Team folgt "Leitwolf" Magath

Beim 2:0-Sieg über den FC Bayern zeigt sich die Schalker Mannschaft intakt. Torwart Neuer überragend

Gelsenkirchen. Der Wert von Manuel Neuer für Schalke 04 zeigt sich auch in vermeintlichen Kleinigkeiten. Es war der Kapitän und Torhüter, der seine Kollegen dazu aufforderte, nach dem ersten Heimsieg über Bayern München (2:0) nach über fünf Jahren zur Nordkurve zu gehen und sich bei den Fans für die Unterstützung zu bedanken. Und er war es auch, der mit zahlreichen Paraden die Kollegen überhaupt erst in die Lage versetzt hatte, die Ovationen entgegennehmen zu können. "Das war nicht Neuer gegen Bayern, sondern Schalke gegen Bayern. Wir haben die Reaktion gezeigt, die wir selbst erwartet hatten", sagte der Nationalspieler. Tatsächlich hatte er nach einer Woche voller Selbstvorwürfe und kontroverser Diskussionen mit seiner besten Saisonleistung den Grundstock dafür gelegt, dass sich die Situation bei Schalke wieder etwas entspannt.

Zumindest vorübergehend kann Felix Magath durchatmen, die Spieler gaben mit ihrem zumindest kämpferisch überzeugenden Auftritt quasi auch eine Ehrenerklärung für den Trainer und Manager ab. "Die Mannschaft folgt ihm. Er ist unser Leitwolf", sagte denn auch Neuer.

Magath versuchte stattdessen, die Ereignisse der vergangenen Woche zu relativieren. Aufsichtsratschef Clemens Tönnies hatte von ihm öffentlich gefordert, Stellung zu beziehen. "Ich weiß nicht, ob über mich diskutiert worden ist. Es wurde über mich berichtet, aber nicht immer genau ", sagte der frühere Meistertrainer.

Magath hat objektiv recht, wenn er darauf verweist, dass es sich bei der Krisensitzung am vergangenen Dienstag vor dem Aufsichtsrat um eine turnusmäßig anberaumte Versammlung gehandelt habe. Auch sei ihm nie das in Öffentlichkeit kolportierte Ultimatum gestellt worden. Das sei "völliger Unsinn", erklärte er. Doch das ändert nichts daran, dass der Vorgang und die Art, wie er von Tönnies durch seine öffentliche Kommentierung eingeleitet worden war, noch vor einem halben Jahr unvorstellbar gewesen wäre.

An jenem Dienstagabend, als Magath in erster Linie Fragen über die desolate Vorstellung von Kaiserslautern (0:5) beantworten musste, hatten trotz Minusgraden Journalisten stundenlang die Geschäftsstelle belagert, sogar Gerüchte über eine - nie beabsichtigte - Trennung von Magath hatten die Runde gemacht. Zustände, die an die Zeiten vor Magath erinnerten. Verhältnisse, die längst überwunden sein sollten.

Ob ihn die Vorkommnisse beeindruckt oder die zweideutige Aussage von Tönnies ("Die Winterpause ist nicht nur dazu da, Urlaub zu machen. Dann ziehen wir auch Bilanz") geärgert haben, ließ Magath nicht durchblicken. "Stress war genug da", sagte der 57-Jährige nach einer Partie, in der seine Mannschaft zwei verschiedene Leistungen gezeigt hatte. Eine, in der ein deutlicher Qualitätsunterschied im Vergleich zum Gegner offenkundig wurde. "Schwierig" sei es gewesen, so Magath. Lediglich Neuer und eine große Portion Glück hätten sein Team überhaupt im Spiel gehalten. "Danach haben wir die Partie aber über unseren Willen gewonnen", lenkte Magath deshalb schnell das Augenmerk auf den zweiten Durchgang, als durch die ersten Saisontreffer von José Manuel Jurado (58. Minute) und Benedikt Höwedes (67.) der Spielverlauf auf den Kopf gestellt wurde.

Immerhin: Die Einstellung habe gestimmt. Was nicht mehr als eine Selbstverständlichkeit ist, war an diesem Abend für Magath eine entscheidende Erkenntnis: hatte es in der allgemeinen Hysterie doch sogar Mutmaßungen gegeben, dass sich die Profis von ihrem nicht immer einfühlsamen Chef entfremdet hätten.

Tatsächlich aber bilden Spieler und Trainer derzeit eine Schicksalsgemeinschaft. Durch den Umbruch gibt es immer noch erhebliche taktische Defizite: Das Umschalten von Angriff auf Abwehr passiert zu langsam, die Besetzungen der Außenverteidigerpositionen wirken improvisiert.

Erneute Rückschläge, dessen sind sich die Spieler durchaus bewusst, könnten deshalb "nicht ausgeschlossen" werden (Neuer). Der größte Fehler wäre es, nach dem prestigeträchtigen Sieg über den Rekordmeister "in Euphorie" zu verfallen. Stattdessen empfahl der Nationalspieler, den Magath als "besten Torhüter der Welt" lobte, den Kollegen, "auf die Tabelle zu schauen". Bei gerade 16 Punkten erscheint ein Erreichen des Saisonziels, die Qualifikation für die Champions League, utopisch.

Eine gewisse Vorsicht ist bei der Bewertung der Situation durchaus angebracht. "Ich freue mich natürlich über den Sieg", sagte Abwehrchef Christoph Metzelder: "Aber gleichzeitig denke ich, wie bescheuert sind wir, dass wir vergangene Woche noch sang- und klanglos untergegangen sind?"