"Wir sind in einer gefährlichen Situation"

Katzenjammer bei den Bayern nach der Niederlage gegen Dortmund. Chefetage fordert volle Konzentration auf die Bundesliga

München. Karl-Heinz Rummenigge hatte die Hände tief in seinen Manteltaschen vergraben, als er das Geschehen auf dem Spielfeld in den Katakomben der Münchner Arena analysierte. Er versuchte, den Nüchternen zu geben, und sprach gewohnt abgeklärt. Die Enttäuschung über die Vorstellung seines FC Bayern konnte der Vorstandsvorsitzende aber nicht verbergen. Nach dem berauschenden Auftritt der Münchner am Mittwoch in der Champions League bei Inter Mailand (1:0) folgte die Ernüchterung in der Bundesliga. Beim 1:3 (1:2) gegen Tabellenführer Borussia Dortmund waren die Münchner letztlich chancenlos.

Da passte es ins Stimmungsbild, wie sich van Gaal nach dem Spiel präsentierte. Äußerst dünnhäutig und gereizt reagierte er bei entsprechenden Fragen wie bei jener: Ob der in Mailand im defensiven Mittelfeld so stark aufspielende Luiz Gustavo nicht auch gegen Dortmund auf dieser Position zu mehr Stabilität hätte beitragen können? Abgesehen von seinem Ausgleichstreffer (16.) nach einem Eckball von Franck Ribéry war der Brasilianer als Linksverteidiger gegen Dortmund weit weniger effektiv in Erscheinung getreten. So war der FC Bayern dem couragierten Pressing-Spiel der jungen Dortmunder schlicht nicht gewachsen. "Große individuelle Fehler" machte van Gaal als Hauptursache für die Niederlage aus.

Ungewohnt viele dieser Art leistete sich ausgerechnet der sonst so sicher agierende Bastian Schweinsteiger. Mit einem fatalen Ballverlust ermöglichte Deutschlands Nationalspieler zunächst das 0:1 durch Lucas Barrios (9. Minute). Eine weitere Unaufmerksamkeit nach einer Ecke führte zu einem verlorenen Kopfballduell und dem entscheidenden 1:3 (60.) durch Mats Hummels. Zu allem Überfluss sah Schweinsteiger später noch seine fünfte Gelbe Karte und verordnete sich so selbst eine Zwangspause im nächsten Ligaspiel bei Hannover 96 am kommenden Sonnabend.

Doch Schweinsteiger war nicht der einzige Bayern-Profi, der einen unkonzentrierten Eindruck hinterließ. Holger Badstubers Auftritt stand stellvertretend für die lethargische Vorstellung der gesamten Defensivabteilung. Folgerichtig nahm van Gaal ihn zur Pause aus dem Spiel. Aber auch in der Offensive lief vor allem in der zweiten Hälfte kaum etwas zusammen. Der sonstige Aktivposten Arjen Robben blieb nahezu ohne Wirkung, auch weil die Dortmunder ihn konsequent mit zwei Mann angriffen. "Wir waren nicht frisch genug und sicher nicht schlau genug", sagte van Gaal. Auch Lahm bescheinigte den Seinen in deutlichen Worten mangelhafte geistige Frische.

"Wir müssen uns jetzt schütteln und diese Niederlage, die schmerzt, verarbeiten", forderte Rummenigge. Viel Zeit bleibt dafür nicht. Schon am Mittwoch steht die nächste wichtige Aufgabe an. Schalke 04 reist zum Halbfinalspiel im DFB-Pokal nach München. Den Einzug ins Endspiel nannte Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger "eine Pflicht". "Das ist der Titel, den wir auf jeden Fall sichern wollen."

Darüber hinaus müsse München in der Liga jetzt den zweiten Platz angreifen; durch die Niederlage gegen Dortmund ist der Meister auf Rang vier abgerutscht. "Wir sind in einer gefährlichen Situation. Die Mannschaft darf das jetzt nicht unterschätzen. Sie hat es sich verdient, noch in zwei Pokalwettbewerben dabei zu sein. Aber die Bundesliga ist unser tägliches Brot, und darauf muss die Konzentration liegen", sagte Nerlinger noch. Die Spiele gegen Schalke und in Hannover geraten so zum nächsten Belastungstest für das Selbstverständnis des FC Bayern.