Ex-Präsident Roth attackiert „Club“

Was macht die Abstiegskonkurrenz? Unruhe beim 1. FC Nürnberg, Gelassenheit in Braunschweig

Nürnberg. Michael A. Roth hätte auch schweigen können. Aber es passt zur Wir-sind-doch-eh-schon-abgestiegen-Stimmung beim 1. FC Nürnberg, dass nun auch noch der Ex-Präsident auf seinen Club einschlägt. „Ein Abstieg ist immer das Ergebnis vieler Fehlentscheidungen. Im Vorstand wie im Aufsichtsrat fehlt die sportliche Kompetenz. Ich sehe für die 2. Liga schwarz“, wetterte der 78-Jährige vor dem Saisonfinale bei Schalke 04 via „Bild“. Sportchef Martin Bader sei „tüchtig“, aber man möge ihm endlich einen „sportlichen Experten“ zur Seite stellen.

Noch extremer als beim HSV erlebt man derzeit am Valznerweiher in Franken einen Verein, der sich selbst zerstört. Sinnbildlich dafür sind die gefrusteten Fans, die schon einmal demonstrativ vorzeitig ihre Banner einrollten. Woher soll die Zuversicht auch kommen nach sechs Ligapleiten in Serie? Vor dem Griff „nach dem Strohhalm“ (Bader) sind zu allem Überfluss in der „psychisch und physisch mausetot wirkenden Mannschaft“ („Nürnberger Nachrichten“) auch noch drei Spieler aus der Viererkette gelbgesperrt – Timothy Chandler, Marvin Plattenhardt und Abwehrchef Javier Pinola. In der Innenverteidigung ist Emanuel Pogatetz an der Seite von Per Nilsson gesetzt, ansonsten meint der noch punktlose Interimstrainer Roger Prinzen galgenhumorig: „Wir werden elf Mann auf den Platz bringen.“ Kapitän Raphael Schäfer hatte entnervt verkündet, man könne ja mit den A-Junioren nach Gelsenkirchen fahren. Das geht aber nicht: Die U19 will nur eineinhalb Stunden vorher gegen den FC Ingolstadt den vorzeitigen Aufstieg in die A-Junioren-Bundesliga besiegeln. Zumindest das.

Ganz anders ist die Stimmung 450 Kilometer entfernt in Braunschweig – nämlich betont gelassen. Am Dienstag wurde mit allen Mann an Bord trainiert und noch die Vertragsverlängerung mit Jungstürmer Orhan Ademi bis 2017 bekannt gegeben. Der Verein geht ruhig seinen Weg weiter. Die Stadt, seit Monaten gelb-blau beflaggt, steht vor dem „Endspiel“ bei 1899 Hoffenheim geschlossen hinter ihrer Eintracht. „Und wenn es Gerechtigkeit gibt und man etwas romantisch ist wie wir, haben wir es verdient, in der Liga zu bleiben. Auch wenn wir die schlechteste Ausgangslage haben“, meint Kulttrainer Torsten Lieberknecht.

Man verspüre keinen übermäßigen Druck, schließlich stehe man ja die ganze Saison schon mit dem Rücken zur Wand, erklären die Profis unisono. Die Niedersachsen lassen sich auch durch die zuletzt 361 Spielminuten ohne eigenes Tor nicht verrückt machen. Lieberknecht wäre nicht Lieberknecht, würde er nicht auch noch einen passenden Spruch in Richtung Hamburg raushauen: „Es ist schon erstaunlich, wie der HSV nach Braunschweig guckt.“

Mit Spannung wird sein Wiedersehen mit Hoffenheim-Trainer Markus Gisdol erwartet. Nach dem Hinspiel, das die Eintracht übrigens 1:0 gewann, hatte Gisdol sich denkwürdig über Lieberknecht beschwert: „Bei jeder Situation hat er rübergeblökt.“

Die feierwütigen Braunschweiger Anhänger hätten in jedem Fall nichts gegen eine Fortsetzung des Bundesliga-Abenteuers. Mindestens 5000 wollen mit nach Sinsheim reisen.