Wenn die großen Stadien nur noch „weiße Elefanten“ sind

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Sechs der zwölf WM-Städte haben keinen Erstligaclub

Rio de Janeiro. Am Mittwoch wird der Ceará SC wahrscheinlich mal mehr als 5000 Zuschauer begrüßen können. Es kommt schließlich der Joinville EC, der erste Verfolger des Tabellenführers in der Serie B. Ein Hexenkessel wird das Stadion Castelão in Fortaleza dadurch noch lange nicht. Denn es hat mehr als 64.165 Plätze.

Diese überdimensionale Schüssel wird die Rufe der wenigen Tausend Fans regelrecht verschlucken. Und so mancher Zuschauer wird voller Sehnsucht an den Rausch denken, den er noch elf Tage zuvor erlebt hat. Da zog nämlich die brasilianische Mannschaft in dieser Arena durch ein 2:1 gegen Kolumbien ins WM-Halbfinale gegen Deutschland ein. Und das Castelão zitterte in seinen Grundfesten.

Es war der letzte Tag, an dem die brasilianische Fußballwelt noch in Ordnung war. Doch nicht nur deshalb wird die Rückkehr in den Alltag schwierig werden. Denn das Schlimmste von allem ist: In Fortaleza haben sie noch ein Luxusproblem. Die Stadt hat 2,4 Millionen Einwohner, der Club steht auf dem Sprung in die erste Liga, und mit ihrem Stadion können sie wenigstens irgendwie etwas anfangen. Auch ohne Fußball. Es beinhaltet schließlich Restaurants, Kinos und ein Hotel.

Noch härter wird die Diskrepanz in anderen Städten zu spüren sein. Insgesamt sechs der zwölf WM-Stadien werden keinen Erstligisten beheimaten. Die Arenen in Manaus, Cuiaba und sogar in der künstlich aufgebauten Hauptstadt Brasília haben noch nicht einmal einen Zweitligaclub. Dabei haben alleine diese drei Stadien Baukosten von fast einer Milliarde Euro verschlungen – offiziellen Angaben zufolge.

Und selbst die Erste Liga liegt am Boden. Korruption, hohe Eintrittspreise und die Tatsache, dass nahezu jeder halbwegs begabte Kicker mit dem Erreichen der Volljährigkeit mit 18 Jahren nach Europa wechselt, haben das Interesse spürbar erkalten lassen. „Es ist klar, dass mindestens vier der zwölf WM-Stadien zu weißen Elefanten werden“, sagt Lutz Pfannenstiel, der die vier nach der Vorrunde „ausgeschiedenen“ Städte in seiner Funktion als ZDF-Experte besucht hat: „In Natal haben sie ein Weltklassestadion, das droht, künftig nur zu einem Zehntel gefüllt zu sein. Und in Manaus wundern sich die Indianer, was sie mit diesem Riesenstadion anfangen sollen.“

( (HA) )

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