Nachspiel

Katar ist kein Fall für die Fifa

Ein Kommentar von Rainer Grünberg

Wer nichts weiß, bildet einen Arbeitskreis. Bei der Suche nach einem Termin für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar hat der Weltverband Fifa jetzt in Zürich beschlossen, erst einmal nichts zu beschließen. Nur so viel: Die WM soll auf jeden Fall in dem Wüstenemirat am Arabischen Golf ausgetragen werden, im Sommer oder Winter.

Mehr durfte nicht erwartet werden, wenn ein Sportverband gezwungen wird, sich mit grundlegenden Problemen des menschlichen Zusammenlebens zu befassen. Und wer glaubte, angesichts der in Katar zum Teil unwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen der asiatischen Gastarbeiter, die Fifa würde den Scheichs die WM entziehen, der hat immer noch nicht verstanden, wie Präsident Joseph Blatter und seine Funktionärsriege ticken. Tote gebe es nun mal auf jeder größeren Baustelle, gab Blatter am Freitag zum Besten. Zynischer und menschenverachtender hätte man es nicht ausdrücken können.

Allerdings hat Blatter recht, dass die Verantwortung zwar bei den Katari liegt, aber nicht bei ihnen allein. Es sind dort internationale Baukonsortien, auch europäische, tätig, die im Streben nach nach maximalem Profit zu allererst an ihre Aktionäre und zu allerletzt an ihre Arbeiter denken. Diese hässliche Fratze des Kapitalismus ist allerdings nicht nur in Katar zu besichtigen, auch in allen anderen Golfstaaten, in Russland, China und vielen Entwicklungsländern. Dieses Problem zu lösen übersteigt dann in der Tat die Zuständigkeit der Fifa.