in diesem Geschäft dazu, dass man mit einer Trennung rechnen muss, wenn die Erfolge ausbleiben. Das war bei uns zuletzt leider der Fall.“

Allofs hatte Bekenntnis verweigert

Allofs hatte am Sonntag nach der dritten Saisonniederlage ein Bekenntnis pro Hecking verweigert. Erstmals hatte es in der Volkswagen-Arena auch "Hecking-raus“-Rufe durch die Fans gegeben. und Gesänge wie "Wir haben die Schnauze voll!".

"Wir müssen uns darüber unterhalten, wie wir in Zukunft besseren Fußball spielen", sagte Allofs mit ernster Miene, nachdem die Krise endgültig in Wolfsburg angekommen war: "Wir werden uns zusammensetzen, diskutieren und dann hoffentlich zur richtigen Entscheidung kommen."

Heckings Bilanz im Jahr 2016 ist ernüchternd. In diesem Jahr haben die Wolfsburger nur 25 Punkte in 24 Spielen geholt. In dieser Spielzeit sind es gerade einmal sechs Zähler. Dabei investierte der VfL zu Saisonbeginn rund 42 Millionen für acht neue Profis. Sieben Akteure wurden für rund 50 Millionen abgegeben.

Hecking leitete das Training mit Verspätung

"Als Cheftrainer hast du immer die Verantwortung - für alles, was passiert", hatte Hecking nach der Pleite gegen Leipzig gesagt: "Wenn du keine Spiele gewinnst, hast du auch keine Argumente."

Das Training des kriselnden Clubs am Montag leitete Hecking noch. Es begann allerdings nach einem Gespräch zwischen dem Cheftrainer und Allofs mit 20-minütiger Verspätung. "Es macht keinen Sinn, eine Erklärung in die eine oder andere Richtung abzugeben“, sagte Allofs.

In der Vergangenheit hatte Wolfsburgs Sportchef noch nie einen Trainer beurlaubt. Hecking selbst hatte seine Engagements in Lübeck, Aachen und Hannover selbstständig beendet.

Zweitlängste Trainer-Ära beim VfL

Hecking war kurz vor Weihnachten 2012 von Allofs geholt worden. Rund 750.000 Euro bezahlte der Manager damals an den Club. Nun hatte der 52-Jährige hatte mit dem VfL zurück in den Europapokal stürmen sollen - doch stattdessen herrscht in der Autostadt Tristesse. Nach 1395 Tagen endet nun die Zusammenarbeit.

Heckings größter Erfolg in Wolfsburg war der DFB-Pokalsieg im Jahr 2015 mit dem Sieg gegen Borussia Dortmund sowie die Vizemeisterschaft in der gleichen Saison hinter Rekordmeister FC Bayern München. Daraufhin wurde Hecking zum "Trainer des Jahres" gewählt - als bis dato erst zweiter Coach eines Nicht-Meisters.

Hecking war der 13. Trainer des VfL Wolfsburg seit dem Bundesliga-Aufstieg 1997. Knapp vier Jahre war er im Amt und ist damit nach Wolfgang Wolf, der fünf Jahre Wolfsburger Coach war, der Trainer mit der zweitlängsten Zeit auf der VfL-Bank.