Nachspiel

NSA vor Einsatz in Berlin

Eine Glosse von Carsten Harms

Sofern der amerikanische Geheimdienst NSA noch auf der Suche nach Kunden sein sollte, könnte er seine Dienste jetzt auch in der deutschen Hauptstadt anbieten. Genauer gesagt, dürften Hertha BSC und Cheftrainer Jos Luhukay an den Kontrollqualitäten dieser so ungeliebten Institution interessiert sein. Luhukay hat gegen seine Bundesligaprofis, immerhin 27 an der Zahl, von 23 Uhr an eine Ausgangssperre verhängt. Daheim auf dem Sofa sollen es sich seine Kicker gemütlich machen, ihre geschundenen Muskeln regenerieren und nicht beim Zug um die Häuser Energie verschwenden, die sie beim nächsten Sprintduell so dringend bräuchten. „Wenn ihr Berlin genießen möchtet, sucht euch einen anderen Beruf“, hat er jetzt gesagt.

Allerdings sind die schönsten Verbote nichts wert, wenn sie nicht kontrolliert werden. Eine dauerhafte Standortüberwachung per Handyortung ist ja für die NSA ein Kinderspiel, eine Liveübertragung der Daten auf Luhukays Laptop sollte da im Preis mit drin sein. Nur: Was passiert, wenn die Herren Fußball-Profis ihre Mobilfunkgeräte einfach zu Hause liegen lassen und auf die Piste gehen, ohne permanent erreichbar zu sein? Da sind dann doch wieder klassische Türsteher gefragt. Sie müssten nur ihren Standardsatz „Du kommst hier nicht rein!“ durch ein „raus“ modifizieren.

Sozialverträglich wäre der Job auch, denn Luhukays Maßnahme gilt jeweils nur von Dienstag bis zum Spiel am Wochenende. Sonntag und Montag hätten die Aufpasser frei – oder könnten als Zweitjob auf dem Flughafen von Palma de Mallorca Ausschau nach Kurz-Urlaubern aus Hamburg halten.