Medien-Kritik

Von wegen supermodern: So schnell ist das Internet gar nicht

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Das Internet gilt ja gemeinhin als das schnelle Medium – eben geschehen, gleich schon Meldung mit Bildergalerie, weiterführendem Link und Abstimmungs-Tool. Im Vergleich der Livesysteme ist das Streaming, wie Übertragungen im Netz heißen, allerdings eher die Schnecke unter den Medien. 90 Sekunden kann die Verzögerung dauern, bis das Tor, die Rote Karte oder der zehnte Querpass auf dem Tablet oder dem Smartphone zu sehen ist. Und so kann es passieren, dass in der eigenen Wohung die Gefühle erst dann zum Höhenflug ansetzen, wenn sich der Nachbar vom Jubel schon wieder erholt hat und auf dem Weg zum Bierkasten ist. Jedenfalls, wenn die Wände dick genug sind, um eine vorzeitige Information abzudämmen.

Die Computerzeitschrift „c’t“ hat die verschiedenen Übertragungswege genau aus- und abgemessen. Im Internet wird demnach das Bildsignal, etwa bei dem Streamingdienst Magine, mit ebenjenen 90 Sekunden zum tatsächlichen Geschehen versetzt verbreitet. Ein wenig schneller sind die Streamingdienste in den Mediatheken von ARD und ZDF. Allerdings sollte man (falls es jetzt gegen Ende des Turniers dafür nicht längst zu spät ist) auf das vertraglich geregelte Datenvolumen achten – die Übertragung eines einzigen Spiels verbraucht locker 500 Megabyte.

Bei den klassischen Verbreitungswegen ist das Fernsehen in seiner bekannten Art doch schneller als das Internet, aber auch hier gibt es Differenzierungen: Zuerst gejubelt (oder geflucht) wird in Haushalten mit Satellitenanlagen. Der Kabelempfang bringt schon eine Verzögerung von bis zu zehn Sekunden. Wenn ein Decoder wie bei T-Entertainment eingesetzt wird, kommen noch ein paar Sekunden hinzu.

Wer verschiedene Systeme in einem Haushalt hat, kann das geschickt nutzen und die schnellste Variante laut stellen, auf der langsamsten aber eigentlich das Bild verfolgen – auf das man dann nur blicken muss, wenn von nebenan die Stimme des Reporters aufgeregt herüberschallt. So ist dann doch noch der Torschuss in der vermeintlichen Realtime zu sehen. Auch so ist allerdings nicht zu verhindern, dass Steffen Simon Spiele kommentieren darf.

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