TV-Kritik

Scholl top, Kahn ein Flop

Sven Kummereincke

"Schluss mit dem Gequatsche." Was Mehmet Scholl am Donnerstag (in Vorfreude auf das Halbfinale) sagte, bringt die Stimmungslage nach 23 Tagen, 31 Spielen und gefühlt 500 Stunden Fernsehen auf den Punkt. Zeit für die Schlussbilanz. Und in der schafft es ARD-Schweiger Tom Bartels auf Platz drei. Bei Spanien - Irland war er so weise, einfach mal die Klappe zu halten, und machte so die irischen Fangesänge zum emotionalsten Moment des Turniers. Danke! Platz zwei gebührt Gerd Gottlob, der sich endgültig in die erste Liga kommentiert hat. Perfekte Balance zwischen Sachlichkeit und Leidenschaft. An der Spitze Mehmet Scholl: Er erklärt die Feinheiten des Spiels und ist dabei weder oberlehrerhaft noch banal. Er setzt Debatten ("Ich hatte Angst, dass Gomez sich wundliegt") und schafft es, Fragen schlicht mit Ja oder Nein zu beantworten. Genau das kann Oliver Kahn nicht, der auch deswegen die Flopliste anführt. Klare Sätze kann er nicht: Seine Lieblingsworte sind vielleicht, könnte, hätte, sollte. Ein Fleisch gewordener Konjunktiv als Meister des Banalen. Ähnlich nervig, aber zum Glück nur nach den Spielen zu sehen, ist Waldemar Hartmann. Seine Sätze sind mehr als flüssig - nämlich überflüssig. Genau wie seine Sendung. Flop Nummer drei betrifft das angebliche Werbeverbot nach 20 Uhr. Eine Farce, da so viele Sendestückwerke von Konzernen präsentiert werden, dass daraus unterm Strich ein mehrstündiger Werbeblock wird. Und jetzt: Schluss mit dem Gequatsche über das Gequatsche im Fernsehen!