Nach Bayern gegen Dortmund

Diagnose steht: Hummels fehlt dem BVB drei Wochen

| Lesedauer: 10 Minuten

Dortmunder Kapitän Hummels erlitt gegen München eine Bänderdehnung im rechten Fuß. Lewandowski spricht über seinen Ausgleichstreffer. Lesen Sie hier alles zum Top-Spiel der Fußball-Bundesliga zwischen dem FC Bayern München und dem BVB.

München. Nach diesem Spiel dürfte einer der Lieblingstermini des Fußballjournalismus Hochkonjunktur haben: Ausgerechnet! Auf das Mehr-oder-Weniger-Topspiel der Fußball-Bundesliga zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund am Sonnabendabend (2:1) kann dieses Attribut mindestens dreifach angewendet werden. Denn nachdem ausgerechnet der recht unverblümt von dem Münchenern umworbene Nationalspieler Marco Reus den heftig kriselnden BVB in der 31. Minute in Führung gebracht hatte, glich ausgerechnet der Ex-Borusse Robert Lewandowski in der zweiten Halbzeit aus (72. Minute), bevor schließlich Arjen Robben das Spiel mit einem verwandelten Foulelfmeter kurz vor Ende (86. Minute) endgültig zu Gunsten des deutschen Rekordmeisters drehen sollte. Ausgerechnet Robben! Ausgerechnet per Elfmeter! Zur Erinnerung: In der Endphase der Saison 2011/12 hatte ein vergebener Elfmeter des Niederländers bei der Niederlage in Dortmund (0:1) quasi die spätere Meisterschaft der Westfalen besiegelt.

Nun sind also die Bayern wieder obenauf, und wie: Nach dem Sieg im direkten Duell führt das Team von Startrainer Pep Guardiola die Bundesliga-Tabelle nach dem 10. Spieltag weiter souverän an, vor allem vor dem Erzrivalen aus dem Pott. Denn auf die Dortmunder, die in der Allianz-Arena ihre fünfte Niederlage in Folge kassierten, haben die Bayern bereits sage und schreibe 17 Punkte Vorsprung. Entsprechend trübe sind die Aussichten für die Borussia, bei der Trainer Jürgen Klopp trotz des Abrutschens auf Relegationsrang 16 Positives aus der Partie ziehen will. Was genau und vieles weitere Wissenswerte zur Top-Begegnung Bayern gegen Dortmund lesen Sie im Abendblatt.de-Newsticker:

+++ Hummels muss drei Wochen aussetzen +++

13.18 Uhr: Nun ist es gewiss: Borussia Dortmund muss drei Wochen auf Mats Hummels verzichten. Wie der Bundesligist am Sonntag mitteilte, hat sich der Mannschaftskapitän im Bayernspiel eine Bänderdehnung im rechten Fuß zugezogen. Ursprünglich waren ein knöcherner Bandausriss und eine längere Zwangspause befürchtet worden. Hummels wird seinem Team gegen Galatasaray Istanbul am Dienstag und Borussia Mönchengladbach am Sonntag fehlen. Zudem verpasst er mit dem Nationalteam das EM-Qualifikationsspiel gegen Gibraltar am 14. November und die Partie in Spanien vier Tage später.

+++ Reus klopfte demonstrativ aufs Wappen +++

11.41 Uhr: Selbst aus der Niederlage könne Dortmund Positives mitnehmen, meinte Borussias Sportdirektor Michael Zorc. Die erste Halbzeit oder den Auftritt von Marco Reus. Der Nationalspieler klopfte sich nach seinem Tor demonstrativ auf das BVB-Wappen auf seiner Brust. Ein Treuebekenntnis? Reus wollte sich weder dazu noch zum Spiel äußern und ließ sich von Scoutingchef Sven Mislintat aus der Arena geleiten. „Wir haben da schon so viel drüber gesagt, es ist nur noch nervig“, meinte Zorc zum Thema Reus, und schlurfte geknickt hinterher.

+++ Müller riet Guardiola zu Schützen Robben +++

11.10 Uhr: Nach dem Elfmeterpfiff erschrak Pep Guardiola kurz, der etatmäßige Schütze Thomas Müller war nicht mehr auf dem Platz. Der Trainer von Fußball-Rekordmeister Bayern München drehte sich zur Bank und Müller signalisierte ihm deutlich, dass die Wahl nur auf Arjen Robben fallen dürfe. „Arjen“, sagte er seinem Coach erkennbar, und Guardiola gab dem Niederländer ein lautstarkes Zeichen.

Der Superstar verwandelte zum entscheidenden 2:1 und wurde wieder einmal zur Schlüsselfigur im Duell der beiden Dauerrivalen. Sein Tor in der 85. Minute weckte auch Erinnerungen an die Nacht von Wembley im Mai 2013, als Robben sich im rein deutschen Champions-League-Finale für alle Bayern-Fans unsterblich machte. „Es ist immer schön, so ein wichtiges Tor zu machen“, sagte der 30-Jährige, und seine Freude war ihm anzusehen.

Es war sein nunmehr sechster Treffer in den letzten sechsten Spielen gegen den BVB. Sieben Torschüsse standen für Robben zu Buche, der Flügelstürmer war trotz der muskulär bedingten kurzen Zwangspause im Vorfeld ein ständiger Gefahrenherd.

Und dabei hatte Robben einst eine verheerende Beziehung zu Spielen gegen Dortmund. Erinnert sei an seinen Elfmeter-Fehlschuss vor zweieinhalb Jahren. Damals wurde ein riesiger Eimer Häme über ihm ausgeschüttet. Aber das ist längst vergessen. „Ich war ganz überzeugt“, sagte Robben über seine Gefühle auf dem Weg zum Punkt.

Häme für den BVB hatte er im Übrigen nicht übrig, fast freundschaftlich tauschte er sich nach dem Ende mit dem überragenden Roman Weidenfeller aus. „Der Respekt voreinander gehört dazu“, sagte Robben. Das war allerdings nicht immer so.

+++ Rauball: Noch keine Entscheidung bei Reus gefallen +++

10.46 Uhr: Dortmunds Präsident Reinhard Rauball gibt sich angesichts der Spekulationen um einen möglichen Wechsel von Marco Reus zu Bayern München gelassen. „Meiner persönlichen Meinung nach ist da noch keine Entscheidung gefallen“, sagte Rauball im ZDF-„Sportstudio“. Spekulationen überlasse er anderen, betonte der Vereinschef und lobte den Nationalspieler, der die 1:0-Führung erzielt hatte. „Marco Reus setzt sich so ein, wie sich ein Spieler bei Borussia Dortmund für den Verein einsetzen muss.“

Der 25-Jährige steht beim Revierclub noch bis Ende Juni 2017 unter Vertrag. Zuletzt hatte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge erklärt, dass man intern über Reus diskutiere: „Am Ende des Tages muss der Spieler das ja auch entscheiden. Die Klausel ist bekannt, mehr möchte ich dazu gar nicht sagen.“ Durch eine Ausstiegsklausel könnte Reus vorzeitig den Verein verlassen.

+++ Lewandowski widmete das Tor seinem Vater +++

9.48 Uhr: Nach der Partie erklärte Robertt Lewandowski seinen Ausgleichtreffer: „Ich habe nicht groß gejubelt. Es war ein großer Tag für mich“, sagte der polnische Stürmer bei „Sky“. Das Tor habe er seinem Vater gewidmet. Für seinen alten Arbeitgegner hatte Lewandowski dann auch noch ein paar nette Worte übrig. „Dortmund ist eine Mannschaft, die immer um die ersten drei Plätze kämpfen muss. Ich bin sicher, dass sie in der nächsten Saison wieder in der Champions League spielen“, sagte der 26-Jährige.

+++ Kehl: Tabelle macht uns alle unzufrieden +++

9.41 Uhr: Auch Dortmunds Mittelfeldmann Sebastian Kehl äußerte sich zur Situation bei der Borussia: „Wir haben viel investiert, dafür am Ende nichts bekommen. Dementsprechend sind wir sehr enttäuscht. Unter dem Strich steht eine Tabellensituation, die uns alle sehr unzufrieden macht. Hier werden noch andere Mannschaften verlieren und nicht nach einem Kopfproblem befragt. Wir haben in anderen Spielen die Punkte liegen gelassen.“

+++ Klopp sieht „viele Baustellen“ +++

9.36 Uhr: Bei „Sky“ nahm Jürgen Klopp nach der Niederlage auch noch einmal Stellung zur aktuellen Krise des deutschen Vizemeisters: „Es ist alles andere als gut, was gerade passiert. Wir haben viele Baustellen und viele Spiele selbstverschuldet verloren. Wir haben eine tolle erste Hälfte gespielt. Wir müssen aber darüber reden, dass wir die Marschroute nicht verändern dürfen. Das ist natürlich beschissen. Selbstvertrauen kann man sich aber zurückholen, das ist ja das Coole daran.“

+++ Klopp: Bei Hummels sieht es nicht gut aus +++

9.27 Uhr: Borussia Dortmund muss einen längeren Ausfall von Nationalspieler Mats Hummels befürchten. Der Mannschaftskapitän hat sich nach Aussage von Trainer Jürgen Klopp eine Fußverletzung zugezogen. Art und Schwere der Blessur sind noch unklar, doch der BVB-Coach sagte, „es sieht nicht so gut aus.“

Hummels hatte die Verletzung in der ersten Halbzeit erlitten und war nach der Pause dann durch Neven Subotic ersetzt worden. „Mats ist in der Kabine mit einem Verband an mir vorbeigehumpelt. Er hat gesagt, dass er hochgesprungen ist und dann nach dem Aufkommen gleich große Schmerzen hatte. Mehr weiß ich auch noch nicht“, berichtete Klopp. Es solle sich um eine Verletzung handeln, die Hummels schon früher einmal gehabt habe.

+++ Das sind die Trainerstimmen +++

9.05 Uhr: Pep Guardiola (Trainer Bayern München): „Franck Ribéry hat uns nach seiner Einwechslung sehr geholfen. Er sollte bei Subotic spielen und seine Stärken im Eins-zu-eins-Spiel zeigen. Wir haben in der ersten Halbzeit auch Lösungen dafür gefunden, dass Xabi Alonso gedeckt wurde, und ich meine, dass wir für solche Situationen immer Lösungen finden werden.“

Jürgen Klopp (Trainer Borussia Dortmund): „Es ist zwar hart, weil wir viel investiert, die beste erste Halbzeit seit langem gespielt und trotzdem nichts bekommen haben. Daran haben wir zu knabbern, auch wenn der Druck irgendwann zu groß wurde und die Niederlage nicht unverdient war. Unsere Lage ist momentan alles andere als gut, wir haben viele Baustellen. Wir müssen uns einfach auch einmal wieder belohnen, denn dass wir gut spielen können, haben wir wieder gezeigt.“

Statistik

München: Neuer - Benatia, Jerome Boateng, Alaba - Lahm, Alonso - Robben, Götze (70. Ribery), Bernat - Thomas Müller (81. Pizarro), Lewandowski (88. Rode). - Trainer: Guardiola

Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Sokratis, Hummels (46. Subotic), Durm - Kehl - Sven Bender, Mchitarjan - Kagawa (71. Großkreutz) - Aubameyang (81. Ramos), Reus. - Trainer: Klopp

Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)

Tore: 0:1 Reus (31.), 1:1 Lewandowski (72.), 2:1 Robben (85., Foulelfmeter)

Zuschauer: 71.000 (ausverkauft)

Gelbe Karten: Alonso (2) - Piszczek, Subotic (4)

Erweiterte Statistik (Quelle: deltatre):

Torschüsse: 25:10

Ecken: 9:2

Ballbesitz: 60:40 %

( (HA/sid/dpa) )

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