Bundesliga-Kolumne

Veh schimpft auf Schiedsrichter, Diego kämpft für Köstner

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Rückschlag. Hannover 96 hat nach 22 Heimspielen ohne Niederlage erstmals wieder zu Hause verloren. Der erste und letzte Bezwinger (vom 30. April 2011) sind identisch: Borussia Mönchengladbach. Dabei führten die Hannoveraner bereits mit 2:0, als den Gladbachern in der zweiten Halbzeit binnen zehn Minuten (70. bis 79.) die Wende gelang. "Es geht schnell im Fußball, unglaublich", sagte Gladbachs Trainer Lucien Favre. "Wir haben auch nach dem Rückstand positiv gedacht, das Tor zum 1:2 hat uns Moral gebracht. Das 3:2 ist enorm wichtig für uns." Sein Kollege Mirko Slomka war sichtlich genervt: "Wir haben zu früh im Kopf einen Haken hinter dieses Spiel gemacht. Dafür sind wir bitter bestraft worden."

Ärger. Armin Veh hatte genug gesehen. Mit dem Schlusspfiff stapfte der Frankfurter Trainer in die Kabine. Wenige Meter entfernt fielen sich sein Kollege Bruno Labbadia und Sportdirektor Fredi Bobic nach dem ersten Heimsieg des VfB Stuttgart in die Arme. Torjäger Vedad Ibisevic hatte mit seinem späten Treffer in der 84. Minute zum 2:1 (1:0) gegen das Überraschungsteam aus Hessen den Erfolg perfekt gemacht. Die Eintracht fühlte sich um den möglichen Ausgleich gebracht, nachdem das Schiedsrichtergespann um Peter Gagelmann aus Bremen einen Treffer von Karim Matmour nach Vorlage von Olivier Occean in der 89. Minute wegen einer vermeintlichen Abseitsposition nicht gegeben hatte. "Das war nie und nimmer abseits, es war ein völlig reguläres Tor", ärgerte sich Veh. Alexander Meier (67.) hatte die Eintracht mit einem Traumtor bei Vehs Reise in die Vergangenheit lange auf Kurs Punktgewinn gehalten, nachdem die Schwaben ausgerechnet durch Christian Gentner (6.) früh in Führung gegangen war. Gentner hatte 2007 zusammen mit Veh die Meisterschale nach Stuttgart geholt.

Charakter. Jürgen Klopp lachte herzhaft. Ob man das Duell im Breisgauer Schneegestöber als Drecksspiel bezeichnen könne, wollte ein Reporter wissen. "Von mir aus", meinte Klopp süffisant. Das mühsame 2:0 gegen den SC Freiburg war jedoch nach Ansicht des Trainers von Borussia Dortmund viel mehr. "Das war heute ein richtiger Charaktertest für die Mannschaft, und sie hat ihn bestanden. Darauf bin ich richtig stolz", sagte Klopp. Erster Auswärtssieg dieser Saison, erster Erfolg im Anschluss an eine Champions-League-Partie, festgesetzt in der Spitzengruppe - für den Doublesieger könnte sich der Dreier auf seifigem Boden als bedeutender Schritt auf der angestrebten Bayern-Jagd erweisen. "Das war ein wichtiges Ding", stellte Innenverteidiger Mats Hummels zufrieden fest.

Vertrauen. Der brasilianische Spielmacher Diego hat sich für einen längeren Verbleib von Interimstrainer Lorenz-Günther Köstner beim VfL Wolfsburg ausgesprochen. "Wir müssen jetzt zusammen die Punkte holen, dann wäre es normal, dass er bleibt. Ich hoffe es", sagte Diego am Tag nach dem befreienden 4:1-Erfolg der Niedersachsen bei Fortuna Düsseldorf: "Er ist sehr intelligent und clever. Er ist ein großartiger Trainer, der uns sehr viel Selbstvertrauen gegeben hat." Köstner hatte nach der überraschenden Entlassung von Trainermanager Felix Magath am vergangenen Donnerstag die Mannschaft übernommen und nach sieben Spielen ohne Sieg wieder einen Erfolg gefeiert. "Das ist schön, natürlich freut einen das. Aber ich lass mich davon nicht beeinflussen. Ich weiß, wie das Spiel zu bewerten ist", sagte Köstner zur Unterstützung durch die Spieler. Und erklärte mit einem Lachen auf die Frage, ob er Cheftrainer werden will: "Ich bin im Augenblick Cheftrainer."

Frust. Erst trat Mittelfeldspieler Daniel Williams fast ein Loch in die Kabinentür, dann prügelte Manager Andreas Müller verbal auf die Mannschaft ein. "Ob ich enttäuscht bin? Ich habe Frust. Mainz läuft mehr, Mainz sprintet mehr, Mainz zeigt mehr Willen und hat mehr Torschüsse - soll ich noch fünf weitere Dinge aufzählen? Dieses Zweikampfverhalten reicht nicht für die Bundesliga", polterte Müller nach dem 0:3 von 1899 Hoffenheim beim FSV Mainz 05. Der Manager konnte sich nach dem Schlusspfiff ebenso wenig beherrschen wie die mitgereisten Anhänger, die die Profis wüst beschimpften. "Der Unmut der Fans ist verständlich, ich bin genauso sauer", äußerte Müller. Schließlich wartet der Klub seit vier Spielen auf einen Sieg. Statt der erstmaligen Teilnahme an der Europa League, die Babbel vor der Saison als Ziel ausgegeben hatte, droht nun der Abstiegskampf.