Bayern eiskalt erwischt

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Vor dem Gastspiel am Sonnabend beim HSV reißt Münchens Siegesserie mit einem unglücklichen 1:2 gegen Leverkusen

München. Ausgerechnet ein Eigentor von Nationalspieler Jerome Boateng hat die Siegesserie von Bayern München in der Bundesliga beendet. Nach dem Ligarekord von acht Erfolgen hintereinander musste der Fußball-Rekordmeister bei Eiseskälte im Münchner Schneetreiben überraschend eine 1:2-Niederlage gegen Bayer Leverkusen hinnehmen. Der frühere HSV-Spieler Sidney Sam war gerade drei Minuten auf dem Feld, als sein Kopfball in der 87. Minute Boateng traf, von dessen Schädel der Ball ins Tor flog.

Die Bayern haben nun nur noch vier Punkte Vorsprung auf Verfolger Schalke 04. "Die Liga wird sich freuen", sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. "Jetzt müssen wir zeigen, dass wir mit dem Druck besser umgehen als im vergangenen Jahr." Damals hatten die Münchner einen Achtpunktevorsprung noch verspielt. "In dieser Saison lassen wir uns von niemandem einlullen, wir sind konzentrierter", hatte Rummenigge vor dem Spiel noch versprochen.

Die kampfstarken Leverkusener waren in einem packenden Fußballspiel vor 71 000 Zuschauern in der ausverkauften Allianz-Arena durch das sechste Saisontor von Stefan Kießling in der 42. Minute in Führung gegangen. Mario Mandzukic hatte den Spitzenreiter nach einem lange erfolglosen Sturmlauf mit seinem achten Saisontreffer in der 77. Minute zunächst den Ausgleich beschert. Doch selbst zum Punktgewinn reichte es nicht. Die kuriose Kopfballszene mit Sam und Boateng besiegelte die Niederlage.

Dennoch sagte Bayern-Trainer Jupp Heynckes: "Ich denke, dass wir einen komfortablen Vorsprung haben. Die Niederlage wird uns nicht umwerfen. Wenn man sieht, wie sie zustande gekommen ist, werden wir unsere Lehren daraus ziehen."

Für die Münchner war es die erste Heimniederlage seit dem 0:1 am 19. November 2011 gegen Borussia Dortmund. "Wir kriegen ein saublödes 1:0, dann erarbeiten wir uns das 1:1, und dann kriegen wir ein genauso blödes 2:1", sagte Bayern-Kapitän Philipp Lahm. Aber er räumte auch ein: "Wenn der Gegner 2:1 gewinnt, dann hat er das auch verdient." Nationaltorwart Manuel Neuer befand: "Ausschlaggebend war die gute Defensivarbeit von Leverkusen. Und dass wir uns die Dinger selber reingehauen haben. Da war auch viel Pech im Spiel."

Eitel Freude dagegen bei Bayer Leverkusen. "Wir haben richtig einen rausgehauen, und wir hatten das Quäntchen Glück", sagte Leverkusens Trainer Sascha Lewandowski. "Die Mannschaft hat ein Zeichen gesetzt. Sie ist auf einem guten Weg." Simon Rolfes stellte fest: "Das war eine enorme Abwehrschlacht." Die Bayer-Werkself hatte seit 23 Jahren nicht mehr in München gewinnen können. Am 21. Oktober 1989 hatte Marek Lesniak das Tor des Tages zum 0:1 erzielt. "Ich bin froh, dass diese Diskussion, wann immer wir hierher fahren, endlich vorbei ist", sagte Rolfes.

Die Münchner hatten allerdings auch an diesem Abend das Geschehen bestimmt. Schon nach zwei Minuten hätten sie jubeln und sich den weiteren Verlauf der Partie ersparen können. Bastian Schweinsteiger erwischte eine Flanke von Thomas Müller mit der Hacke, doch der Ball flog am Tor vorbei. Zwölf Minuten später kam Holger Badstuber über links, den Mandzukic-Kopfball hielt Bayer-Keeper Bernd Leno. Dann war es Lahm, der auf Alaba flankte, doch der Kopfball des Österreichers flog am Tor vorbei. In der 40. Minute versuchte es Schweinsteiger mit einem Gewaltschuss, doch wieder war der an diesem Sonntag überragende Leno zur Stelle.

Nach dem 4:0-Erfolg in der Europa League in Wien hatten die auf vier Positionen veränderten Leverkusener viel Selbstvertrauen im Gepäck. In München verteidigten sie nach Ballverlusten mit Mann und Maus, machten so den Raum im Zentrum eng, versuchten sich im Konterspiel - und wurden kurz vor der Pause für ihre disziplinierte Spielweise belohnt.

Ein Castro-Zuspiel hatte Simon Rolfes weiter zu André Schürrle gespielt. Dessen Diagonalpass kam zu Kießling, weil Lahm beim Abwehrversuch eine schlechte Figur machte. Leverkusens Torgarant verwandelte die erste ernsthafte Chance und jubelte zum sechsten Mal in dieser Saison.

Erstmals in dieser Spielzeit gingen die Bayern in der Bundesliga mit einem Rückstand in die Kabine. Heynckes verstärkte seine Offensive, brachte Xherdan Shaqiri für Holger Badstuber, der mit einem Muskelfaserriss länger auszufallen droht. David Alaba, der Ersatz für Franck Ribéry, rückte zurück in die Verteidigung. Doch den Gastgebern fehlte weiter die Zielstrebigkeit.

Heynckes ging nun volles Risiko, brachte Arjen Robben nach vierwöchiger Verletzungspause, bald auch Claudio Pizarro für Schweinsteiger. Drei Minuten nach seiner Einwechslung war es der Peruaner, der die Bayern für das Anrennen belohnte und Mandzukic bediente. Die Hausherren stürmten weiter, Mandzukic traf nur den Pfosten, ehe die kuriose Szene mit Sam und Boateng das Spiel entschied.

( (dpa/HA) )