Hamburger Pokalfinale: Paloma mit „Psychotricks“ gegen Condor

Hamburg. Eine Überraschung für das Pokalfinale will Palomas Trainer Marco Krausz ausschließen. „Unser Torwart Yannick Jonas wird nicht im Sturm spielen“, sagt Krausz. Da ist er wieder, sein trockener Humor. Offensichtlich stuft er die Frage, welche taktischen Kniffe er diesmal parat habe, als Vorlage ein. Und Vorlagen verwandelt Marco Krausz ganz gerne.

Wenn am Donnerstag (16 Uhr, Hoheluft) das Hamburger Amateurpokalfinale zwischen Landesligist Paloma und Oberligist Condor angepfiffen wird, sind Krausz und sein Team Außenseiter. Erst zwei Landesligisten (Paloma 2002 und der ETV 2011) konnten die begehrte Trophäe gewinnen, die die Qualifikation für den DFB-Pokal und 100.000 Euro Antrittsgeld garantiert. Favorit Condor ist gewarnt. Trainerfuchs Krausz, mit Condors Trainer Christian Woike befreundet, ist nicht nur rhetorisch auf der Höhe.

Nach dem bitteren Abstieg aus der Oberliga machte Paloma unter Krausz aus seiner Außenseiterstellung fast das Optimum. Im Pokal besiegte der Verein die Oberligisten Curslack (7:6 n. E.), Bramfeld (4:3) und Regionalligist Victoria (2:1). In der Liga verpasste Paloma den Wiederaufstieg nur um einen Punkt gegenüber der finanziell potenteren Konkurrenz vom VfL 93. Der Club vom Borgweg steht allerdings vor einem Scherbenhaufen. Der starke Mann, Trainer Olaf Ohrt, trat am Dienstag zurück, mit ihm der gesamte Trainerstab (siehe Nachspiel). Den Spielern steht es frei, sich neue Vereine zu suchen.

Profitieren könnte von diesem Chaos Paloma, denn ob der VfL 93 seinen Startplatz in der Oberliga wahrnimmt, ist unklar. Paloma-Coach Krausz legt den Fokus aber nur auf das Pokalfinale. Er selbst erhält Lob von höchster Stelle. „Marco hat unsere Erwartungen voll bestätigt“, sagt Palomas Vorsitzender Dirk Rathke. „Es ist sein Geheimnis, wie er die Jungs dazu bringt, so oft Spiele zu drehen.“ In Sasel machte Paloma aus einem 1:2 ein 3:2, gegen den ETV aus einem 0:3 ein 4:3, bei TBS Pinneberg aus einem 0:2 ein 3:2. In der dritten Pokalrunde bei Croatia verwandelte die Mannschaft gar ein 0:3 in ein 5:4.

„Meine Ansprachen bei hohen Rückständen waren ruhig. Ich mache gerne das, womit die Jungs nicht rechnen“, erklärt Krausz dazu. Als Spieler holte er den Amateurpokal 1996 und 1997 mit dem HSV II, erzielte am 10. August 1996 beim 1:3 gegen Arminia Bielefeld im DFB-Pokal per Elfmeter den Treffer für die HSV-Amateure. Aber wie will er seinen Spielern für das Finale die Nervosität nehmen, vor mehreren Tausend Zuschauern aufzulaufen? „Wir bauen beim Training eine Playstation auf und simulieren Stadionatmosphäre“, sagt Krausz. Er freut sich. Wieder eine Vorlage verwandelt.