Nachspiel

Wenn Spieler "Vertrag haben"

Eine Glosse von Andreas Hardt

Es ist gerade eine besonders geschäftige Phase für Manager, Sportchefs und Berater in der Bundesliga. Die Zeit der Panikkäufe im Winter ist vorbei, es gilt nun die Puzzleteile für die Zukunft der Clubs weiter zusammenzufügen - und es gilt, das Optimale für jeden einzelnen Profi herauszuholen. Verschwiegenheit ist geboten bei angestrebten Vertragsverlängerungen oder geplanten Neuverpflichtungen. Und so hören wir in diesen Tagen immer wieder die Masterformel aller Abwehrfloskeln: "Ich habe Vertrag".

Bis 2014 haben die Herren Diouf, Son, Lewandowski oder Rode und viele andere auch gültige Arbeitspapiere bei ihren derzeitigen Vereinen. Und sie wissen, dass genau das den Abgang wahrscheinlich macht. Auf jeden Fall aber die Verhandlungsposition über deutlich erhöhte Bezüge verbessert. "Ich konzentriere mich nur auf meinen Club", sagen sie unisono auf Nachfragen, "man wird sehen" und "so ist Fußball".

So halten die Gefragten hin. Sie haben Zeit, sie können sondieren. Bloß nicht zu früh binden, vielleicht noch eine Ausstiegsklausel hineinschreiben lassen, wenn man sich zum Bleiben entschließt. Aber eben nicht so hundertprozentig. Alle Optionen offen lassen. Es könnte ja noch was Besseres kommen. Der Traumverein, Madrid, Manchester, München oder Mainz, je nach Klasse. Und immer dementieren, dass man trotz laufenden Kontrakts mit einem anderen Verein gesprochen hat. Das darf man nämlich nicht. Aber dafür gibt es ja Freunde oder Berater.

Denn die Spieler haben ja Vertrag. Ohne Artikel muss man das als Profi übrigens sagen. Nur dann schwingt so was Schicksalhaftes mit. Ich habe Hunger, habe Pech, Zahnschmerzen, habe Vertrag. Sie können einem fast leid tun - oder etwa nicht?