EM-Splitter

Hollande lehnt die Hilfe von "Gott" Ibrahimovic ab

Der französische Staatschef François Hollande will sich nicht näher mit dem Hilfsangebot von Zlatan Ibrahimovic beschäftigen

Der französische Staatschef François Hollande will sich nicht näher mit dem Hilfsangebot von Zlatan Ibrahimovic beschäftigen

Foto: PanoramiC / JoelMarklund / imago / Witters

Nur 18 Spieler im DFB Training, Großkreutz scherzt. Edelfan Manolo schockt Spanien, "Game of Thrones"-Star droht Cristiano Ronaldo.

Évian-Les-Bains/Hamburg. Die Top-Meldung zur Fußball-Europameisterschaft in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli) kommt am Mittwoch aus dem deutschen Lager: Bundestrainer Joachim Löw hat auf das verletzungsbedingte EM-Aus von Antonio Rüdiger schnell reagiert und Jonathan Tah (Bayer Leverkusen) für seinen 23 Mann starken Kader nachnominiert. Nach Abendblatt-Informationen wurde der 20 Jahre alte Innenverteidiger am Dienstagabend unterrichtet. Am morgigen Donnerstag soll der gebürtige Hamburger und ehemalige HSV-Profi erstmals mit der Mannschaft im EM-Quartier am Genfer See trainieren.

Abendblatt.de hält Sie über die deutsche Nationalmannschaft und die EM auf dem Laufenden:

Hollande lehnt Ibrahimovics Hilfe ab

Frankreichs Staatspräsident François Hollande möchte seine Popularität nicht dank Zlatan Ibrahimovic steigern. Das Staatsoberhaupt lehnte am Mittwoch ein entsprechendes, wohl nicht ganz ernst gemeintes, Angebot des schwedischen Fußballstars ab. "Der Präsident setzt auf die Früchte seiner Arbeit und nicht auf die Hilfsangebote eines Fußballspielers", sagte ein Sprecher kühl.

Der 34 Jahre alte Stürmer, der sich selbst als "Gott" bezeichnet, hatte gegenüber der französischen Tageszeitung "Le Monde" dem 61-jährigen seine Unterstützung angeboten. "Ich kann ihn beliebt machen, wenn ich will. Ich weiß aber nicht, ob ich will", zitiert das Blatt den Topstürmer, der darauf hinwies, dass er Frankreich schon durch seine Steuerzahlungen helfe.

Löw sieht Tah bald bereit für die EM

Joachim Löw sieht Nachrücker Jonathan Tah in Kürze bereit für mögliche EM-Einsätze. Der Abwehrspieler von Bayer Leverkusen habe in den vergangenen drei Wochen individuell trainiert. "Ich bin überzeugt, dass wir ihn innerhalb von einigen Tagen im Mannschaftstraining hervorragend integrieren können“, sagte Löw am Mittwoch in Évian-les Bains. Tah hat sein einziges Länderspiel Ende März beim 2:3 gegen England in Berlin bestritten. Wegen einer Lebensmittelvergiftung hatte der Bayer-Stammspieler die letzten Bundesligaspiele verpasst.

Löw holt Tah für verletzten Rüdiger
Löw holt Tah für verletzten Rüdiger

Belgiens Stürmer Origi ist Klopp-Fan

Der belgische Nationalspieler Divock Origi ist Fan von seinem Vereinstrainer Jürgen Klopp. „Er gibt sehr interessantes Training. Bei ihm kommt es darauf an, auf alle Spielsituationen sehr schnell zu reagieren. Ich habe bereits viel von ihm gelernt“, sagte der Liverpool-Profi der Zeitung „Nieuwsblad“. Und manchmal sorge Klopp auch bei den Spielern für Lacher, verriet der 21-Jährige: Nach dem späten Sieg gegen Norwich war Klopp „so aufgedreht und glücklich, dass ihm seine Brille von der Nase geflogen ist“. Origi trifft mit Belgien in der EM-Gruppe E auf Italien, Irland und Schweden.

Nordirland-Phänomen Grigg ist heiß

Drittliga-Torschützenkönig und Fan-Liebling Will Grigg traut sich die Vertretung von Nordirlands Topstürmer Kyle Lafferty zu. "Ich bin in der Form meines Lebens und so gut drauf wie nur irgendwie möglich“, sagte Grigg nach Angaben der BBC am Mittwoch. "Ich bin mir sicher, dass Kyle dabei sein wird. Aber falls nicht, bin ich bereit“, meinte der Stürmer, dessen Fan-Lied "Will Grigg's on fire" inzwischen ein Hit ist.

Lafferty hatte das Training am Dienstag mit Schmerzen in der Leiste vorzeitig beendet. Das Ergebnis einer genaueren Untersuchung war auch am Mittwochnachmittag noch nicht bekannt. Trainer Michael O'Neill hatte tags zuvor aber bereits Entwarnung gegeben und von einer Vorsichtsmaßnahme gesprochen. Während seine Kollegen in Saint-Georges-de-Reneins auf dem Platz standen, saß Lafferty auf einem Hometrainer und radelte. Mit sieben Treffern war er der gefährlichste Nordire in der EM-Qualifikation.

Deutschlands Gruppengegner Nordirland trifft im ersten Fußball-EM-Spiel in der Geschichte des Landes am Sonntag auf Polen. Gegen die DFB-Elf geht es im letzten Spiel der Gruppe C am 21. Juni in Paris.

EM-Aus für Spaniens Edelfan Manolo

Titelverteidiger Spanien muss bei der EM auf die Paukenschläge des wohl berühmtesten Fußball-Fans der Welt verzichten. Manuel Caceres, weltweit nur als "Manolo" bekannt, verzichtet aus gesundheitlichen Gründen auf die Reise nach Frankreich. Das berichtet die spanische Tageszeitung ABC. Der 67-Jährige verpasst erstmals seit 1976 ein großes Turnier.

Manolo war noch am Dienstag beim 0:1 der Spanier gegen Georgien im Stadion, wenige Stunden später gab "El Bombo" ("Die Pauke") seinen Verzicht auf die EM-Reise bekannt. Der aus Valencia stammende, durch seine Baskenmütze und Trommel bekannt gewordene Edelfan war bei vergangenen Turnieren stets mit der Mannschaft geflogen und im Teamhotel ein- und ausgegangen.

Er hoffe nun auf seine schnelle Genesung, sagte Manolo, um bei der WM 2018 in Russland wieder für Spanien trommeln zu können.

Nur 18 Spieler im deutschen Training

Ohne die Youngster Joshua Kimmich und Julian Weigl und damit nur noch mit 18 Spielern absolvierte Deutschland am Morgen sein zweites Mannschaftstraining im EM-Camp in Evian-les-Bains. Kimmich (21/Bayern München) fehlte wegen einer Erkältung, Weigl (20/Borussia Dortmund) wegen leichter muskulärer Probleme. Er soll nach DFB-Angaben am Donnerstag wieder ins Training einsteigen können.

Mats Hummels trainierte weiterhin im Zelt neben dem Platz individuell. Lukas Podolski war am Sonntag Vater einer Tochter geworden, erhielt einen Tag Babyurlaub und wird erst am späten Mittwoch in Evian erwartet.

Deutschlands EM-Kader:

Großkreutz scherzt auf DFB-Kosten

Kevin Großkreutz hat sich nach Rüdigers EM-Aus einen Scherz erlaubt. "Eigentlich wurde ich nachnominiert!“, witzelte der 27-Jährige am Mittwoch auf seinem Twitter-Account. "Habe aber abgesagt! Sie müssen auch mal ohne mich Titel holen“, ergänzte er und fügte noch einen Lachsmiley an. Darunter postete der Rechtsverteidiger des VfB Stuttgart noch ein Foto von sich im DFB-Outfit.

Großkreutz war 2014 mit der DFB-Elf in Brasilien Weltmeister geworden, für die EM in Frankreich wurde er aber nicht berücksichtigt. Im Mai war er mit dem VfB aus der Bundesliga abgestiegen.

Stärkster Mann der Welt droht Ronaldo

Die Botschaft von Hafthór Björnsson an Cristiano Ronaldo ist so krass wie unmissverständlich: Sollte der große Portugiese Fußball-Zwerg Island beim EM-Auftaktspiel am Dienstag (21 Uhr/ZDF) weh tun, wird ihm deren "Schutzpatron" Björnsson richtig schlimme Schmerzen zufügen - und mehr.

"Wenn du es wagst, ein Tor gegen meine Kollegen zu erzielen, werde ich dich finden und deinen Kopf zerquetschen, wie ich es mit der 'Roten Viper' getan habe", kündigte Björnsson in einer Videobotschaft an. Hintergrund: Björnsson spielt in der Erfolgsserie "Game of Thrones" die Rolle des "Mountain", der Prinz Oberyn (besagte "Rote Viper") im Duell den Schädel zerdrückt.

Allzu sehr muss sich Ronaldo aber wohl nicht sorgen: Björnsson (27), ehemaliger Basketballspieler und 2014 sowie 2015 "Europas stärkster Mann", schneidet in dem Video zwar furchterregende Grimassen, krümmt sich am Ende aber vor lachen.

Wagt Italien ein Sturm-Experiment?

Italiens Nationaltrainer Antonio Conte erwägt im ersten Spiel gegen Belgien den Einsatz eines neuen Sturmduos. In der Partie am Montag in Lyon könnte Conte Medienberichten vom Mittwoch zufolge erstmals Graziano Pellè und Simone Zaza gemeinsam auflaufen lassen. "Natürlich können sie zusammenspielen, sie haben verschiedene Stärken“, hatte der Trainer nach dem 2:0-Sieg im letzten Test gegen Finnland gesagt.

Bislang wurde jedoch meist der eine der beiden für den anderen eingewechselt, da Conte den Juventus-Profi Zaza und Pellè vom Premier-League-Club FC Southampton als zu ähnliche Stürmertypen einstuft. Nachdem der eigentlich als Sturmpartner von Pellè vorgesehene Eder jedoch zuletzt enttäuschte und auch der Ex-Dortmunder Ciro Immobile gegen Finnland kein gutes Spiel machte, könnte Italien gegen Belgien das Experiment mit Pellè und Zaza wagen.

Tscheche Pudil hat Angst um Familie

Aus Angst um die Sicherheit hat Tschechiens Abwehrspieler Daniel Pudil seiner Familie die Mitreise nach Frankreich verboten. "Nur mein Opa kommt. Der hat mir erzählt, dass er in seinem Leben schon fast alles erlebt hat und keine Angst hat. Ich habe also für ihn eine Karte besorgt“, erzählte der Profi von Sheffield Wednesday.

Die EM gilt als mögliches Anschlagsziel von Terroristen. "Ich bin mir sicher, dass alles gut vorbereitet ist und nichts passiert“, sagte der frühere Leverkusener Michal Kadlec: "Es geht aber vor allem um die Fans, die kommen sicher in einer großen Zahl zu den Spielen und müssen vorsichtig sein. Aber ich hoffe, es passiert nichts. Für unsere Mannschaft muss ich sagen, dass wir keine Angst haben.“

Rätsel um englisches Stofftier-Maskottchen

Das englische Team macht weiter ein großes Geheimnis um sein neues Maskottchen. Seit dem Abflug nach Frankreich trägt Chris Smalling bei Reisen und rund um das Training einen Plüsch-Löwen mit sich herum. Drei Tage vor dem EM-Auftakt gegen Russland wollte der Verteidiger von Manchester United aber nicht verraten, warum er zum ersten Aufpasser für das Kuscheltier erkoren wurde. „Es war eine Gruppenentscheidung“, sagte Smalling am Mittwoch lachend. „Es gibt dazu nicht viel zu sagen. Ich habe ihn derzeit immer noch, aber in einigen Tagen wird man jemand anderes damit sehen. Vielleicht kann Joe Hart am Donnerstag mehr dazu sagen.“

Auch Kyle Walker verwies auf die erfahreneren Spieler wie Kapitän Wayne Rooney, wenn es um das aktuelle Lieblingsthema der englischen TV-Journalisten geht. „Ich glaube, sein Name ist Leo. Ich bin aber nicht 100 Prozent sicher. Ihr müsst Wazza fragen“, erklärte Tottenhams Rechtsverteidiger. „Die Spieler nominieren, wer ihn tragen muss, und Chris hat ihn bekommen.“

Einem Bericht des „Mirror“ zufolge hat das Team von Trainer Roy Hodgson Strafen aufgesetzt, sollte der Löwe verloren gehen oder beschädigt werden. Es gebe zwei weitere Plüschtiere, für eins davon sei der Betreuerstab zuständig.

In britischen und irischen Sportteams gibt es eine lange Tradition, nach der der jüngste Spieler auf einen Löwen als Glücksbringer aufpassen muss. Am 18 Jahre alten Marcus Rashford ging diese Bürde bei der EM aber zumindest vorerst vorbei.

Verbraucherschutz warnt vor Billig-Artikeln

Viele EM-Fanartikel sind Billigwaren. Und diese sind nicht mit den höchsten Standards produziert worden. Gerade ein übler Geruch kann darauf hinweisen, dass gefährliche Inhaltsstoffe ausdünsten. "Aber leider fallen nicht alle Schadstoffe durch Geruch auf“, betont Kerstin Etzenbach-Effers von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Wie Unternehmen von der Fußball-EM profitieren

Ihr Tipp liegt auf der Hand: den gesunden Menschenverstand entscheiden lassen. "Wenn ein Shirt so richtig billig aussieht, der Stoff sich mangelhaft anfühlt und schlecht verarbeitet ist, dann ist das ein Anzeichen, dass der Hersteller sich womöglich auch nicht um Qualitätsstandards gekümmert hat. Lieber die Finger davon lassen“, rät Etzenbach-Effers.

Offensivprobleme bei Tschechien

Tschechiens Fußballer sind am Mittwoch in ihr EM-Quartier ins französische Tours gereist. "Ich kann es kaum erwarten, dass wir endlich vor Ort sind und die EM beginnt“, sagte Torhüter Peter Cech vom FC Arsenal vor der Abreise am Mittag in Prag. Das Team von Trainer Pavel Vrba hat kaum Verletzungsprobleme, lediglich Roman Hubnik (Viktoria Pilsen) und Borek Dockal (Sparta Prag) sind leicht angeschlagen.

Dennoch sind die Sorgen in Tschechien vor dem ersten Spiel am Montag gegen Titelverteidiger Spanien groß. "Im Offensivspiel erwarte ich mehr. Einige Spieler müssen da deutlich zulegen“, meinte Coach Vrba. Das abschließende Testspiel hatte Tschechien am Sonntag gegen Südkorea (1:2) verloren. Weitere Vorrundengegner des Europameisters von 1976 sind Kroatien (17. Juni) und die Türkei (21. Juni).

Rüdiger postet Dank und Kampfansage

Antonio Rüdiger hat sich nach seinem EM-Aus für die vielen Genesungswünsche bedankt. "Ihr mögt mich straucheln sehen, aber Ihr werdet mich nie aufgeben sehen“, schrieb der deutsche Abwehrspieler bei Facebook. Der 23-Jährige hatte sich am Dienstagabend beim ersten Training des Weltmeisters im EM-Land Frankreich bei einem Zweikampf einen Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie zugezogen. Der Innenverteidiger des AS Rom wird wohl ein halbes Jahr pausieren müssen. Für ihn rückt voraussichtlich der Leverkusener Jonathan Tah ins Team.

Zahlreiche Teamkollegen drückten ebenfalls über die sozialen Medien ihr Mitgefühl mit Rüdiger aus. "What sad news! Get well soon, my bro, love you" ("Welche schlechte Nachrichten! Werd bald gesund, Bruder, ich liebe Dich"), twitterte Lukas Podolski. Der im Zweikampf beteiligte Thomas Müller nannte die Situation bei Facebook "einen sehr bitteren Moment" und schrieb: "Toni, ich leide mit dir und hoffe, dass du bald wieder gegen den Ball treten kannst. Du bist ein Kämpfer und wirst das schaffen. Kopf hoch und alles Gute!"

Abwehrchef Jerome Boateng, an dessen Seite Rüdiger im ersten EM-Spiel gegen die Ukraine am Sonntag in Lille (21/ARD) aufgelaufen wäre, twitterte ein Foto, auf dem er und Rüdiger das Victory-Zeichen zeigen. Er schrieb: "Gute Besserung, Bro", dazu stellte er ein Emoji mit betenden Händen. Auch Kapitän Bastian Schweinsteiger äußerte sich via Twitter. "Eine ganz bittere Nachricht", schrieb er: "Gute Besserung und komm schnell zurück!"

Streiklage in Frankreich angespannt

Zwei Tage vor dem Eröffnungsspiel ist die Streiklage in Frankreich nahezu unverändert. Internationale Zugverbindungen sind um 20 bis 30 Prozent reduziert. Im Regionalverkehr fällt jede etwa jede zweite Fahrt aus. Auch Müllabfuhren und Raffinerien werden partiell bestreikt. Eine Einigung um die umstrittenen Arbeitsmarktreformen der Regierung ist derzeit nicht in Sicht. Weiteres Ungemach droht Frankreich-Reisenden ab Sonnabend. Die Piloten der Staatslinie Air France kündigten eine viertägige Arbeitsniederlegung an.

Englands Co-Trainer verrät Aufstellung

Was für ein Malheur! Englands Co-Trainer Ray Lewington hat unfreiwillig weite Teile der Mannschaftsaufstellung für das Auftaktspiel der Three Lions am Sonnabend (21 Uhr/ZDF) gegen Russland preisgegeben. Fotos zeigen den Assistenten von Teammanager Roy Hodgson auf dem Weg vom Trainingsplatz ins Teamhotel mit einer Kladde und einigen Zetteln unter dem Arm. Das Deckblatt zeigt die präferierten Spieler für das Duell in Marseille vom defensiven Mittelfeld bis zum Angriff. In der Spitze spielen demnach Tottenhams Harry Kane und Shootingstar Jamie Vardy von Meister Leicester City. Kapitän Wayne Rooney rückt ins linke Mittelfeld.

Die Notizen auf offiziellem Papier des Verbandes FA lassen darauf schließen, das Eric Dier (Tottenham Hotspur) die Schaltzentrale im defensiven Mittelfeld besetzen soll, neben Rooney wird Diers Teamkolle Dele Alli zum Zuge kommen. Auf den offensiven Außen sind Raheem Sterling von Manchester City und Ross Barkley (FC Everton) erste Wahl. Lewingtons Malheur ist insofern peinlich, dass Hodgson nach den negativen Erfahrungen der WM 2014 viel Aufwand betrieb, um Spionen ihre Arbeit zu erschweren. Um den Trainingsplatz im Stade des Bourgognes ließ er fast vier Meter hohe Schutzwände errichten.

Österreichs Vastic würde Status gerne verlieren

Österreichs bislang einziger EM-Torschütze Ivica Vastic traut dem Team von Trainer Marcel Koller eine gute Rolle zu. "Ein realistisches Ziel ist das Überstehen der Gruppenphase. Danach hängtviel von der Auslosung ab. Mit etwas Glück, und das braucht manimmer, ist aber viel möglich“, sagte Vastic der Nachrichtenagentur APA. "Die Mannschaft ist in einem guten Alter, jeder kennt seine Rolle“, sagte der frühere Bundesliga-Profi des MSV Duisburg. Die Österreicher treffen in Frankreich auf Portugal, Ungarn und Island.

Vastic hatte bei der EM 2008, bei der Österreich zusammen mit der Schweiz Gastgeber war, im zweiten Gruppenspiel gegen Polen per Foulelfmeter in der Schlussminute zum 1:1 getroffen. Weil die Österreicher die anderen beiden Partien gegen Kroatien und Deutschland aber jeweils mit 0:1 verloren, schied das Austria-Team nach der Vorrunde aus. Es war die bislang einzige EM-Teilnahme Österreichs.

Dieses Mal soll zumindest das Achtelfinale herausspringen. Dass er dann seinen Titel als einziger EM-Torschütze Österreichs verlieren würde, sei "überhaupt kein Problem“, sagte der 46 Jahre alte Trainer des SV Mattersburg.

Iren verlängern mit Coach O'Neill

Kurz vor dem Abflug nach Frankreich hat der irische Verband (FAI) den Vertrag mit Nationaltrainer Martin O'Neill um zwei Jahre verlängert. Der 64-Jährige soll die "Boys in Green" auch zur WM 2018 in Russland führen. "Es ist ein absolutes Privileg, Nationaltrainer der Republik Irland zu sein, und wir gehen frohen Mutes nach Frankreich, mit dem Willen, uns gut zu behaupten", sagte O'Neill. Auch seine Assistenten machen weiter, darunter der ehemalige Mannschaftskapitän Roy Keane.

Die irische Mannschaft wurde am Mittwochnachmittag in Frankreich erwartet. Ihr Stammquartier bei der EM liegt nahe Paris. Vorrundengegner der Iren sind Schweden (13. Juni), Belgien (18.6.) und Italien (22.6.).

Polnische Spieler als TV-Köche

Auch in Kochjacken geben Torhüter Wojciech Szczesny und Mittelfeldspieler Grzegorz Krychowiak vom deutschen EM-Gruppengegner Polen eine gute Figur ab. Unter Anleitung ihres Mannschaftskochs Tomasz Leśniak, der sich schon seit 2006 um das leibliche Wohl der Fußballer kümmert, stellten sich die beiden Nationalspieler am Dienstagabend für eine Stippvisite an den Herd. In der Küche des noblen Hôtel Barrière L'Hermitage in La Baule an der Atlantikküste bereiteten sie Teigtaschen zu. Krychowiak half später auch beim Servieren mit.

Xhaka traut seiner Schweiz Großes zu

Mittelfeldspieler Granit Xhaka hat mit der Schweiz große Ziele. "Für mich ist das Viertelfinale das Minimum“, sagte der 23-Jährige im Interview der "Sportbild“. "In Frankreich wollen und können wir das Überraschungsteam der EM werden.“ Zum Auftakt trifft er mit der Schweiz am Sonnabend auf Albanien, für das sein Bruder Taulant spielt.

Nach der EM wechselt Xhaka von Borussia Mönchengladbach zum FC Arsenal. Vor allem Arsenals Trainer Arsene Wenger habe ihn von dem Wechsel überzeugt. "Er hat eine wahnsinnig ruhige, aber überzeugende Art. Es macht mich stolz, dass ich unter einem Trainer wie ihm arbeiten darf“, sagte er. Neben Albanien spielt die Schweiz in der Gruppe A noch gegen Gastgeber Frankreich und Rumänien.

Boateng will Familie nicht in Frankreich sehen

Jérôme Boateng verzichtet in Frankreich aus Sicherheitsbedenken auf die Unterstützung seiner Liebsten. "Meine Familie und meine Kinder werden nicht ins Stadion kommen", sagte Boateng der Sport Bild: "Das Risiko ist mir einfach zu groß."

Es sei "natürlich einerseits traurig, dass man sich mit solchen Themen auseinandersetzen muss. Andererseits sind zuletzt eben viele Dinge passiert, die einen nachdenklich machen", erläuterte der 27-Jährige: "Ich für meinen Teil will mich bei der EM allein auf Fußball konzentrieren können, und da fühle ich mich einfach wohler, wenn meine Familie nicht im Stadion sitzt."

Boateng stand am 13. November des vergangenen Jahres beim 0:2 in Frankreich eine Halbzeit auf dem Platz, als rund um das Stade de France Terroranschläge verübt wurden. In der Arena im Stadtteil Saint-Denis spielt Deutschland am 16. Juni gegen Polen, auch das Endspiel findet dort statt.

Landesbischof gibt Segen für EM-Gebete

Beten für den EM-Sieg ist nach Meinung des hannoverschen Landesbischofs Ralf Meister selbstverständlich erlaubt, hat aber auch Grenzen: "Wer für einen Muskelfaserriss des Gegners betet, liegt sicherlich falsch", sagte der evangelische Theologe dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dagegen ließen sich alle guten Wünsche in Gebete fassen.

Auch wenn Fußballbegeisterte vieler Nationen dabei für das gute Abschneiden ihrer Elf beteten, sei das kein Problem. "Gott kennt einander widersprechende Gebete und ist geübt, damit umzugehen", sagte Meister. Der Landesbischof wünscht sich, dass die EM zum Ausdruck eines friedlichen und fairen Miteinanders in Europa wird.

Spanier nach Test-Blamage nervös

Spaniens Nationaltrainer Vicente del Bosque hat nach der Testspiel-Pleite gegen Georgien um Geduld für den Titelverteidiger gebeten. "Wir haben ein außergewöhnliches Ziel, die Europameisterschaft. Dieses Ergebnis sollte uns nicht belasten“, sagte der 65-Jährige nach der überraschenden 0:1-Niederlage am Dienstagabend in Getafe gegen den 137. der Weltrangliste. "Höchste Alarmbereitschaft“, titelte hingegen das Sportblatt "Marca“.

Del Bosque räumte auch ein: "Uns haben Lösungen gefehlt, das ist das Beunruhigende. Sie haben uns keinen Platz gelassen.“ Tornike Okrischwili hatte den Außenseiter in der 40. Minute überraschend in Führung gebracht. "Georgien lässt Spanien verblassen“, schrieb die Tageszeitung "El Pais“.

Del Bosque kritisierte die Abschlussschwächen seiner Mannschaft, lobte aber Superstar Iniesta: "Mit Iniesta haben wir eine Linie gefunden und das Spiel besser verstanden“, sagte er. Der Regisseur war erst nach der Pause gekommen, Bayern-Profi Thiago durfte die ersten 45 Minuten ran und traf einmal den Pfosten. Ihre zahlreichen Chancen vor allem nach der Pause konnten die Iberer nicht nutzen.

Zuvor hatte der Ex-Weltmeister 3:1 gegen Bosnien-Herzegowina und 6:1 gegen Südkorea gewonnen. Spanien trifft am Montag in seinem ersten Gruppenspiel in Toulouse auf Tschechien. Weitere Gegner sind die Türkei und Kroatien. Das Team reist an diesem Mittwoch ins EM-Quartier nach Sainte-Marie-de-Ré.

Frankreichs Muslime wollen nicht fasten

Frankreichs muslimische Nationalspieler wollen während des Ramadan auf das Fasten verzichten. Darauf hätten sich die betroffenen Akteure, unter anderem Paul Pogba, N'Golo Kanté oder Bacary Sagna, mit den Verantwortlichen der Équipe Tricolore verständigt, berichtet die Sportzeitung "L'Équipe“.

Der Fastenmonat Ramadan hat am Montag (6. Juni) begonnen und endet am 5. Juli. Auf das Fasten verzichten wollen die betroffenen Spieler, solange Frankreich im Turnier vertreten ist. Das Finale findet am 10. Juli statt.

Viele Fans wollen Public Viewing meiden

Die Angst vor Terrorattacken wirkt sich auch auf die Partykultur der deutschen Fans aus. Knapp ein Drittel (30 Prozent) der an Fußball interessierten Erwachsenen wird aus Furcht vor Anschlägen öffentliche Plätze meiden und die Spiele nicht auf Großleinwänden verfolgen. Die Mehrheit (59 Prozent) will sich den Spaß am Public Viewing allerdings nicht verderben lassen, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov im Auftrag der dpa ergab. Elf Prozent der Befragten machten keine Angaben.

Del Piero vergleicht Italien mit Dänemark

Der frühere Weltklasse-Stürmer Alessandro Del Piero traut Italien eine Titel-Überraschung zu. "Die Mannschaft ist in idealer Verfassung: Sie sind kein Favorit, aber es ist eine stabile Gruppe mit klaren Ideen“, sagte der frühere Nationalspieler italienischen Medienberichten vom Mittwoch zufolge bei einer Ausstellungseröffnung in Italien.

"Das Wichtigste ist, dass alle an einem Strang ziehen. Alles ist möglich, erst recht bei einer EM, das haben Dänemark und Griechenland gezeigt“, sagte der 91-malige Nationalspieler mit Blick auf die Überraschungssieger der Europameisterschaften 1992 und 2004. "Wenn man gemeinsam gegen die anderen Teams kämpft, kann man alles schaffen.“ Italiens Nationalelf trifft bei der EM in der schweren Gruppe E auf Mitfavorit Belgien, Schweden und Irland.

Cathy Hummels lobt Löws Großzügigkeit

Mats Hummels' Ehefrau Cathy wird zur EM ein Apartment in Paris beziehen. Mit ihrem Mann halte sie via Skype Kontakt und reise zu jedem Spiel, sagte die 28-Jährige dem Magazin "Gala" (aktuelle Ausgabe): "Das Schönste ist, dass Jogi Löw sehr großzügig ist und die Spieler nach einem Sieg ihre Frauen sehen lässt." Über den Dresscode für Spielerfrauen auf den Rängen sagte sie: "High Heels kombiniert mit Minirock und tiefem Dekolleté, (also) zu viel Haut im Stadion ist ein No-Go."

Deutschlands EM-Quartier:

Boateng als Nachbar wünschenswert

Bei den Deutschen ist Jérôme Boateng als Nachbar sehr begehrt. Im Wahltrend von "Stern" und RTL gaben 94 Prozent an, sie hätten keinerlei Probleme mit ihm als Nachbarn. In Ostdeutschland sind es sogar 97 Prozent, wie am Mittwoch in Hamburg mitgeteilt wurde. Selbst 88 Prozent der AfD-Wähler würden ihn als Nachbarn akzeptieren. Lediglich drei Prozent der Deutschen lehnen ihn ab. Hintergrund ist die umstrittene Äußerung von AfD-Vize Alexander Gauland über den deutschen Nationalspieler, "die Leute" fänden ihn als Fußballspieler gut, aber sie wollten "einen Boateng" nicht als Nachbarn.

Dass Gaulands Äußerung von AfD-Anhängern nicht gebilligt wird, zeigt sich auch im "stern"-Wahltrend. Anfang vergangener Woche nach Gaulands Äußerung sackte der AfD-Wert von zehn auf sieben Prozent ab und stieg dann am Ende wieder auf elf Prozent. Das Forsa-Institut hatte am 2. und 3. Juni im Auftrag des "stern" 1.008 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger befragt.

Frankreich bietet Terror-Warn-App an

Aufgrund der Terrorgefahr während der EM bietet die französische Regierung ab Mittwoch eine App für Smartphones an, die sofort über Anschläge berichtet und davor warnt. "Alerte attentat" (Attentat-Alarm) wird in englischer und französischer Sprache erhältlich sein, per GPS-Ortung auf dem Handy soll die App über mögliche Gefahren in der direkten Umgebung informieren.

Deschamps will nichts von der Zukunft wissen

Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps will sich jetzt keine Gedanken über seine Zeit nach der EM machen. Er hat die Équipe tricolore im Sommer 2012 übernommen, sein aktueller Vertrag ist gültig bis zur WM 2018 in Russland. "Als ich die Mannschaft auf die WM 2014 vorbereitet habe, habe ich nicht an die Euro gedacht. Jetzt bin ich bei der Euro. Man wird sehen, was passiert. Danach gibt es eine Analyse“, sagte der 47-Jährige in einem Interview der Sportzeitung "L'Équipe“.

Verbandschef Noël Le Graët bezeichnete Deschamps in einem Interview des Senders RMC als "idealen Trainer“ und lobte dessen Pragmatismus. "Wenn er etwas sagt, dann ist das so.“ Dass Deschamps den Posten habe, sei nicht schlecht für Frankreich.

In seiner bisherigen Bilanz als Nationalcoach kann Deschamps in 47 Spielen 28 Siege vorweisen. Davon allein neun in den vergangenen zehn Partien. Achtmal spielte sein Team unentschieden, elf Niederlagen kassierte der ehemalige Welt- und Europameister-Kapitän (103 Länderspiele) mit den Franzosen. An diesem Freitag steht für ihn und seine Mannschaft der EM-Eröffnungsspiel in Saint-Denis gegen Rumänien ab. Weitere Gruppengegner des Mitfavoriten sind Albanien und die Schweiz.

Möller will mit Ungarn Platz drei

Ex-Nationalspieler Andreas Möller traut Deutschland den Titel zu. "Absolut. Die Qualität ist definitiv vorhanden“, sagte Möller im dpa-Interview. "Die individuelle Klasse ist beeindruckend, jetzt müssen sie diese nur noch im Laufe des Turniers abrufen.“ Außerdem hat Möller noch Gastgeber Frankreich, Spanien und Italien auf der Rechnung. "Aber auch Kroatien, Portugal und Belgien haben starke Mannschaften. Einer aus dem Trio könnte für eine Überraschung sorgen“, sagte Möller.

Der Europameister von 1996 ist in Frankreich als Assistenz-Trainer von Ungarn dabei. Die Magyaren haben sich erstmals seit 44 Jahren wieder für eine EM qualifiziert und sind der große Außenseiter. "Wichtig ist, dass wir uns gut präsentieren und unser Land gut vertreten. Wir müssen als Einheit auftreten, dann können wir für viele Teams ein unbequemer Gegner sein“, sagte Möller.

Die Ungarn treffen in ihrer Gruppe auf Portugal, Österreich und Island. Für Möller sind die Rollen klar verteilt. "Portugal und Österreich sind die klaren Favoriten“, sagte Möller. "Für uns wird es mit Island um Platz drei gehen.“ Vier der sechs Gruppendritten schaffen den Sprung ins Achtelfinale.

Boom bei EM-Wetten

Die EM wird den Boom bei Sportwetten in Deutschland nach Einschätzung der Beratungsfirma Goldmedia zusätzlich antreiben. Die Wetteinsätze dürften in diesem Jahr auf etwa 5,1 Milliarden Euro steigen, wie aus einer aktuellen Untersuchung zum Glücksspielmarkt Deutschland hervorgeht. "Wir gehen davon aus, dass die deutschen Sportwettenanbieter allein durch die EM 2016 zusätzliche Wetteinsätze in Höhe von rund 150 Millionen Euro generieren“, sagte Goldmedia-Geschäftsführer Klaus Goldhammer.

Der Sportwettenmarkt zeige sich damit unbeeindruckt von der gescheiterten Konzessionsvergabe an Sportwettenanbieter. Hintergrund ist, dass keiner der privaten Sportwettenanbieter bisher eine offizielle bundesweite Lizenz für Deutschland erhalten hat.

Ungar Kassai pfeift Eröffnungsspiel

Der erfahrene ungarische Schiedsrichter Viktor Kassai leitet das Eröffnungsspiel am Freitag (21 Uhr/ZDF) zwischen Frankreich und Rumänien. Der 40-Jährige war zuletzt als Vierter Offizieller beim Champions-League-Finale zwischen Real Madrid und Atlético Madrid im Einsatz. Kassai wird im Stade de France von seinen Assistenten György Ring und Vencel Tóth unterstützt. Tamás Bognar und Ádám Farkas sind die Torrichter, Vierter Offizieller ist Björn Kuipers aus den Niederlanden.