Bundesliga-Kolumne

Nordclubs im Schneckenrennen nach Europa zu langsam

Nilsson mit Doppelpack. Der 1. FC Nürnberg hat seinen Höhenflug unter Trainer Michael Wiesinger fortgesetzt und darf dank zweier Treffer von Per Nilsson sogar vom Sprung auf die Europapokal-Plätze träumen. Die Franken bezwangen am Sonntag den FSV Mainz 05 mit 2:1 und schraubten damit ihre stolze Erfolgsserie auf nunmehr neun Partien in Serie ohne Niederlage fort.

Chance nicht genutzt. Im Schneckenrennen um die Europacup-Teilnahme im kommenden Jahr hat sich Hannover 96 nur 0:0 vom VfB Stuttgart getrennt. Der Rückstand auf Platz sechs beträgt jetzt vier Punkte. Die Niedersachsen hatten in 90 Minuten keine einzige klare Torchance herausgespielt. "Wir erreichen unsere Ziele nur alle zusammen. Das scheint momentan nicht der Fall zu sein", klagte Mittelfeldspieler Sergio Pinto indirekt einige Kollegen an. Damit wird der erste Europacup seit 2001 ohne eine Mannschaft aus Norddeutschland immer wahrscheinlicher.

Schaaf so schlecht wie nie. Bremens verbliebene Hoffnung im Kampf gegen den Abstieg ist die Schwäche der Konkurrenz. Nach dem siebten sieglosen Spiel in Serie klammert sich Werder an jeden Strohhalm. "Zum Glück hat Augsburg nicht gewonnen", war der am meisten geäußerte Satz nach dem 0:2 gegen Schalke 04. Mit 31 Pünktchen nach 28 Spieltagen - die schwächste Bilanz der Ära Thomas Schaaf - stagniert der einstige Europapokal-Dauergast auf Tabellenplatz 14 - noch sieben Punkte vor Augsburg auf dem Relegationsplatz 16. Wie schon beim 1:1 in Mainz patzte Assani Lukimya vor den Schalker Treffern. Gut möglich jedoch, dass der Innenverteidiger angesichts der Verletzungssorgen bei Werder auch beim wichtigen Duell in Düsseldorf wieder auflaufen darf. Nachdem ohnehin schon zehn Profis ausgefallen waren, verletzten sich gegen Schalke auch noch Sokratis (Fleischwunde) und Aleksandar Ignjovski (Muskelverhärtung).

Wiese bleibt draußen. Tim Wiese behält in Hoffenheim seinen Tribünenstammplatz. Die Debatte, ob der ehemalige Nationaltorwart nach dem Ausfall von Heurelho Gomes auf die Bank oder zwischen die Pfosten zurückkehrt, erstickte Cheftrainer Markus Gisdol gleich im Keim. "Nummer eins ist Koen Casteels und unser U23-Torwart Jens Grahl die Nummer zwei", sagte der 43-Jährige nach dem 3:0-Sieg des Tabellenvorletzten gegen Düsseldorf. Sowohl Wiese als auch Gomes wird man bei der TSG möglicherweise nicht mehr auf dem Platz sehen. Gomes zog sich bei einem Zusammenprall mit Andreas Lambertz einen Bruch der linken Mittelhand zu und fehlt damit für den Rest der Saison. Der Brasilianer ist nur bis zum 30. Juni von Tottenham Hotspur ausgeliehen und hatte betont, dass er zurück zu seiner Familie nach London will.

Charaktertest bestanden. Den letzten Akt des Titelverlustes konnte Jürgen Klopp locker verschmerzen. Bester Laune gratulierte der Dortmunder Trainer dem FC Bayern zur Meisterschaft. Das 4:2 seiner B-Elf gegen Augsburg machte vieles leichter. Obwohl sieben Stammkräfte für das Viertelfinalrückspiel in der Champions League am Dienstag gegen Malaga geschont wurden, festigte der BVB den zweiten Platz. Zur Erleichterung des Fußballlehrers, der den Youngstern Jonas Hofmann und Leonardo Bittencourt zum Startelfdebüt verholfen hatte: "Das war ein Charaktertest, den die Mannschaft bestanden hat." Noch zur Halbzeit schien es, als hätte Klopp zu viel riskiert. Obwohl der BVB 30 Minuten das Geschehen kontrolliert hatte, stand es 1:2. Das Fehlen von Stars wie Ilkay Gündogan, Mario Götze, Robert Lewandowski und Marco Reus machte sich negativ bemerkbar. Erst mit der Einwechslung von Götze und Lewandowski, der zum zehnten Mal nacheinander traf, wendete sich das Blatt.

Völler überlegt. Bayer Leverkusen denkt über den Verkauf von Andre Schürrle an den FC Chelsea nach. Dies gestand Bayer-Sportchef Rudi Völler nach dem 1:1 gegen Wolfsburg ein. "Es gibt immer wieder Anfragen, da ist Andre nicht der einzige im Club. Dass man dann überlegt, gehört zum Geschäft", sagte Völler: "Das haben wir auch im letzten Jahr gemacht." Damals lehnte Bayer jedoch die 25 Millionen ab, die Chelsea für Schürrle geboten hatte. Diesmal ist der Deal durch eine mögliche Verrechnung mit Kevin de Bruyne wahrscheinlicher. Leverkusen hat das Interesse an der derzeit für Bremen spielenden Chelsea-Leihgabe bereits bestätigt und könnte für Schürrle den Belgier und 15 Millionen Euro bekommen.