Victoria steigt mit blamabler Leistung aus der Regionalliga ab

Klares 0:6-Debakel gegen Rehden. Göttling soll Trainer bleiben

Hamburg. Victorias Fanclub „Nordkaos“ nahm das Debakel mit Humor. „Ihr habt eine Stunde Zeit, uns ’nen Kasten zu spendieren“, lautete ihre per Spruchband gestellte Forderung an die Mannschaft nach dem 0:6-Debakel gegen Rehden, das den Abstieg aus der Regionalliga Nord bedeutete. Die launige Anspielung auf das ungeheuerliche Verhalten von Dresdner Fans nach dem Abstieg ihrer SG Dynamo („Ihr habt eine Stunde, um unsere Stadt zu verlassen“) ließ manchen Spieler doch noch lächeln. Kurze Zeit später stand ein Kasten Bier für die Anhänger auf dem Rasen an der altehrwürdigen Hoheluft.

Es war der versöhnliche Abschluss einer enttäuschenden Saison. Bezeichnenderweise fand er nicht während der 90 Minuten statt. Denn was der SC Victoria 276 Fans zuvor geboten hatte, um die letzte Chance auf den Klassenerhalt wahrzunehmen, ist mit dem Begriff „Totalaufgabe“ treffend zusammengefasst. Victoria praktizierte fast während der gesamten Spielzeit körperloses Paarlaufen. Nur auf dem Papier defensiv stabil im 4-3-2-1-System angeordnet, ließ man den Gast aus Rehden gewähren. Stefan Heyken (10.), Marius Winkelmann (16.), Taiki Hirooka (27.), Kitufa Makangu (34., 48.) und Erdin Ramic (78.) nahmen die Einladung zum Treffen wie im Training gerne an.

Nach zwei Jahren in der Regionalliga Nord ist durch den Abstieg in die Oberliga Hamburg mit der schlimmen Bilanz von 23 Punkten und 23:83 Toren Victorias Anspruch, Nummer drei im Hamburger Fußball zu sein, zu dem auch Vereine im „Speckgürtel“ zählen, vorerst ad acta gelegt. Mit diesem „Titel“ schmückt sich nun Eintracht Norderstedt. Victoria bewies mit dem Aufstieg 2012 in die Regionalliga Mut, letztlich fehlte die sportliche Klasse.

Die Spieler zeigten sich selbstkritisch. „Ich will niemandem zu nahe treten, aber wenn wir uns in einem entscheidenden Spiel so präsentieren, kann man die Mentalitätsfrage stellen“, sagte der zur Halbzeit nach sechsmonatiger Verletzungspause eingewechselte Marcus Rabenhorst. „Es zeichnet sich seit Monaten ab, dass wir in der Regionalliga nichts verloren haben“, brachte sein Innenverteidigerkollege David Eybächer die Sache auf den Punkt. Und Spielmacher Benny Hoose, der für ein Sportstudium nach Köln umzieht und sich dem mittelrheinischen Oberligaclub TSC Euskirchen anschließt, bemängelte, es sei „nicht zielgerichtet genug gearbeitet worden. Uns fehlten Typen, die das Spiel in die Hand nehmen und strategisch denken. An unseren Ausfällen lag der Abstieg nicht.“

Anders sah das Trainer Lutz Göttling. Der Trainer stellte sich leidenschaftlich vor seine Mannschaft und machte erneut im Wesentlichen die Abgänge (Stilz, Seguro, Brück) und zeitweisen Ausfälle (Hoose, Rabenhorst, Trimborn, Sachs) für die schlechte Saison verantwortlich. „Der jungen Mannschaft fehlten die Führungsspieler. Sie hat alles versucht. Es wäre fahrlässig, auf sie einzuhauen. Mehr war einfach nicht machbar“, sagte Göttling. Seinen Vertrag wolle er erfüllen. „Ich werde alles dafür tun, dass wir im nächsten Jahr um die Oberliga-Meisterschaft mitspielen“, sagte Göttling. Volle Rückendeckung erhielt er von Sportdirektor Sven Piel. „Wir werden uns nun darauf konzentrieren, Führungsspieler zu holen und unsere Offensive zu stärken. Unser Abstieg lag nicht an Lutz. Er bleibt unser Trainer“, sagte Piel.