Gegen Neapel

Wolfsburg angelt sich den dicksten Euro-League-Fisch

Reisen selbstbewusst weiter durch Italien: Die Wolfsburger Profis nach dem Sieg im San Siro

Reisen selbstbewusst weiter durch Italien: Die Wolfsburger Profis nach dem Sieg im San Siro

Foto: Marco Luzzani/Getty Images

Bundesligist bekommt es im Viertelfinale mit dem nächsten italienischen Großverein zu tun. Doch bange vor Napoli ist beim VfL niemandem.

Mailand. Inter Mailand zweimal geschlagen, die internationale Reifeprüfung bestanden - nun kann der nächste Hochkaräter aus Italien kommen: Beim VfL Wolfsburg blickt man nach dem 2:1 (1:0) im Hexenkessel von San Siro voller Vorfreude auf das Viertelfinale in der Europa League gegen den SSC Neapel. Der zweimalige italienische Meister wurde dem einzig im Wettbewerb verbliebenen Fußball-Bundesligisten am Freitag in Nyon zugelost.

Nach den souveränen Achtelfinal-Auftritten gegen Inter dürfte Wolfsburg dem Ex-Klub von Diego Maradona mindestens auf Augenhöhe begegnen, der Traum vom ersten Europacup-Triumph nimmt immer mehr Gestalt an. Man habe bewiesen, "dass wir uns vor keiner Mannschaft in diesem Wettbewerb mehr verstecken müssen", sagte Keeper Diego Benaglio nach dem zweiten Viertelfinal-Einzug in der Klubgeschichte nach 2010. Die Spiele finden am 16. April in Wolfsburg und 23. April in Neapel statt.

Benaglio sieht gute Chancen aufs Halbfinale

Schlussmann Benaglio war wieder der Turm in der Schlacht und hielt sein Team mit mehreren Großtaten auf Kurs. Nur beim Tor von Vize-Weltmeister Rodrigo Palacio (71.) war der Schweizer machtlos. "Unsere Chancen stehen nicht schlecht, eine Runde weiter zu kommen", sagte der Torhüter selbstbewusst.

Das sah Trainer Dieter Hecking ähnlich. "Zwei Siege gegen Inter - viele unserer Spieler wird das in ihrer Entwicklung weiter nach vorne bringen", sagte der 50-Jährige, der sich auch die Frage nach dem Finale am 27. Mai in Warschau nicht mehr verbat. "Ich glaube, es sind noch sehr gute Mannschaften dabei. Das sind oft Gegner, die ein gutes Niveau haben. Doch diese Gegner wissen auch, dass wir ein gutes Niveau haben."

Besonders erfreut war Hecking, dass die Spieler seinen Matchplan eins zu eins umgesetzt hatten. Während sich der 18-malige italienische Meister abseits des modernen Fußballs ohne Pressing und schnellem Umschalten präsentierte, zeigten die Grün-Weißen ihre gewohnten Stärken. "Wir haben das Tempo hoch gehalten und gleichzeitig Nadelstiche gesetzt. Das war der Schlüssel zum Erfolg", so Hecking.

Caligiuri versammelt Familie im Stadion

Für Halb-Italiener Daniel Caligiuri wurde mit dem Auftritt im Giuseppe-Meazza-Stadion ein Traum wahr. Mit seinem Treffer zum 1:0 (24.) stieß der Mittelfeldspieler das Tor zum Viertelfinale weit auf. Der 27-Jährige ist Mailand-Fan, allerdings von Stadtrivale Milan. Dennoch besorgte er den meisten seiner Familien-Mitgliedern Tickets. Nur einer fehlte. "Mein Vater hat das Spiel auf einem Schiff in der Karibik verfolgt. Er hat für mich gejubelt", berichtete Caligiuri.

Nicht ganz so genial trat dieses Mal Kevin de Bruyne in Erscheinung, auch wenn der Belgier das 1:0 vorbereitete. Der Rotschopf ließ auch mal die Schultern hängen, wenn seine Mitspieler wie Bas Dost in der ersten Halbzeit seine Vorarbeit nicht vollendeten.

Dennoch reichte es am Ende dank Nicklas Bendtner (89.) zum Sieg, auch ohne Andre Schürrle. Der Weltmeister saß wegen fehlender Form 90 Minuten auf der Bank. Auch das kann sich Wolfsburg derzeit erlauben - sogar in San Siro. (sid)