Nachspiel

Die Gefahr der Bayern-Dominanz

Ein Kommentar von Peter Wenig

Wird es wieder der März wie in der vergangenen Saison? Angesichts der Dominanz der Münchner scheint auch in dieser Spielzeit die Frage des Zeitpunkts noch die spannendste im Titelkampf. Wobei von einem echten Kampf bereits in den vergangenen beiden Jahren, als die Bayern die Konkurrenz mit 19 und 25 Punkten Vorsprung düpierten, keine Rede mehr sein konnte. Schon da brauchte Rivale Dortmund eher ein Teleskop als das von Uli Hoeneß eingeforderte Fernglas zur Beobachtung des Konkurrenten.

Jetzt kriselt der westfälische Rivale im Tabellenkeller. Meistertrainer Jürgen Klopp wirkte nach dem 1:2 in München angeknockt wie noch nie in seiner Dortmunder Ära, Vorstandschef Hans-Joachim Watzke wütete gegen seinen Bayern-Kollegen Karl-Heinz Rummenigge. Und in der Tat ist das Münchner Werben um das Dortmunder Juwel Marco Reus inklusive Ausplaudern von Vertragsdetails alles andere als die feine bajuwarische Art.

Vieles spricht dafür, dass Reus 2015 den Münchner Weg gehen wird wie zuvor Götze und Lewandowski. Wer bei diesen Transfers das Hauptmotiv der Bayern darin sieht, den Konkurrenten zu zerstören, denkt dennoch falsch. Vielmehr weiß Trainer Pep Guardiola, dass die biologische Uhr seiner Kreativspieler Robben, 30, und Ribéry, 31, tickt. Würde er sich mit einem Spieler wie Reus, 25, der an guten Tagen ein Spiel fast allein entscheiden kann, nicht beschäftigen, er hätte seinen Job verfehlt.

Zugegeben, statt Dortmund sind jetzt Mönchengladbach und Wolfsburg noch in Schlagdistanz. Dauerhaft werden aber auch sie den Bayern nicht Paroli bieten können, zu groß ist die wirtschaftliche Kluft. Die Münchner haben die Umsatzmarke von einer halben Milliarde Euro längst übersprungen, die Dominanz scheint auf absehbare Zeit zementiert. Vor Jahren befürchteten noch viele in der Bundesliga spanische Verhältnisse mit den Giganten FC Barcelona und Real Madrid. Heute wären die meisten froh, würden in der Bundesliga zumindest zwei Clubs um die Schale kämpfen.