Klopp hat nach dem Absturz auf Platz 18 das „Paradies“ vor Augen

Leverkusen. Keine einzige klare Torchance, die schlechteste Passquote seit Start der Datenerfassung und der erneute Absturz auf den letzten Platz der Liga: Trotz dieser alarmierenden Fakten gab es beim kriselnden Vizemeister Borussia Dortmund nach dem 0:0 zum Rückrundenauftakt bei Bayer Leverkusen weder Panikattacken noch Angstschweiß auf der Stirn. Stattdessen feierten Trainer Jürgen Klopp und seine Profis den Punkt beim Champions-League-Aspiranten wie einen Befreiungsschlag.

„Ich bin sehr zufrieden. Wir haben einen richtig guten ersten Schritt in die Rückrunde gemacht“, sagte Klopp, der im Überlebenskampf der Bundesliga andere Maßstäbe ansetzt als normal: „Man kann nicht von Abstiegskampf reden und Champagner-Fußball fordern.“ Und Mittelfeldspieler Nuri Sahin sagte: „Wir haben ja nicht bei einer Kirmestruppe gespielt, sondern bei einem Champions-League-Achtelfinalisten. Von daher können wir zufrieden sein.“

Sahin ist ebenso wie sein Coach fest davon überzeugt, dass der 16. Punkt in dieser Saison und das erste Auswärtsspiel ohne Gegentor bei den Westfalen die Wende zum Besseren bringt. „Wichtig ist, dass wir den Abstand zum rettenden Ufer verkürzt haben. Wir haben zwei Punkte Rückstand zu der Region, die ich als Paradies bezeichnen würde. Wir sind auf Schlagdistanz, und nur das zählt für mich“, so Klopp, der mit Blick auf das Heimspiel am Mittwoch gegen den FC Augsburg deutlich machte: „Wir werden Druck machen auf alle, die vor uns sind. Nun müssen wir gegen Augsburg nachlegen.“

Die desaströse Passquote von nur 43,8 Prozent konnte Klopp die gute Laune nicht verderben. „Mit 45 Prozent hätten wir wahrscheinlich gewonnen. Dieser Wert interessiert mich nach so einem Spiel nicht“, kommentierte er spröde diese Statistik, die für ihn keine Aussagekraft hat: „Wir befinden uns im Abstiegskampf, deshalb haben wir nicht die Perfektion angestrebt, sondern die Stabilität.“

Und diese Stabilität herrschte vor allem in der Dortmunder Abwehr, in der Weltmeister Mats Hummels nicht nur wegen seiner Rettungstat auf der Linie nach einem Schuss von Gonzalo Castro (38.) nahezu wieder die alte Sicherheit ausstrahlte. Positiv stimmte Klopp aber auch das ordentliche Debüt von Wintereinkauf Kevin Kampl, 24, der für rund neun Millionen Euro von RB Salzburg nach Dortmund kam. „Gut, sehr gut. Für das erste Bundesligaspiel war das beeindruckend. Kevin war selbstbewusst, gallig und fußballerisch gut“, lobte der Coach den Slowenen.

Ebenso wie Klopp konnte auch dessen Kollege Roger Schmidt mit dem Ergebnis anscheinend gut leben, obwohl die Werkself nach dem sechsten Heim-Remis in dieser Spielzeit aus den Champions-League-Rängen fiel. „Wir haben heute gezeigt, dass wir in einem guten Zustand sind. Wir haben gegen einen starken BVB gespielt, der sich viel vorgenommen hatte, deshalb geht das Unentschieden insgesamt in Ordnung“, sagte Schmidt, der am Mittwoch bei Hertha BSC in Berlin aber wieder einen Dreier anstrebt: „Das ist unser Ziel.“