Nachspiel

Der Ball ist bunt

Eine Glosse von Christian-A. Thiel

Eins ist sicher: Der Ball ist rund. Ansonsten scheiden sich an „Brazuca“, dem Spielgerät für die Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Sommer in Brasilien, die Geister. Sein Muster soll die Spiel- und Lebensfreude der Gastgeber widerspiegeln – und deren vielfarbige Glücksarmbänder.

Nun ja. Schön bunt ist er immerhin. Seit der „Tango“ 1978 in Argentinien die Ball-Optik ins 20. Jahrhundert führte, haben die Designer des Sportartikelherstellers mit den drei Streifen immer wieder mit neuen Farbanmutungen experimentiert. Da gab es schon mal Ausrutscher wie den Ball „Teamgeist“ beim Sommermärchen 2006 in Deutschland, dessen Spötter eher an Produkte aus der Hygieneabteilung eines Drogeriediscounters erinnerte.

Die Linienführung des „Brazuca“ ist nun so verschnörkelt, dass man unwillkürlich an psychedelische Muster der 60er-Jahre denken muss. Die armen Abwehrrecken, die sich von Lionel Messi oder Mesut Özil Knoten in die Beine spielen lassen müssen, werden rätseln, ob es ein zu langer Blick auf den Ball war oder der Gegner, der sie schwindlig gemacht hat.

Hauptsache, die deutschen Feinmotoriker lassen sich durch die schrillen Farben nicht irritieren. Nicht dass Franz Beckenbauer am Ende wieder klagen muss: „Wissen Sie, wer mir am meisten leidtat? Der Ball.“