Bundesliga-Kolumne

Das Spray ist endlich da – und Robin Dutt immer noch

Negativrekord. 90 Minuten plus Nachspielzeit, kein Torschuss. Null Komma null. Nichts. Manuel Neuer hätte seine Zeit am Sonnabendnachmittag auch anders verbringen können, als sich in der Münchner Arena im Tor des FC Bayerm beschäftigungslos zu langweilen. Der Tabellenletzte Werder Bremen jedenfalls hat bei der 0:6-Niederlage einen neuen Negativrekord aufgestellt. Seit die Daten erfasst werden (Saison 1993/94) hat noch nie eine Mannschaft eine komplette Partie absolviert, ohne auch nur einmal das eigentliche Spielziel zu attackieren. Angesichts dieser Blamage und Platz 18 in der Tabelle wächst nun sogar in Bremen der Druck auf den Trainer. „Wir werden alle an Ergebnissen gemessen, das weiß auch Robin Dutt“, sagte Sportdirektor Thomas Eichin bei Sport1. Eine Job-Garantie für Dutt über das kommende Heimspiel gegen den 1. FC Köln hinaus wollte Eichin nicht abgeben. „Ich diskutiere nicht über die Trainer“, sagte der frühere Bundesliga-Profi. „Wir müssen aber aufpassen, dass die anderen Vereine nicht mit dem Schnellboot am Tanker Werder vorbeirauschen.“

Premiere. Als der historische Moment gekommen war, ging ein Raunen durch die Münchner Arena. Es war 15.48 Uhr am Sonnabendnachmittag, und in Person von Bastian Dankert aus Rostock griff beim Spiel Bayern München gegen Werder Bremen erstmals in der Bundesliga-Geschichte ein Schiedsrichter zur Dose. „Ohhhhhhhh“, riefen die Fans, als stimmten sie sich auf eine Ecke ein. Und dann, als Dankert das Freistoßspray vor der Bremer Mauer wirklich auf den Rasen sprühte: „Heyyyyyy!“ Der folgende Freistoß brachte übrigens nichts ein. Aber das war Nebensache. Das Spray ist da – endlich!

Jokerglück. Das nennt man wohl ein „goldenes Händchen“: Nachdem Alex Meier (57.) Eintracht Frankfurt beim SC Paderborn mit 1:0 in Führung gebracht hatte, wechselte SCP-Trainer André Breitenreiter gleichzeitig Marvin Duksch und Stefan Kutschke ein. Und die beiden Joker drehten mit ihren Treffern in der 66. und 85. Minute tatsächlich die Partie, die Kapitän Uwe Hünemeier (79.) endgültig entschied. „Das ist natürlich ein richtig geiles Gefühl“, sagte Kutschke und ergänzte: „Ich danke dem Trainer, dass er mich reingebracht hat. Wir spielen richtig mit Leidenschaft. Jeder Punkt hilft, das sind Punkte für den Klassenerhalt.“ Das ist Realismus, die schöne Momentaufnahme aber zeigt Platz sieben. „Oh, wie ist das schön“ hallte es durch das nur 15.000 Zuschauer fassende Stadion und „So ein Tag, so wunderschön wie heute“. Das kleine Paderborn genießt seine großen Bundesliga-Momente.

Einbruch. Roger Schmidt verstand am Sonnabendabend die Welt nicht mehr. „Man hat gesehen, wie brutal Fußball sein kann“, meinte der Trainer von Bayer Leverkusen entgeistert: Eine 3:0-Führung mit zwei Toren von Heung Min Son hatte seiner Mannschaft beim VfB Stuttgart nicht zum Sieg gereicht. 3:3 lautete das Endergebnis. „Keine Ahnung, was es war“, meinte Karim Bellarabi und fand „es brutal ärgerlich“. Möglicherweise hatte Leverkusen angesichts seiner erdrückenden Dominanz und des bevorstehenden Gruppenspiels in der Champions League gegen St. Petersburg (Mittwoch) zu früh einen Gang zurückgeschaltet. Nicht mal VfB-Coach Armin Veh fand stichhaltige Argumente für den Einbruch des Gegners und das Comeback seiner längst angeknockten Kicker in der zweiten Hälfte. „In der ersten Halbzeit waren wir nicht bundesligatauglich“, urteilte Veh.

Straftäter. Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski hat die Ausschreitungen nach dem Bundesliga-Spiel zwischen dem FC Schalke 04 und Hertha BSC scharf verurteilt. Nach der Partie am Sonnabend, die Schalke mit 2:0 gewonnen hatte, waren zwölf Polizisten verletzt worden. Das gelungene Debüt des neuen Schalke-Trainers Roberto Di Matteo geriet dadurch in den Hintergrund. Anhänger des Revierclubs hatten zunächst am Hauptbahnhof randaliert und die Beamten mit Böllern und Flaschen beworfen. „Wir haben es hier mit kriminellen Gewaltstraftätern zu tun. Ich erwarte den unbedingten Willen von allen Beteiligten, gegen diese Straftäter vorzugehen“, sagte Baranowski. Auch zwischen rivalisierenden Fan-Gruppen war es zu wilden Prügeleien gekommen. Dabei wurden nach Polizeiangaben auch Geschäfte, Lokale, Inventar des Bahnhofs und Polizeiautos beschädigt. Drei Beamte mussten im Krankenhaus behandelt werden.