Bundesliga-Kolumne

Nürnberg beklagt geklauten Sieg, Hoffenheim forciert Trainerfrage

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Abseits-Ärger. Dieter Hecking gilt allgemein als besonnener und ruhiger Vertreter der deutschen Trainerzunft. Einer, der seine Worte abwägt, der nur selten an der Seitenlinie Veitstänze aufführt. Am Sonntagabend aber musste der Ärger beim Coach des 1. FC Nürnberg mal deutlich raus. "Es reicht", schimpfte der 48-Jährige: "Ich habe immer die Schnauze gehalten, aber jetzt ist ein Punkt erreicht, da geht es nicht." Zwei Minuten vor Ende der Partie wurde sein Klub beim Auswärtsspiel gegen Werder Bremen durch einen irregulären Treffer zum 1:1 (0:0) um den Sieg gebracht. Werder-Stürmer Nils Petersen fälschte aus Abseitsposition einen Schuss von Kevin de Bruyne ins Netz ab - das Schiedsrichtergespann um Manuel Gräfe ließ den Ausgleich trotzdem zählen und sorgte so am Sonntagabend für einen turbulenten Hinrunden-Abschluss. Erst in der 82. Minute waren die Franken durch Timo Gebhart in Führung gegangen. "Wenn man durch ein Abseitstor zwei Punkte geklaut bekommt, dann ist das sehr ärgerlich. Das ist schon das zweite Mal in dieser Saison", klagte Nürnbergs Mittelfeldspieler Hanno Balitsch. Dass das Unentschieden bei drei Alu-Treffern der Hausherren verdient war, interessierte nur am Rande. Nach dem Schlusspfiff gingen die Spieler beider Teams aufeinander los, es wurde geschubst, gestoßen, diskutiert. Selbst Werders Trainer Thomas Schaaf zeigte Verständnis für den Ärger der Nürnberger: "Wenn man von so einer Entscheidung betroffen ist, sind Emotionen da", sagte er. Mit 22 Punkten beenden die Norddeutschen die Hinrunde auf Platz zwölf und verpassten es, näher an die Europapokalplätze zu rücken. Der "Club" liegt mit 20 Punkten auf Platz 14, hat aber schon acht Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz. Kurs Klassenerhalt, keine schlechte Bilanz für die Franken und ein Grund, zufrieden zu sein - wäre da nicht der späte Ärger über einen geklauten Sieg.

Trainersuche. Zweites Spiel, zweite Niederlage - der erhoffte "Neue-Trainer-Effekt" hat sich bei 1899 Hoffenheim unter Franz Kramer nicht eingestellt. Nach der 1:3 (1:1)-Heimniederlage gegen den deutschen Meister Borussia Dortmund verstärkt Manager Andreas Müller die Suche nach einem neuen Übungsleiter. Er führe Gespräche mit mehreren Kandidaten. "Wir werden das nicht auf die lange Bank schieben", sagte Müller. "Ich kann sagen, dass wir das in zwei, drei Tagen entscheiden." Am 2. Januar soll das neue Trainerteam mit der Aufgabe beginnen, das Team aus dem Kraichgau vom Relegationsplatz 16 in sichere Gefilde der Tabelle zu führen. Sieben Punkte beträgt bereits der Rückstand auf Platz 15.

Angetrieben von einem überragenden Mario Götze steigerte sich der BVB in der zweiten Halbzeit. "Das war eine Willensleistung. Da haben wir uns am eigenen Kopf aus der Scheiße gezogen", sagte Trainer Jürgen Klopp, der besonders die Defensivarbeit seiner Mannschaft in den ersten 45 Minuten bemängelte. Die Tore von Götze (26.), Kevin Großkreutz (58.) und Robert Lewandowski (66.) stellten bei einem Gegentreffer von Sven Schipplock (35.) aber auch den Meistercoach zufrieden, auch wenn der Rückstand auf Herbstmeister Bayern München bereits zwölf Punkte beträgt. "Es war wichtig, mit drei Punkten aus der Hinrunde rauszugehen. Wir haben aber acht bis zehn Punkte verschenkt. Das ärgert schon. Da können wir uns in der Rückrunde noch steigern", sagte Nationalspieler Mats Hummels.

Boom. Trotz Fanprotesten, Pyro-Ärger und Gewaltdiskussionen ist der Zuschauer-Boom in der Fußball-Bundesliga ungebrochen. Im europäischen Zuschauer-Ranking bleibt die deutsche Eliteliga unumstrittene Nummer eins. In den 153 Hinrunden-Begegnungen passierten 6.442.643 Zuschauer die Stadiontore. Das sind durchschnittlich 42.109 pro Partie. Durch die Abstiege von Kaiserslautern, Köln und Berlin mit zuschauerträchtigen Heimstätten konnte jedoch die Rekordmarke der vergangenen Spielzeit nicht erreicht werden. In der Saison 2011/12 wurde ein Hinrundenrekord von 6.908.160 Besuchern (Schnitt: 45.151) aufgestellt. Zuschauermagnet Nummer eins blieb der deutsche Meister Borussia Dortmund, der im Schnitt sagenhafte 80.496 Zuschauer seine Arena lockte Herbstmeister Bayern München (Schnitt: 71.000) folgt auf Position zwei. Den Hamburger SV wollten durchschnittlich 52.605 Fans sehen, der HSV liegt damit auf Platz vier.