6:0

Bayern demütigen Werder noch mehr als den HSV

Gegen den Sparringspartner aus Bremen traf Lewandowski dreimal. Selbst Lahm durfte ran. Ancelotti verfolgte das Spiel ganz entspannt.

München. Vor Jahresfrist hatte Bayern München noch den HSV gedemütigt, in der diesjährigen Eröffnung zur neuen Saison der Fußball-Bundesliga traf es mit Werder Bremen erneut ein völlig überfordertes Nordlicht - und wie!

Mit 6:0 (2:0) schickte der deutsche Rekordmeister den einstigen Nordrivalen zurück an die Weser. Damit steigerten sich die Münchner im Vergleich zum Vorjahresauftakt sogar noch einmal, als sie Hamburg am ersten Spieltag mit 5:0 aus der Allianz Arena fegten.

Nach einem Turbo-Doppelpack in der Anfangsphase stürmten die Bayern bei der Premiere von Trainer Carlo Ancelotti zum höchsten Sieg in einem Eröffnungsspiel des amtierenden Champions.

Dreierpack von Lewandowski

75.000 Zuschauer in der Münchner Arena bejubelten beim Start der 54. Bundesligasaison in den besonders rasanten ersten Minuten ein Traumtor des Spaniers Xabi Alonso (9. Minute) und das rasch folgende 2:0 des letztmaligen Torschützenkönigs Robert Lewandowski (13.).

Danach drosselte der Serienmeister kurz die Torproduktion. Doch nach der Pause legten die Münchner gleich wieder los. Gerade einmal 41 Sekunden waren in der zweiten Halbzeit gespielt, da schraubte erneut Lewandowski das Ergebnis für die spielfreudigen Münchner auf 3:0. Dann durfte sich beim 4:0 selbst Abwehrspieler Philipp Lahm in die Torschützenliste eintragen (66.). Franck Ribéry (73.) und wieder Lewandowski per Foulelfmeter (77.) sorgten für den Endstand. Es war der erste Dreierpack des Polen für die Bayern in der Bundesliga. In der vergangenen Saison war Lewandowski 30 Mal erfgolgreich.

Fritz schimpft, Skripnik ist enttäuscht

„Ich bin sehr zufrieden. Das war eine sehr gute Leistung meine Mannschaft. Wir haben einen guten Start hingelegt“, sagte Ancelotti kurz nach dem Abpfiff bei Sky. "Wir haben frühzeitig die Spielkontrolle übernommen und dann auch unsere Tore gemacht.“ Werder-Kapitän Clemens Fritz machte seinerseits bei der ARD seinem Ärger Luft: „Wir waren ängstlich und mutlos. So kann man kein Spiel gewinnen. Das war eine Unverschämtheit.“ Auch Frank Baumann war sauer: "Wir sind brutal enttäuscht", sagte der Sportdirektor.

"Nach dem 0:3 kurz nach der Halbzeit waren wir frustriert. Aber man darf nicht mit dem Spielen aufhören. Wir sind natürlich enttäuscht über unsere Leistung. Wir haben jetzt zwei Wochen Zeit, um uns auf das nächste Spiel vorzubereiten.", sagte Bremens Trainer Viktor Skripnik.

Bendzko sang die Nationalhymne

Werder erlebte eine Woche nach dem Pokal-Aus beim Drittligisten Sportfreunde Lotte die nächste Demütigung. An der Weser muss nach dem Fehlstart eine ganz schwere Saison befürchtet werden. Trainer Viktor Skripnik steht bereits mächtig unter Druck.

Nach der kurzen Saison-Eröffnungsfeier mit der von Tim Bendzko gesungenen Nationalhymne begannen die Bayern volle Lotte. Die Bremer versuchten den Angriffswirbel der Gastgeber mit einer extrem defensiven Ausrichtung zu stoppen. Doch alles was sich Werder-Coach Skripnik im Vorfeld als Taktik ausgedacht hatte, war bereits nach einer Viertelstunde Makulatur.

Werder ohne drei Stars zu limitiert

Zunächst brachte Xabi Alonso die Bayern mit einem herrlichen Volleyschuss in Führung, dann war Torschützenkönig Lewandowski nach einem feinen Vertikalpass von Ribéry aus spitzem Winkel erfolgreich. Die Kombination dokumentierte die neue Spielweise des Rekordmeisters unter Ancelotti. Die endlosen Ballpassagen bei Pep Guardiola sollen einer schnelleren Spielweise in die Spitze weichen. Nach Ballgewinn nahmen die Hausherren sofort den Weg in Richtung Werder-Strafraum, vor allem Alonso glänzte mit brillanten Pässen aus dem Mittelfeld.

Die Bremer wurden den ganzen Abend nie zu einem ebenbürtigen Gegner. Ohne das verletzt fehlende Offensiv-Trio Zlatko Junuzovic, Max Kruse und Claudio Pizarro waren die Norddeutschen einfach zu limitiert. So war die Spannung frühzeitig raus. Dennoch versuchten die Bayern ihre Anhänger weiter gut zu unterhalten, die Techniker um Ribéry und Thiago konnten sich das eine oder andere Kabinettstückchen leisten.

Ancelotti war ganz gelassen

Ancelotti verfolgte sein erstes Bundesligaspiel an der Seitenlinie im feinen Zwirn ganz gelassen. Die Hände entweder auf dem Rücken oder vor der Brust verschränkt konnte der Italiener die 90 Minuten einfach genießen. Skripnik stand im Trainingsanzug dagegen wie versteinert vor seiner Bank. Das beste aus Sicht der völlig überforderten Bremer zur Pause war das Ergebnis.

Doch dem Seitenwechsel legten die Bayern gleich wieder los. Nach Flanke von Thomas Müller vollstreckte Lewandowski völlig freistehend. Erst in der 53. Minute wurde Werder durch Luca Caldirola erstmals etwas gefährlich. Das war's. Danach spielten weiter nur die Bayern und machten den ersten Kantersieg der Saison perfekt.

Statistik

München: Neuer - Lahm (74. Rafinha), Martinez, Hummels, Alaba (78. Bernat) - Thiago, Alonso (64. Kimmich), Vidal - Thomas Müller, Lewandowski, Ribery. - Trainer: Ancelotti

Bremen: Wiedwald - Gebre Selassie, Sane, Diagne, Caldirola - Grillitsch (74. Eggestein) - Yatabare, Fritz, Bauer, Bartels (88. Thy) - Johannsson (64. Sternberg). - Trainer: Skripnik

Schiedsrichter: Christian Dingert (Lebecksmühle)

Tore: 1:0 Alonso (9.), 2:0 Lewandowski (13.), 3:0 Lewandowski (46.), 4:0 Lahm (66.), 5:0 Ribery (73.), 6:0 Lewandowski (77., Foulelfmeter)

Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)

Gelbe Karten: - Sternberg

Torschüsse: 25:4

Ecken: 8:1

Ballbesitz: 67:33 %

Zweikämpfe: 82:52